Dass sich an einer Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle mehrere Autoschilder-Firmen ansiedeln, ist keine Besonderheit. Auch rund um die Zweigstelle des Bad Kissinger Landratsamts im Kloster Hausen gibt es seit mehreren Jahren zwei Firmen. Die Schilderprägestelle, die der Landkreis anwarb, befindet sich im Innenhof des Klosters, ein weiterer Shop liegt außerhalb der Klostermauern. Bislang war Geschäft Nummer zwei durch einen Hintereingang des Klosters auf kurzem Weg erreichbar. Dann ließ das Landratsamt diese Verbindungstür schließen. Die Firma ASR (Rosenheim) fühle sich durch diese Maßnahme geschäftlich beschnitten, sagt ASR-Mitarbeiter Reinhard Romig im Telefongespräch.


Neue Firma im Innenhof

Ab 2010 war die ASR GmbH selbst fünf Jahre lang die Hausfirma des Landkreises und hatte ihren Laden im Kloster-Innenhof. Dann wurde das Anbieten der Autokennzeichen vertragsgemäß neu ausgeschrieben. Eine Firma aus Springe bekam den Zuschlag des Kreises und begann Mitte 2015 mit dem Geschäft im Innenhof.
Die Firma ASR mietete sich daraufhin im Klosterweg privat ein und führte ihre Schilderprägestelle seit Oktober 2015 weiter. Zunächst klappte alles reibungslos, sagt Romig. Doch dann sei die Stimmung schlechter geworden, schildert er sein damaliges Empfinden. Er habe den Eindruck gehabt, die Firma im Innenhof habe beim Landkreis interveniert, weil ASR im Klosterweg das Geschäft weiterführte.


Günstigere Angebote

Denn ASR könne die Autokennzeichen nach Romigs Angaben billiger anbieten als die Firma, die im Auftrag des Kreises handelt. Der Grund: Die Miete des privaten Besitzers im Klosterweg sei wesentlich günstiger als die, die der Kreis von der anderen Firma verlange. Für Romig ist klar. "Deshalb sind die Schilder dort auch teurer." Seine Toleranz sei zu Ende gewesen, als der Landkreis im November 2015 den Hintereingang des Klosters verriegelt habe. Dies habe zur Folge gehabt, dass Personen, die sich bei ASR ein Schild holen wollten, nun nicht mehr direkt von der Zulassungsstelle über den Hinterausgang zum Geschäft kamen, sondern einen längeren Umweg nehmen mussten, erzählt Romig.
"Die Kunden schüttelten den Kopf", sagt Birgit Metz, die vor Ort in der Schilderprägestelle arbeitet. Sie erzählt, dass sie seinerzeit bei Landrat Thomas Bold um einen Gesprächstermin bat. Laut seinen Ausführungen habe man die Hintertüre "aus Sicherheitsgründen" zugemacht, weil auch der Kassenautomat der Kfz-Stelle gleich an dieser Türe platziert ist, schildert Metz das Gespräch. Am 7. Januar 2016 beantragte ASR beim Landgericht Nürnberg-Fürth eine einstweilige Verfügung gegen den Landkreis Bad Kissingen wegen "kartellrechtswidriger Behinderung", ist von der Pressestelle des Kreises zu erfahren.


Kreis weist Vorwürfe zurück

In der Stellungnahme zu diesem Vorgang ans Landgericht weist der Landkreis von sich, dass die Schließung besagter Tür mit dem Betrieb der Schilderprägestelle im Zusammenhang stehe. Die Prägestelle sei über den Haupteingang und den Klosterhof ausreichend zugänglich. Die Hintertür habe man wegen einer "Neuordnung und der Kanalisierung des Besucherverkehrs" geschlossen, nimmt der Kreis Stellung. Das Landgericht wies den Antrag der Firma ASR am 4. Februar als "unbegründet" ab, ist aus der Pressemitteilung des Landkreises weiter zu erfahren. Daraufhin legte ASR beim Oberlandesgericht Nürnberg Berufung gegen den Beschluss des Landgerichts ein.


Berufung zurückgenommen

Am 2. März erließ das Oberlandesgericht den Hinweis an die Firma ASR, die Berufung "wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit aus Kostengründen zurückzunehmen", heißt es weiter. Schließlich habe ASR die Berufung zurückgenommen. Isolde Krapf