VON Siegfried Farkas

Kissingen und Bismarck, das ist seit langem eine innige Verbindung. Die Stadt setzte ihrem Eisernen Kurgast schon zu Lebzeiten ein Denkmal und wurde so zum Vorreiter für eine lange Reihe von Bismarck-standbildern in ganz Deutschland. Später kamen ein Bismarckturm und ein Bismarckmuseum hinzu. Rechtzeitig zu Bismarcks 200. Geburtstag ist zudem die Zahl der bedeutenden Bismarckporträts in der Stadt wieder gestiegen. Die Stadt hat für das Bismarckmuseum ein Werk geschenkt bekommen, das Franz von Lenbach geschaffen hat.
Geschaffen habe der Münchner Malerfürst das 70 mal 78 Zentimeter große Porträt 1896, also zwei Jahre vor Bismarcks Tod, berichtet Kulturreferent Peter Weidisch im Stadtblatt. Es zeigt den betagten Reichsgründer als Privatmann, "nicht martialisch in Uniform und mit Pickelhaube", wie er herausstellt. Das sei ein Bismarck, "gerade so wie er als Kurgast in der Oberen Saline geweilt" hat.

Geberin will anonym bleiben

Eben deshalb passe das Bild auch so gut in das in der Oberen Saline angesiedelte Museum. Es mute an, schreibt Peter Weidisch im Stadtblatt, "als hätte Lenbach Bismarck hier in der Saline auf die Leinwand gebracht". Zu verdanken hat das Museum nach Weidischs Worten das Gechenk einer Frau aus Würzburg. Auch ihr sage die Verbindung der Darstellung des Eisernen Kanzlers zu Kissingen zu. Wer die Geberin ist, verriet Weidisch auch auf Nachfrage nicht. Das sei mit ihr so vereinbart. In die Familie der Frau gekommen sei es einst als Geschenk an ihren Schwiegervater, einen großen Bismarckverehrer.
Das in Öl auf Leinwand geschaffene Gemälde ist nach Weidischs Angaben fachmännisch gereinigt worden. Eine Expertise bestätige die Echtheit. Auch eine Schätzung des Werts liege vor. Allerdings sei darüber zwischen der Geberin und der Stadt Stillschweigen vereinbart worden, erklärt der Kulturreferent.
Damit bleibt zur groben Eingrenzung des Werts nur die Annäherung über den Vergleich mit anderen Verkäufen. Bei Ketterer Kunst in München, das sich selbst als das Auktionshaus für Kauf und Verkauf von Werken Franz von Lenbachs bezeichneten, erzielen Werke des früheren Münchner Malerfürsten regelmäßig vierstellige Preise. Wie Weidisch auf Anfrage berichtete, soll das Bild "einen Ehrenplatz" in der Sonderausstellung zum Jubiläumsjahr als Anlass von Bismarcks 200. Geburtstag erhalten.
Die Schenkung ist eines der späten Werke in einer langen Reihe von Bismarck-Porträts, die Franz von Lenbach geschaffen hat. Um die 80 Gemälde sowie zusätzlich zahlreiche Skizzen und Entwürfe soll der Malerfürst insgesamt von Bismarck geschaffen haben. Erstmals begegnet seien sie sich, heißt es unter anderem in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia, 1874 in Kissingen. Dem Jahr, als Bismarcks die Stadt zum ersten Mal besuchte und in der heutigen Bismarckstraße Zielscheibe eines Attentats durch den Magdeburger Böttchergesellen Eduard Kullmann wurde.

Zweiter Lenbach ist eine Leihgabe
Mit der Schenkung verfügt Bad Kissingen jetzt über zwei Bismarck-Porträts von Lenbach. Das andere hing lange Zeit in den Amtsräumen des Oberbürgermeisters und zog später ins Stadtarchiv um. Allerdings gehört es nicht der Stadt, sondern ist eine Leihgabe des Bundes.