"Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu ihrer Mutter auf den Friedhof und plötzlich ist das Grab weg und keiner weiß warum." So versucht Katharina Unger zu erklären, wie es ihr ging, als sie zusammen mit ihren Söhnen ihre verstorbene Tochter Marie besuchen wollte - und nichts mehr da war, was an sie erinnerte.
Marie ist ein Sternenkind. Sie starb noch im Mutterleib in der 17. Schwangerschaftswoche.
Um stillgeborene Kinder, wie die kleine Marie, bestatten zu können, gibt es seit zwei Jahren auf dem Parkfriedhof eine Himmelswiese. Mittlerweile wurden dort 56 Sternenkinder beerdigt. Viele Eltern stellen zum Andenken eine Kerze auf oder legen ein Stofftier ab. Aber auch kleine Gedenktafeln mit den Namen der Kinder sind dort zu finden.
Als Unger vor etwa drei Wochen das Grab besuchte, war nichts mehr da, was an die Kinder erinnert. "Ich war fix und fertig", sagt sie. Da es abends war, erreichte die 36-Jährige keinen mehr. Am nächsten Tag wurde ihr mitgeteilt, dass gemäht werden musste und sie die Erinnerungsstücke in der Friedhofsverwaltung abholen könne. "Dort lag alles in einem Karton verstaut."
Die Nüdlingerin wollte es nicht so lassen: "Ich habe auf jedes Grab ein Windrädchen gesteckt, das an die Kinder erinnern soll." Ihr ist wichtig zu wissen, wo ihre Marie begraben ist.
Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt, erklärt auf Anfrage, dass sich zu viele Dinge auf der Himmelswiese angesammelt hätten und sie deshalb abgeräumt wurde. Dass dies jedoch ohne Vorwarnung geschehen ist, bedauert Gabriela Amon von der katholischen Klinikseelsorge: "Wenn das vorher kommuniziert worden wäre, hätte ich die Eltern informieren können, damit sie ihre Sachen abholen. So war es für alle, die es betrifft, ein echter Schock."
Wie für Yvonne Stolas aus Wartmannsroth. Sie hatte eine kleine Schiefertafel für ihren Sohn Anton niedergelegt. "Andere richten ihr Kinderzimmer ein, wir haben einen kleinen Stein für ihn ausgesucht." Als plötzlich alles weg war, hatten sie vor allem Angst, Antons Grab auf der Wiese nicht mehr zu finden. "Wir haben aus Bedacht ein Einzelgrab gewählt, weil Anton schon so groß war. Er kam in der 22. Schwangerschaftswoche auf die Welt", erzählt die 35-Jährige mit zitternder Stimme.
Die Stadt stellt die Fläche kostenlos zur Verfügung, die Grüne Truppe der Lebenshilfe ist für die Pflege zuständig. Die Initiatoren, die Christian-Presl-Stiftung sowie die evangelische und katholische Klinikseelsorge, haben mit der Stadt vereinbart, dass der Platz möglichst leer bleibt. Auf einem Merkblatt werden Eltern informiert, dass Kerzen oder Blumen regelmäßig entfernt werden.
Die Initiatoren der Himmelswiese treffen sich am 5. Juli mit den betroffenen Eltern und suchen gemeinsam nach Lösungen. In Zukunft soll die Kommunikation weiter verbessert werden. Und auch das Merkblatt für die Eltern soll konkretisiert werden. Auch bei der Stadt ist man sich des sensiblen Themas bewusst. "In nächster Zeit müssen wir darauf achten, dass Dinge schneller sukzessive weggeräumt werden", sagt Hack. Julia Back