In diesem Jahr wird das 500-jährige Bestehen des Reinheitsgebotes gerade in Bayern besonders begangen. "Bier in Bayern" lautet das Thema für das Jubiläumsjahr. Und auch die Bayerische Landesausstellung von 29. April bis 30. Oktober im niederbayerischen Kloster Aldersbach steht unter diesem Motto.

Dass man für eine solche Ausstellung ein Kloster ausgewählt hat, ist stimmig. Schließlich waren Klöster in der Geschichte immer Orte, in denen nicht nur gebetet, sondern die Kunst des Bierbrauens kultiviert und gepflegt wurde. So liegt es nahe, Jubiläum und Landesausstellung mit einem Klosterbier zu feiern. Doch mit welchem?


Historische Tat

Da ein historischer Anlass eine historische Tat erfordert, werden für die Landesausstellung in Aldersbach erstmals in der Brauereigeschichte zwei Biere gebraut, für die zwölf bayerische Klosterbrauereien ihr Wasser zur Verfügung stellen.

Natürlich darf bei einer solchen Kooperation die Klosterbrauerei auf dem Kreuzberg nicht fehlen. So kämpfte sich am Donnerstagnachmittag ein Lkw der Aldersbacher Klosterbrauerei hoch zum Kreuzberg, wo Fahrer Sepp Bachhuber schon vom stellvertretenden Braumeister, Sebastian Rittinger, Raphael Holzheimer und Angelika Somaruga erwartet wurde.

Die Geschäftsführerin der Kloster-Gastronomie und der Brauerei beteiligt sich gerne an der Aktion. Sie sei genau an dem Tag angefragt worden, als sich die Nachricht verbreitete, die weltweit größten Brauereikonzerne würden sich zusammenschließen, so Somaruga. Sie sieht die Aktion als eine schöne Gelegenheit, dass sich auch einmal kleinere Brauereien öffentlichkeitswirksam vorstellen können.


50 Hektoliter Kreuzberg-Wasser

Neben dem Kreuzberg und Aldersbach sind aus Niederbayern die Klosterbrauerei Mallersdorf, aus Oberbayern die Klosterbrauereien Baumburg, Ettal, Reutberg, Scheyern und Weihenstephan, aus Schwaben die Klosterbrauerei Irsee und das Klosterbräuhaus Ursberg, aus der Oberpfalz die Klosterbrauerei Weltenburg sowie aus Mittelfranken die Klosterbrauerei Weißenohe mit von der Partie.

"Wir fühlen uns geehrt, bei dieser Aktion mitmachen zu können", erklärt Sebastian Rittinger, während er einen dicken Schlauch aus dem Brauereigebäude rollt, durch den das Kreuzbergwasser dann mit sechs bar Druck in den 5000-Liter-Tank des Bier-Lkw gepumpt wird. Mit 100 Meter tiefen Brunnen und Quellen hat der Kreuzberg seine eigene Brauwassergewinnung, erläutert Rittinger. Das Kreuzberger Wasser weise viele wertvolle Mineralien auf, sei mit vier Härtegraden sehr weich und zum Brauen bestens geeignet. Und Wasser, so der Brauexperte, habe nun einmal eine große Bedeutung für das Produkt Bier. Wie der Kreuzberg auch, liefern die anderen elf Brauereien jeweils ebenfalls exakt 50 Hektoliter des von ihnen verwendeten Wassers nach Aldersbach. Daraus entstehen bis zur Eröffnung der Landesausstellung "Bier in Bayern" am 29. April die zwei Biere: ein "Konventbier" und ein "Pfortenbier".


Großer Wurft

"Das ist eine ganz besondere Aufgabe", sagt der Aldersbacher Braumeister Peter Wagner. Schließlich sei das für die zwei Klosterbiere verwendete Wasser in seiner Auswirkung völlig unbekannt. "Daraus ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, ist sicherlich die Herausforderung meines Lebens als Braumeister", betont Wagner. Aber nach ersten Versuchssuden in kleinem Umfang ist er überzeugt: "Das wird ein großer Wurf. Da entstehen zwei Biere, die der Landesausstellung zum 500-jährigen Bestehens des Reinheitsgebotes würdig sein werden."
Wagner will zwei Biere präsentieren, wie sie auch vor 500 Jahren und somit zur Zeit der Einführung des Reinheitsgebotes in den Klöstern gebraut worden sein könnten. "Über Geschmack, Geruch und Farbe der Biere aus jener Zeit kann man nur spekulieren", so Wagner, "aber es steht fest, dass damals zwei verschieden starke Biere gebraut wurden."


Konvent- und Pfortenbier

An der Entwicklung des Konvent- und des Pfortenbieres maßgeblich beteiligt sind Professor Ludwig Narziß, Doyen der deutschen Brauwissenschaft und ehemaliger Lehrstuhlinhaber an der TU München-Weihenstephan, Adrian Forster, langjähriger Leiter der Hopfenverarbeitungsbetriebe in Wolnzach und St. Johann in der Hallertau, Herbert Graf, langjähriger Leiter der Ireks-Mälzereien in Kulmbach, und Andreas Gahr, der Leiter der Forschungsbrauerei in St. Johann in der Hallertau.

Dieses Expertenteam hat sich letztlich auf zwei Biertypen verständigt, wie sie auch an den mittelalterlichen Klöstern üblich waren: das Konventbier, das aus der Vorderwürze (dem ersten Ablauf nach dem Maischen) gebraut wurde und vom Abt, seinen Mitbrüdern und hochgestellten Besuchern vorbehalten war, sowie das Pfortenbier, das aus einem Nachguss mit Wasser auf die Treber nach dem Ablauf der Vorderwürze gebraut und von den Bediensteten des Klosters sowie den Besuchern an der Pforte getrunken wurde. Braumeister Wagner und seine Berater haben sich darauf verständigt, das gehaltvolle, rötlich schimmernde Konventbier mit einer Stammwürze von 13,5 Prozent und einem Alkoholgehalt von 6,0 bis 6,5 Prozent auszustatten. Das Pfortenbier mit seiner bräunlichen Farbe soll über eine Stammwürze von 9 Prozent und einen Alkoholgehalt von 3,5 bis 3,9 Prozent verfügen. Eingemaischt werden beide Biere am morgigen 3. Februar in Aldersbach im Beisein von Vertretern der zwölf Klöster, die dafür ihr Brauwasser beigesteuert haben. Dann heißt es warten bis zum Anstich des ersten Fasses am 29. April. Braumeister Peter Wagner aber ist jetzt schön überzeugt: "Das werden zwei ganz besondere Biere." Thomas Pfeuffer