Der Blick vom Mönchsberg auf den Ortskern ist phänomenal. Immer mehr Strahlunger genießen diese Aussicht bei einem Spaziergang, seit im Mai auf dem Südhang der Erhebung auf rund 3000 Quadratmetern 360 Reben gepflanzt wurden und Bänke zum Verweilen einladen. Darüber freuen sich Bürgermeisterin Karola Back und ihr Stellvertreter Johannes Hümpfner.
Regent und Solaris heißen die Rebsorten, aus denen einmal Rot- und Weißwein gewonnen werden sollen. Allerdings nur zum Privatgebrauch, der öffentliche Ausschank oder Verkauf ist nicht zulässig. Handelt es sich doch um einen in sechs Parzellen unterteilten so genannten Musterweinberg, der von elf Hobbywinzern aus dem Dorf bewirtschaftet wird.


Antrag bei Behörde

Natürlich musste zuvor ein Antrag bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt gestellt werden. Weil der Weinberg auf einer besonders geschützten FFH-Fläche (Faune-Flora-Habitat) entstehen sollte, schaltete das Landratsamt die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken mit der Anfrage ein, unter welchen Voraussetzungen das Vorhaben umgesetzt werden könnte.
Weil auf der Fläche in früherer Zeit bereits Wein angebaut wurde, sah man in Würzburg keinen Hinderungsgrund, wenn nach den Richtlinien der im Projekt "Main-Muschelkalk" angelegten Musterweinberge vorgegangen würde.
Bestandteile der traditionell genutzten Weinberge in Steillagen seien schon immer auch Trockenstandorte, Mauern, Hecken und einzelne Bäume gewesen. Laut Dorfchronik widmete man sich in Strahlungen schon von 1293 bis 1803 dem Weinanbau.
Vor diesem Hintergrund sah die Höhere Naturschutzbehörde eine Vereinbarkeit der FFH-Ziele mit dem Vorhaben. In einem Musterweinberg soll gezeigt werden, welche Bedeutung traditionell genutzte Weinberge in Steillagen für wärmeliebende Tiere und Pflanzen haben. Hinweistafeln sollen darüber informieren. Außerdem wurde eine dreimal so große Fläche (9000 Quadratmeter) als Ausgleichsfläche ausgewiesen.
Gar nicht begeistert von dem Projekt ist Helmut Schultheiß, der Regionalreferent des Bund Naturschutz (BN). "Es ist mir ein Rätsel, warum das die Regierung genehmigt hat", sagt Schultheiß und thematisierte den Weinberg auch in der jüngsten Ausgabe der Verbandszeitschrift "Natur + Umwelt". Damit sei ein landesweiter Präzedenzfall geschaffen worden. Gegenüber dieser Zeitung kritisiert er, dass der BN nicht beteiligt worden sei.
Das erachtete man bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in diesem Fall für nicht zwingend notwendig, wie Sachgebietsleiter Manfred Endres auf Nachfrage erklärte. Weil eben keine Ausnahmegenehmigung erforderlich gewesen sei, habe man die naturschutzrechtliche Erlaubnis erteilt.


Kritik trübt Freude nicht

Marlene Rathgeber, die stellvertretende Pressesprecherin der Regierung von Unterfranken, betont, dass von Seiten der Höheren Naturschutzbehörde schon deswegen keine Genehmigung erteilt worden sei, weil der Behörde gar kein Antrag vorlag. Ausnahmegenehmigungen in FFH-Gebieten würden nur äußerst selten erteilt.
Die Kritik seitens des BN trübt die Freude in Strahlungen über das Projekt indes nicht. Zumal fast alle Reben auch die große Hitze der vergangenen Wochen unbeschadet überstanden haben.
Den Anstoß hatte übrigens Ortsbürger Alfons Freibott gegeben, der schon 20 Jahre lang andernorts Wein ausgebaut hat. Bis allerdings der erste Rebensaft gewonnen wird, kann es noch eine Weile dauern. Frühestens im nächsten Jahr könne man die ersten Trauben für Federweißen oder Jungfernwein lesen, sagt Johannes Hümpfner, der selbst Rebstöcke betreut.
Mit der Anlage des Weinberges, der mit Ausnahme von kleineren Erdarbeiten auf Privatinitiative beruht, hofft Bürgermeisterin Back auf eine Stärkung des "Wir-Gefühls" im Ort. Zudem wünscht sie sich, dass auch im Dorf vor Häusern Rebstöcke gepflanzt werden. Michael Petzold