Auf vollen Touren laufen die Ermittlungen zu einer Serie von zwölf Fahrzeugbränden in Hammelburg. Dort steckte ein Unbekannter nach und nach Autos und eine Mülltonne in Brand. Der Täter zündelte auch nah an Hausfassaden in den engen Altstadtgassen. Die Polizei und gut 80 Feuerwehrleute verhinderten Schlimmeres. Den Schaden schätzt die Polizei auf rund 250 000 Euro.

Gegen ein Uhr in der Nacht auf Freitag hatte ein Passant den Brand eines Autos in der Bahnhofstraße gemeldet. Die Polizei löschte mit einem Feuerlöscher. Dann überstürzten sich die Ereignisse. Es gingen weitere Brandmeldungen aus der Altstadt, aus der Bahnhofstraße, dem Ofenthaler Weg und der Fuldaer Straße ein.

Meist Feuer an Autoreifen

Dabei fiel auf, dass die betroffenen Autos nicht in Brand standen, sondern nur Reifen Feuer gefangen hatten und umliegende Karosserieteile in Mitleidenschaft gezogen hatten. Darum blieb es meist bei kleinen Bränden. So auch in der Wankelstraße: Vom scharfem Gummigeruch wachten dort schlafende Bewohner eines Hofes auf. Unter einem Vordach brannte das Rad eines Anhängers, der mit Brennholz beladen war. Zum Glück griffen die Flammen nicht auf die Ladung und danach auf das Gebäude über.

Von der Zahl der Einsätze überrascht, begannen Feuerwehrleute, die Altstadt zu durchkämmen. "Dabei kam ihnen ihre Ortskenntnis zugute", sagt Alexander Marx, als Sprecher der Landkreis-Feuerwehren. Ausgesprochen bedrohlich schätzte er den Rauch ein, der bei den Fahrzeugbränden in die Zimmer von Schlafenden drang.

Hubschrauber-Einsatz

Weil die Polizeiinspektion Hammelburg rasch von Brandstiftung ausging, leitete sie einen Großfahndung ein. Auf der Suche nach einem Täter setzte sie einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera ein. Für die Feuerwehrleute wurde es dennoch eine lange Nacht. Sie unterstützten die Absperrarbeiten und hielten sich bis 6.30 Uhr am Gerätehaus für weitere Einsätze in Bereitschaft.

Die schlimmsten Schäden hinterließ der mutmaßliche Brandstifter im Hof des Zustellstützpunktes der Post in der Bahnhofstraße. Dort parken über Nacht auf engem Raum gut ein Dutzend Kleinbusse für die Zustellung. Ein Feuerwehrmann entdeckte im Hof bei der Fahrt zu den Einsätzen einen Lichterschein. Mehrere Transporter standen in Flammen. An drei von ihnen brannten die Motoren aus, zwei weitere und die Fassade des Hauses wurden beschädigt. Mit dem Einsatz von Löschschaum verhinderte die Polizei Schlimmeres.

Flammen an Tankwagen

Bedrohlich klang eine Alarmierung aus der Fuldaer Straße. Dort züngelten Flammen an einem Tankwagen. Mitarbeiter eines benachbarten Betriebes hatten den Vorfall entdeckt. Doch auch diesen Brandherd hatte die Feuerwehr im Griff, bevor der ganze Lebensmitteltransporter in Flammen stand. Durch Ruß und die starke Hitzeentwicklung wurde zudem die Fassade der Gebäuderückseite eines Hauses in der Bahnhofstraße beschädigt. Auch gingen hier Fenster zu Bruch. Während sich die Einsatzkräfte und etliche Geschädigte die Nacht um die Ohren schlugen, bekamen viele Anrainer von dem Wirbel gar nichts mit. Wie eine Anwohnerin der Bahnhofstraße. Erst am Freitagmorgen habe sie weiße Flecken am Boden und einen Zettel der Polizei an ihrem Auto entdeckt. Als Schaden war auf den ersten Blick nur ein platter Reifen erkennbar. Dazu die Geschädigte: "Wie es darunter aussieht, weiß ich noch nicht." Das muss erst eine Überprüfung in der Werkstatt klären. Zunächst durfte das Auto laut den Anweisungen der Polizei aber nicht bewegt werden, damit die Spurensicherung ihre Arbeit machen konnte. Die Verunsicherung aber bleibt: "Neulich habe ich gesehen, dass irgendwo in Berlin wieder ein Auto brannte. Da dachte ich mir noch, dass wir in Hammelburg vor so etwas ja relativ sicher sind", meinte die Halterin, die den Zwischenfall relativ gelassen nahm.

Polizei bittet um Hinweise

Die Polizei vermutet, dass durch das massive Kräfteaufgebot verhindert werden konnte, dass weitere Fahrzeuge in Brand gesteckt wurden oder gar Personen zu Schaden kamen. Brandfahnder der Kriminalpolizei Schweinfurt ermitteln. Sie gehen von einer längeren Spurensicherung und Nachforschungen aus. Die Kripo bittet alle, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben, diese unter Tel.: 09721/202 17 31 oder direkt bei der Polizeiinspektion Hammelburg unter Tel.:09732/90 60 zu melden.