Dem Bad Kissinger Gymnasium kommt in Bezug auf die Namensgebung von Schulen in Bayern eine Vorreiterrolle zu. Es erhielt bereits 2001 die Möglichkeit, sich nach einer lebenden Person zu benennen. Vier Jahre, bevor der Freistaat den Weg dazu ganz allgemein frei machte, benannte sich die Bildungseinrichtung nach ihrem ehemaligen Schüler Jack Steinberger, der es in den USA bis zum Nobelpreis in Physik 1988 gebracht hatte.
Obwohl man also nicht lange forschen muss, um den Namen des Gymnasiums zu verstehen, sagt Schulleiter Frank Kubitza, wissen viele nicht, wer Jack Steinberger ist. Diesem Missstand soll jetzt ein Büchlein abhelfen. Rudolf Walter, früher Lehrer an der Schule, und schon als Co-Autor des Werks über Jüdisches Leben in Bad Kissingen in Erscheinung getreten, beschreibt darin Biografie und Persönlichkeit des 96 Jahre alten Nobelpreisträgers. Wie Kubitza, sein ständiger Vertreter Jens Beck und der Autor bei der Vorstellung beschrieben, soll das Büchlein eine Lücke schließen. Den Überblick über das Leben habe es bisher im Grunde nur in einem englischsprachigen Buch gegeben. Jack Steinberger - vom Kantorensohn zum Nobelpreisträger, so heißt Walters Werk, liefert diese Informationen nun auf Deutsch.


500 Exemplare gedruckt

Das englische Buch sei zwar eine der dafür verwendeten Quellen gewesen, berichtete Walter, aber längst nicht die einzige. Ein Videointerview von Steinbergers Sohn Ned mit dem Vater und die Facharbeit einer Schülerin des JSG sowie eine Reihe weiterer Veröffentlichungen hätten ebenfalls geholfen.
Walter spannt den Bogen von den Eltern und der Kindheit des als Hans Jakob Steinberger am 25. Mai 1921 in Bad Kissingen geborenen Sohnes eines jüdischen Kantors und Religionslehrers über die Flucht vor den Nazis, berufliche Entwicklungen bis zu seiner eigenen Familie, seinen Kindern und seiner Wiederbegegnung mit seiner Geburtsstadt, wo er vor allem in Alt-OB Georg Straus einen engen Freund gewann. Zur Sprache kommt auch das große Paradox in Jack Steinbergers vielfach von Glück geprägtem Leben. Vieles in seinem Leben, sagte er in einer Rede zur Namensgebung seiner Schule, verdanke er "zum großen Teil dem Dritten Reich". Für ihn erwuchs aus der Notwendigkeit zur Flucht erst in den USA die Chance, das aus seinem Leben zu machen, was er daraus gemacht hat.
Gedruckt worden sind von dem Büchlein 500 Exemplare. Die Kosten dafür haben die Freunde des Jack-Steinberger-Gymnasiums übernommen. Und das sehr gerne, wie Vorsitzende Gudrun Heil-Franke bei der Vorstellung des Werkes bestätigte. Gedacht ist das "instruktive Bändchen", wie Kubitza sagt, für die typischen Gelegenheiten, die eine Schule so hat, um Bücher über den eigenen Namenspatron zu verschenken. Dass er ein gutes Vorbild nicht nur für Schüler ist, kann man Jack Steinberger kaum absprechen. Spontan entschlossen sich Schulleitung, Autor und Gudrun Heil-Franke auch, das Werk darüber hinaus für fünf Euro im Sekretariat zum Kauf anzubieten. far