Es ist der Tag der Insider, der Kissinger, der Tag der vielen kleinen Kostbarkeiten des Rakoczyfestes. Reiterquadrille, brennende Saale, Zapfenstreich und vieles mehr stehen schon am Freitag auf dem Programm. Musik auf allen Plätzen sowieso, aber noch ist nicht ganz so viel los, ist durchkommen in der Fußgängerzone möglich, die Schlange an den Ständen nicht endlos, Unterhaltung beim Cocktail noch zu verstehen.
Die meisten Besucher schlendern von einer Station zu anderen, wie Klaus und Marianne Rother aus Marktheidenfeld. Sie haben das Programm dabei, haben am Maxbrunnen das Tanzbein geschwungen und jetzt wollen sie zum Feuertürmle: "Da soll's ja richtig urig sein".


Quadrille im grünen Wohnzimmer

Viele zieht es aber schon zum ersten Höhepunkt, zur die Quadrille des Reitervereins im Luitpoldpark. Dort empfängt Michael Martin die Besucher in der schneidigen Uniform eines Oberbereiters der Spanischen Hofreitschule in Wien. An seiner Seite Ehefrau Bianca, - mei sammer fesch - stilsicher in edlem Promenadekleid, das Schößchen hinten mit schöner Gemme gehalten: Beide sind im Reiterverein, Bianca kümmert sich um die acht jungen Reiterinnen, Michael gibt die Kommandos zur Quadrille 2016. Inzwischen ist das Karree im weitläufigen Park unter den hohen Bäumen restlos gefüllt, in Dreierreihen stehen die Zuschauer, huldigen zuerst den historischen Persönlichkeiten: Fürst Rakoczy und seiner jugendlich frischen Quellenkönigin Viktoria in weit fallendem Tüll, wasserblau mit Paillettenkorsage. "Auf den Auftritt freue ich mich besonders", verrät die Studentin: "Ich bin selbst Reiterin, in Würzburg kümmere ich mich um Ronny, mein Pflegepferd". Auch weitere Edelprominenz, Kaiserin, Zar, Sissi und die Riege der Wittelsbacher, sind gekommen und bestaunen die Formationen, die zwei Schimmel, und vier Braune auf den Rasen des Parks zeichnen.


Fesche Reiterinnen, edle Pferde

Die Mähnen der Pferde geflochten, die Fesseln mit Bandagen gewickelt, die Mädchen in den Uniformen ungarischer Panduren, blau-rot mit schwarzer Pelzkappe traben sie elegant in Kreisen Kreuzen, oder Kamm auf das Kommando des Oberbereiters: "Bitte keinen Blitz zum Fotografieren, Klatschen erst am Ende und dann bitte dezent", weist er auf die sensiblen Rösser hin. Wie die "Historischen" sind die Zuschauer angetan von der Symbiose die Pferd und Reiter mit der Umgebung eingehen und stimmungsvolle Bilder in den lichten Hain zeichnen.
Lilian Schmitt ist zum zweiten Mal bei der Quadrille dabei und tätschelt ihrem Pferd beim Ausreiten nach der Vorstellung den Hals: "Seit Mai haben wir geübt und Loreley hat das prima gemacht."

Rakoczy-Urgestein Edgar Kast, nach 34 Jahren als Darsteller heute in zivil unterwegs, schwärmt von der Möglichkeit, Rakoczy endlich mal völlig entspannt und ohne Verpflichtung zu genießen: "So intensiv, habe ich den Tag noch nie wahrgenommen" und macht sich mit dem Strom der Besucher auf zum nächsten Glanzpunkt: "Die Saale brennt".

Die Ufer sind gesäumt von tausenden Besuchern - die besten Picknickplätze sind seit dem frühen Abend schon belegt - das majestätische Schauspiel der ruhig dahingleitenden Boote unter mildem nächtlichen Himmel in einem Meer von roten und gelben Lampions: "Eine Postkartenidylle" meint Gerd Schindelmann, Darsteller des Adolph von Menzel" dem besonders die neue Laserinstallation gefallen hat: "Die Boote sind wie auf der Straße einem mystischen grünen Tunnel entgegengefahren."


Zapfenstreich und Handys

Als die Boote in der Lindesmühlpromenade anlegen, intoniert das Jugendmusikkorps gerade die letzten Stücke des Großen Zapfenstreichs. Musikdirektor Bernd Hammer legt den Finger auf den Mund und so erklingt "Ich bete an, die Macht der Liebe" besonders innig und Edgar Kast, der auch den Zapfenstreich anders als sonst erlebt, bestätigt, dass ihm beim Deutschlandlied, doch ein kleiner Schauer über den Rücken gelaufen ist.
Die Stadt brodelt. Jetzt zieht der Strom der Feiernden wieder Richtung Ludwigsbrücke. "Der Springbrunnen läuft" macht die Runde. Wer nicht schon da ist, hat keine Chance die Faszination nah zu erleben. Aber dennoch sieht jeder, wie sich die Rosen und Regentenbau im Wasserdunst erscheinen. Auf dem Display vieler Hundert hochgehaltener Smartphons, die das Schauspiel von Gischt, Fontänen und Farben filmen. Ein weiterer Höhepunkt des vielseitigen Rakoczyfreitags. Bleibt noch die Frage nach dem Wetter: Einfach Ideal meint Cheforganisator Bruno Heynen mit Blick auf die Feiermeile Ludwigsbrücke. "So darf"s bleiben".