Mühlbachs Feuerwehrkommandant Klaus Beierkuhnlein ist richtig sauer. Weil seine Wehr alarmiert wurde, wo es in seinen Augen nichts zu alarmieren galt. "Missbrauch des Ehrenamtes", nennt er den Vorfall und erklärt: "Ich fühle mich richtig verarscht."
Konkret verhielt es sich folgendermaßen: Am Sonntagmorgen zwischen 10 Uhr und 11 Uhr heulte in Mühlbach die Sirene. Alarmiert wurde die Mühlbacher Wehr von der Integrierten Leitstelle Schweinfurt. Einsatzort war der Heuweg. Dort war in der Nacht auf Samstag ein 55-Jähriger unter Gewalteinwirkung zu Tode gekommen (wir berichteten). Mit Sirene und Blaulicht rückten die Ehrenamtlichen an, um "am Ende nur ein Fenster zu versiegeln. Da war keinerlei Gefahr in Verzug", so Beierkuhnlein.


Reichlich Alkohol im Spiel

Nach derzeitigem Ermittlungsstand der Staatsanwaltschaft war dort in der Nacht von Freitag auf Samstag ein 55-Jähriger in einer Wohnung durch stumpfe Gewalteinwirkung auf Kopf und Oberkörper zu Tode gekommen. Er hatte sich mit einem 51-Jährigen in seiner Wohnung aufgehalten. Nach Polizeiangaben war reichlich Alkohol geflossen. Beim Eintreffen von Polizei und Notarzt konnte nur noch der Tod des Mannes festgestellt werden.
Mancher Anwohner ist nicht allzu überrascht, dass es gerade in diesem Haus zu einem Zwischenfall kam: Es habe schon öfter Polizeieinsätze dort gegeben, heißt es aus der Nachbarschaft. Die Bewohner seien bekannt dafür, sich gerne einmal lautstark zu streiten und wieder zu versöhnen. Auch Partys seien keine Seltenheit. Ein Hausmeister, der die verschiedenen Mietwohnungen betreut - seit drei Jahren hat das Haus einen neuen Eigentümer, der einzelne Wohneinheiten vermietet - erklärt, dass dort auch "Menschen mit Problemen" wohnen. Andere seien hingegen "ganz normal". Die Anwohner jedenfalls fühlten sich am Wochenende ein bisschen wie im Fernsehkrimi. In der Nacht auf Samstag wurden sie erst von zwei Krankenwagen und einem Notarzteinsatz aus dem Schlaf gerissen, dann sei "in aller Herrgottsfrüh" die Spurensicherung im Heuweg zugange gewesen. Gegen Mittag sei der Tote abtransportiert worden.


Nur Fenster verbarrikadieren

Am Sonntagmorgen dann erneut Martinshorn und Blaulicht, die Feuerwehr Mühlbach rückte an. Die Leitstelle hatte zusätzlich die Feuerwehr Bad Neustadt alarmiert. Als die Mühlbacher Wehrleute aber sahen, dass sie das Fenster, das verbarrikadiert werden sollte, auch alleine in Griff bekommen würden, gaben sie den Kollegen aus Bad Neustadt Bescheid - und die drehten wieder um.


Einsatz in Frage gestellt

Wieso muss für einen solchen Einsatz überhaupt alarmiert werden, fragt sich der Mühlbacher Kommandant Beierkuhnlein. Hätte man nicht auf dem "kurzen Dienstweg" bei ihm oder einem Kollegen übers Handy um Hilfe wegen des Fensters anfragen können? Stattdessen ging die Sirene los. "Jeder, der Einsätze fährt, weiß, unter welcher Hochanspannung man dann steht", sagt der Kommandant. Rund um die Uhr stünde die Feuerwehr ehrenamtlich bereit, so Beierkuhnlein. Das sei auch gut so, aber die Alarmierung sollte in seinen Augen wirklich "dem Notfall" vorbehalten sein.
Als die Feuerwehrler eintrafen, seien sie keineswegs freundlich empfangen worden, gibt Beierkuhnlein den Vorfall aus Sicht seines Gruppenführers wieder. Er selbst war nicht vor Ort. Warum sie mit Sirene und Blaulicht ankämen, sie sollten doch an die Anwohner denken. Außerdem fehle ein Akkuschrauber und die nötigen Materialien, um das Fenster zu verbarrikadieren. Letztlich hätten sie noch selbst Materialien zusammengesucht und beigebracht, um die Aufgabe zu erledigen. "Wie und ob wir das in Rechnung stellen, da muss ich mich erst einmal mit meinem Kassier drüber austauschen."


Kreisbrandrat hält sich bedeckt

Kreisbrandrat Stefan Schmöger kann zu dem konkreten Fall nichts sagen, er kenne die Hintergründe nicht. Prinzipiell aber stellt er klar: Wenn jemand die Feuerwehr alarmiert, "ist Gefahr im Verzug". In dem Fall stelle sich die Frage, warum in dieser Intensität alarmiert wurde. Er kann sich gut vorstellen, dass die Polizei Amtshilfe gefordert hat. Dann gehe man prinzipiell davon aus, dass Gefahr im Verzug ist. Natürlich wären auch in seinen Augen eventuell andere Maßnahmen möglich gewesen. Man hätte natürlich einen Glaser beauftragen können, bringt er eine andere Lösungsmöglichkeit ins Spiel. Er sagt aber auch: "Im Nachhinein ist man immer schlauer als im Vorfeld."


Polizei hat Amtshilfe angefordert

Peter Häusinger, der Pressesprecher der Polizei, verweist auf Anfrage an die Integrierte Leitstelle, die für die Alarmierung zuständig ist. Thomas Schlereth, Leiter der Integrierten Leitstelle, erklärte, dass im vorliegenden Fall die Polizei Amtshilfe unter dem Stichwort THL1 "Technische Hilfeleistung 1" angefordert habe. Deshalb sei auch zusätzlich die Feuerwehr Bad Neustadt alarmiert worden, da die über eine technische Ausstattung verfügt, die Mühlbach nicht hat. Ob eine solche Alarmierung nun wirklich notwendig ist, das stelle der Mitarbeiter in der Leitstelle nicht mehr in Frage, wenn die Anfrage von der Polizei käme, so Schlereth.


Weder Telefon noch Fax

Der Feuerwehrkommandant, so Schlereth, hätte spätestens im Feuerwehrhaus per Fax über den Grund der Alarmierung informiert sein müssen. "Wir haben weder Telefonanschluss noch Fax", entgegnet Beierkuhnlein. Das ist ein Punkt, den er schon lange moniert. Doch bei einer Wehr mit nur einem Fahrzeug sei das keine Notwendigkeit, erhalte er zur Antwort.
Natürlich - im Feuerwehrauto würde ihm der Alarmierungsgrund angezeigt, so Beierkuhnlein weiter. Sage das dem Gruppenführer zu wenig, gehe der aber "auf Nummer sicher" und fahre mit Martinshorn und Blaulicht. "Da fährt man nicht einfach so raus, da muss man in Kommunikation mit der Leitstelle treten", fordert Schlereth. Er appelliert an die Feuerwehr Mühlbach, unbedingt die Kommunikation mit der Leitstelle zu optimieren.
Ines Renninger