VON Henry Stern

München — Das zähe Ringen um ein neues Fünf-Sterne-Hotel auf dem staatseigenen Gelände des früheren Steigenberger-Hotels in Bad Kissingen geht erneut in die Verlängerung: "Wir brauchen noch Zeit, es muss noch nachgeliefert werden", sagte Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) am Freitag.
Erst am Mittwoch war die letzte Nachbesserungsfrist für einen Projektentwickler ohne Ergebnis abgelaufen. Trotzdem sollen die Gespräche mit dem gleichen Interessenten nun weitergeführt werden. Der Grund: Ein Luxushotel alleine lässt sich in der Kurstadt offenbar nicht finanzieren. Doch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) höchstpersönlich hatte den Kissingern ein neues Fünf-Sterne-Haus versprochen.
"Der Fünf-Sterne-Markt ist schwierig", räumt Söder ein. Die Lösung soll deshalb ein neues Konzept bringen: Ziel sei "Fünf-Sterne plus Shopping und Apartments" in dem Areal unterzubringen, um doch noch eine private Finanzierung des bis zu sechzig Millionen Euro teuren Vorhabens auf die Beine zu stellen. Gedacht ist offenbar an ein Luxus-Einkaufszentrum mit Läden renommierter Edelmarken, das direkt in das Hotel integriert ist. Interessenten soll es bereits geben, ebenso einen möglichen Hotelbetreiber. "Wir warten ab, ob wir eine belastbare Lösung bekommen", bleibt Söder dennoch vorsichtig. Die Finanzierung müsse "in jedem Fall solide sein".
Die Vorsicht scheint geboten, denn der Freistaat ist in Sachen "Kurhaus-Hotel" ein gebranntes Kind: Vor rund zwei Jahren schien eine Lösung mit einem anderen Projektentwickler auf dem Weg - bevor das Vorhaben mangels Finanzierung platzte.
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zürnte daraufhin mit dem Finanzministerium und lehnte sich für das Fünf-Sterne-Haus in der Kurstadt weit aus dem Fenster: Das Luxushotel werde kommen, versprach Seehofer damals. Und falls sich kein privater Investor finde, "dann machen wir es ganz selber", kündigte der Regierungschef damals an.
Zwei Jahre später ist das seit der Auflösung des Steigenberger-Vertrags 2010 verlassene Gebäude abgerissen - der Freistaat hatte sich damals gegen eine Sanierung entschieden. Doch eine Lösung für die prominente Baulücke gibt es immer noch nicht. Sollten die aktuellen Pläne scheitern, stünde der Freistaat jedenfalls nicht als Bauherr zur Verfügung, stellt Söder klar: "Wir sind kein Hotelbetreiber und können auch kein neues Hotel bauen." Ein staatliches Luxushotel verstieße gegen europäisches Recht und wäre "gar nicht genehmigungsfähig", so Söder.
Die staatlichen Zusagen für die Sanierung des benachbarten historischen Kurhausbades gelten aber weiter: Der Freistaat wollte hier zunächst nur einen Denkmalschutz-Zuschuss von neun Millionen Euro geben. Um das angrenzende Hotelprojekt zu erleichtern, wurde dann aber 2013 auf Druck Seehofers eine Gesamtsanierung zugesagt, die inzwischen auf 35 Millionen Euro beziffert wird.
Bis Ende Juni will Söder nun endgültig eine Entscheidung für das Hotelareal - auch um die Sanierung des Kurhausbades nicht noch länger aufzuhalten. Ohnehin mache die CSU-Staatsregierung "für Bad Kissingen alles", findet Söder - zuletzt etwa im Rahmen der Behördenverlagerung: "Es gibt keine Stadt dieser Größe, die ähnliche Unterstützung erhält."
Im Landtag gibt es deshalb Stimmen, die sich nun auch von der Stadt Bad Kissingen mehr Engagement erwarten - etwa in der Tourismus-Vermarktung oder bei der Infrastruktur. "Wer ein Fünf-Sterne-Hotel will", heißt es dort, "der muss auch für ein geeignetes Umfeld sorgen."