Das Ergebnis ist beeindruckend: Johannes R. Köhler hat sich im Alter von 81 Jahren einen Doktortitel erworben. Dafür hat der Bad Kissinger in den vergangenen 20 Monaten eine Dissertation zum Thema "Welt(Wirtschafts) Macht Musik" geschrieben.

Mit der mündlichen Vorstellung seiner Arbeit vor dem dreiköpfigen Promotionsausschuss an der Universität Chemnitz mit Prof. Dr. Joachim Käschel (Vorsitz), Prof. Dr. Ludwig Gramlich (Köhlers Doktorvater) und Prof. Dr. Eva Waller (Dekanin an der Universität Bochum) führt Johannes R. Köhler seit dem 27. November nun in seinem Namen den Vorsatz "Dr. rer. pol."

Was war der Antrieb dafür?
Die erste Frage, die man sich stellt, wenn man diese Nachricht erhält, ist sicherlich die nach den Beweggründen, sich als 80-Jähriger noch mal hinzusetzen, um eine Doktorarbeit zu schreiben. Schließlich ist das ein bisschen mehr als ein wissenschaftlich fundierter Aufsatz. Auf die Frage muss Johannes R. Köhler ein wenig ausholen und ein wenig philosophieren: "Gott hat mir Talente und die Zeit gegeben, sie umzusetzen. Das wollte ich tun, schon immer. Jetzt kann ich zufrieden sterben, weil ich meine Talente nicht vergeudet habe."

Diese Erklärung ist auch ein Ausdruck von Dankbarkeit. Johannes R. Köhler erinnerte in diesem Zusammenhang an seine Jugend. Als Junge war er schwer erkrankt und musste acht Monate lang das Bett hüten. Sein Vater starb 47-jährig an Krebs, auch viele Verwandte erlagen dem Krebs, allein er blieb von dieser Krankheit verschont und konnte 2013 seinen 80. Geburtstag feiern. Dafür ist er dankbar.

Beruf und Berufung
Seit Kindesbeinen ist Köhler ein Musiker, der allerdings lange warten musste, bis er seine Berufung leben konnte. Im elterlichen Geschäft (Handel, Reparaturwerkstatt und Wäscherei für Orientteppiche) hatte er gelernt und 1955 das Geschäft übernommen. Er reiste viel, insbesondere nach Persien und führte bis 1991 erfolgreich sein Teppichgeschäft. Dazwischen fand er schließlich die Zeit für die Musik, für seine Leidenschaft: Mit 38 Jahren begann er 1971 ein Musikstudium am Staatlichen Konservatorium für Musik in Würzburg, das er 1977 als staatlich geprüfter Musikschullehrer abschloss. Er komponierte Lieder, erfand seine "Musik zum Streicheln", aufgenommen mit den Münchner Symphonikern. Aus dem Erlös seiner Tonträger spendete er rund 1,4 Millionen Mark für soziale Einrichtungen. Auszeichnungen und Ehrungen (Bundesverdienstkreuz, etc.) wurden ihm zuteil. Aber all das war ihm nicht genug. Er wollte sein Wissen über die Musik, all das, was er sich während des Studiums und autodidaktisch erworben hatte, nicht ungenutzt lassen.

Gespräch mit Prof. Gramlich
Vor zwei Jahren reifte bei einem Gespräch in Berlin mit Prof. Dr. Ludwig Gramlich (Technische Universität Chemitz, Professur für Öffentliches Recht und Öffentliches Wirtschaftsrecht) die Idee zum Thema einer Doktorarbeit. Köhler, inzwischen 79 Jahre alt, wollte sich dem Thema Musik und Wirtschaft widmen, "vom Urschrei bis Helene Fischer, ... wie konnte das passieren", beschreibt er sein Ziel.

Es folgte eine 20-monatige Recherche, größtenteils via Internet, wie er im Gespräch mit der Saale Zeitung sagte. "Die Arbeit ist der Versuch, den Weg der Musik in die Wirtschaft nachzuvollziehen. Dabei war es nötig, den Werdegang der Musik soweit wie möglich zurückzuverfolgen, um dann anhand von verschiedenen Epochen und den damit verbundenen Entwicklungen einen Überblick zu gewinnen, wie und auf welche Weise sich die Musik nicht nur verändert hat, sondern über welche Stationen die Welt der Musik letztendlich in der Weltwirtschaft gelandet ist", fasst Köhler seine Arbeit zusammen.

186-seitige Dissertation
Er berührt in seiner Arbeit die technische Entwicklung der großflächigen Verbreitung von Musik (Gramophon und Musikträger) bis hin zur Verbreitung von Musik über das Internet. Die 186-seitige Dissertation endet mit dieser Feststellung: "Solange der Mensch Musik hören und auch selbst ausführen will, und Beides tut er schon viele tausend Jahre, sind seine Emotionen die sicherste Aktie auf dem Markt der Musik und darauf setzt die Marktwirtschaft." Der Ausschuss verabschiedete sich mit dem Satz "Auf Wiedersehen, Herr Doktor Köhler".