Ihrer Stadt das Attribut Hochschulstandort anheften zu können, gehört seit gut zwei Jahrzehnten zum Grundbestand der Träume von Kissinger Lokalpolitikern. Mehr als Schrittchen in die richtige Richtung haben sich bis jetzt zwar nicht ergeben. Am Freitag aber hat die Sache einen ganzen Schritt gemacht: Uni Würzburg und Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) haben einen Kooperationsvertrag zur Einrichtung einer Professur in Bad Kissingen unterschrieben.
Bei dieser Kooperation geht es nicht einfach um große Träume einer dafür bisher noch zu kleinen Stadt. Definiert ist die geplante Professur durch die Themen Prävention und Gesundheitsförderung und das zugehörige neue Institut für Kurortmedizin - alles Felder der Medizin, deren Erforschung in einem Land, wo die Liste der Kurbäder fast 400 Ortsnamen umfasst, auf ein echtes Bedürfnis trifft. Denn Kur, Reha und Prävention, die klassischen Domänen der Heilbäder, kämpfen schon lange darum, dass ihre Leistungen ernst genommen werden.
LGL-Präsident Andreas Zapf, Universitäts-Präsident Alfred Forchel und Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät an der Uni, sind sich der Bedeutung der neuen Professur und des zugehörigen Instituts sehr bewusst. Es gehe da nicht "um Marketingstrategien, um die ambulante Badekur des 19. Jahrhunderts wiederzubeleben", sagte Zapf. Ziel sei, wissenschaftliche Grundlagen dafür zu erarbeiten, "welche Rolle Kurorte in einer Zeit spielen können, die von der Zunahme chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck" oder den Folgen psychischer Belastungen geprägt sei.
An der Ausschreibung der Professur werde gerade gearbeitet. Ziel sei, die Stelle noch in diesem Jahr zu besetzen. Das zugeordnete und noch aufzubauende Institut für Kurortmedizin und Gesundheitsförderung in Bad Kissingen soll dann über acht Stellen verfügen. Die Professur ist zunächst befristet bis 2021. Bei einer W2-Brückenprofessur sei das fast schon üblich, erklärte Frosch. Zumal beide Partner, so Zapf, damit "Neuland betreten". Universität und LGL beeilten sich dennoch zu betonen, es sei die Absicht, die Stelle "zu verstetigen". Ihren Schwerpunkt werde die Professur in Bad Kissingen haben. Sie sei aber auch in die Lehre in Würzburg eingebunden. Professur und Institut sind Teil eines insgesamt deutlich größeren Projekts im Rahmen der von Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder betriebenen Behördenverlagerung. Das LGL errichtet in diesem Zusammenhang in Bad Kissingen eine Außenstelle. Dort sollen bis 2025 schrittweise insgesamt 100 Beschäftigte ihren Dienst antreten. Sieben sind als Vorhut bereits da. Angesiedelt wird die Außenstelle im zurzeit leerstehenden Kurhausbad. far