Der Bäckerei Ludwig stehen entscheidende Wochen bevor. Anwalt Matthias Reinel glaubt, bis September sei klar, ob es eine Lösung für die Zukunft des insolventen Unternehmens gibt.
Das Amtsgericht Schweinfurt hat den in Würzburg ansässigen Rechtsanwalt mit der vorläufigen Insolvenzverwaltung über Rainer Ludwig und seine Bäckerei beauftragt. Weil der Auftrag aber erst gut eine Woche zurückliegt, hält Reinel sich mit Prognosen für die Zukunft der Bäckereikette mit Hauptsitz in Oerlenbach noch bedeckt.
Im Moment sei noch schwer abzuschätzen, ob die Bäckerei Ludwig als selbstständiges Unternehmen erhalten werden kann, oder ob sich die Dinge in den nächsten Wochen anders entwickeln, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter am Dienstag auf Anfrage. Relativ sicher sei er, ergänzte Reinel, dass in vielen der Orte, wo Bäcker Ludwig vertreten war, Bäckereifilialen erhalten bleiben. Das wäre dann aber zunächst eher eine gute Nachricht für Kunden und die Versorgung vor Ort.


Erster Ansprechpartner

Wie berichtet, hofft Rainer Ludwig, in "kleinerem Stil weitermachen" zu können. Vergangenen Donnerstag nannte er im Gespräch mit dieser Redaktion in diesem Zusammenhang eine Größenordnung von "sechs bis zehn Filialen". Rechtlich möglich sei das, erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter dazu am Dienstag. Das setze aber die Billigung durch Gläubiger voraus, und dafür brauche es ein tragfähiges Konzept. Ludwig sei zwar der erste Ansprechpartner, ergänzte Reinel. Wenn seine Bemühungen aber nur in diese Richtung gingen, würde er seiner Aufgabe als vorläufiger Insolvenzverwalter nicht gerecht. Die Bäckereibranche sei ohnehin keine sonderlich einfache, so der Anwalt.


Mehrere Gründe für die Insolvenz

"Wir halten den Geschäftsbetrieb vollumfänglich aufrecht", zumindest soweit das die Personalausstattung zulasse, erklärte Reinel am Dienstag weiter. Die Filialen sollten "so weitreichend wie möglich fortgeführt werden". Rainer Ludwig hatte vergangenen Donnerstag von insgesamt 107 betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzählt. Die Zahl der Filialen gab er für den Zeitpunkt kurz vor der Insolvenz mit 22 an. Vier davon befanden sich im Landkreis Bad Kissingen - in Oerlenbach der Hauptsitz, dazu in der Kissinger Kernstadt, in Garitz und Maßbach. Das deutlich größere Absatzgebiet bildet aber nach wie vor Schweinfurt mit Umgebung. Sechs Filialen mussten, nach Rainer Ludwigs Angaben wegen Personalmangel in den vergangenen Wochen bereits geschlossen werden.
Rainer Ludwig hatte als Hauptgrund für die Insolvenz die Belastung des Unternehmens durch wiederholte mehrmonatige Straßenbauarbeiten und Sperrungen am Hauptsitz in Oerlenbach genannt. Das allein habe zu einem Verlust von 350 000 Euro geführt. Matthias Reinel sagte auf Anfrage dazu, das könne durchaus beigetragen haben. In der Regel hätten Insolvenzen aber nicht nur eine Ursache, sondern ein ganzes Bündel an Gründen.