Oft haben sie nur noch das, was in der Brieftasche steckt. Schnell noch mal ans gemeinsame Konto, wenn es nicht schon zu spät ist. Kinder: zwei, drei oder vier. Partner: null. Verlassen. Alleingelassen. Wenn sich der Mann aus dem Staub macht, stehen Frauen mit ihren Kindern plötzlich ohne da. Ohne Geld, ohne Unterstützung. Hilfe suchen sie auch bei Gabriele Morath, Sozialberaterin des Caritasverband Bad Kissingen. Sie bietet den Frauen noch mehr als Rat und Beistand.

Die Trennung ist für die meisten schon schwierig genug, erzählt die Beraterin. Sie hofft, dass sich die Frauen ein klein bisschen weniger verlassen fühlen, wenn sie an dem runden Holztisch in ihrem Büro sitzen. Die meisten bringen ihre Kinder nicht mit. Die Frauen kommen, wenn die im Kindergarten oder in der Schule sind. "Sie versuchen, die Probleme von ihren Kindern fern zu halten", sagt Gabriele Morath. Die Probleme kommen, wenn der Mann geht. Partner, Vater und Verdiener fehlen.


Müssen aufs Geld schauen

Erste Priorität hat die Wohnung. Doch gerade hier entstehen Konflikte: Die Mieten sind höher als die Zuschüsse. "Das weiß jeder in Bad Kissingen." Umziehen in eine kleinere Wohnung? Schwierig, meint Morath, für eine Alleinerziehende mit drei Kindern und keinem regelmäßigen Einkommen. Dazu kommt: Oft fallen die Nebenkosten sehr hoch aus, weil die Zimmer in den alten Häusern schlecht isoliert sind. Geht dann der Kühlschrank oder die Waschmaschine kaputt, wird es finanziell richtig eng für die Familien, erzählt Gabriele Morath. "Es gibt viele, die müssen richtig rechnen - bei allem." Suchen die Frauen dann Hilfe bei Gabriele Morath, rechnet sie nach.


Selbst in den Griff bekommen

Die Einnahmen stellt die Sozialberaterin den Ausgaben gegenüber. Zusatzversicherungen, Zigaretten: Sie rät den Damen, unnötige Ausgaben zu drosseln. Doch: "In den meisten Fällen gibt es die gar nicht." Leben am Limit. Nicht unmittelbar nach der Trennung bekommen die Frauen vom Vater des Kindes Unterstützung für den Unterhalt. Zur Überbrückung helfen die Spenden aus der Aktion "Weihnachtshilfe". Trotz der Hilfe: "Die Eigenverantwortung bleibt. Die meisten wollen ihre Situation selbst in den Griff bekommen", sagt Gabriele Morath.

"Die Mütter leiden richtig. Oft stecken sie selber zurück." Damit die Außenwelt ihre missliche Lage nicht wahrnimmt, versuchen manche den Schein zu wahren: In Marken-Klamotten gekleidet soll die Armut den Kindern keiner ansehen. Ein Dilemma. Geldleistungen könnten sie dann nicht erwarten, meint die Sozialberaterin. "Ich sage dann, wo die Grenzen liegen." Unterstützung, Rat und Hilfe bei den Formalitäten bekommen die Frauen dann von Gabriele Morath.

Geschenke-Aktion Nicht jede Familie im Landkreis hat Geld für Geschenke. Im Rahmen der Spenden-Aktion "Weihnachtshilfe" der Saale-Zeitung organisieren Gabriele Morath und ihr Team vom Caritasverband Geschenke für Familien, bei denen ansonsten nichts unter dem Weihnachtsbaum liegen würde, weil sie es sich nicht leisten können, Spielsachen für die Kinder zu kaufen. Der Caritasverband ist auf der Suche nach folgenden Dingen: eine Stereoanlage für ein elfjähriges Mädchen und ein Puppenbett für eine 40 Zentimeter große Puppe für die vierjährige Sarah. Wer etwas zu verschenken hat, kann sich bei Gabriele Morath unter der Telefonnummer 0971/724 692 06 melden.