Am Anfang steht ein rätselhaftes Leserfoto. Es zeigt ein landwirtschaftliches Feld, in tiefes Rot getaucht. Nicht rot von der untergehenden Sonne, sondern von den auffälligen Blüten einer Pflanze, die im Landkreis Schweinfurt weithin auffällt.

Der aufmerksame Hobbyfotograf heißt Berthold Schlereth aus dem Wasserlosener Ortsteil Greßthal. Schon in der E-Mail an die Redaktion formuliert er eine Ahnung: "Vermutlich handelt es sich um ein Amarantfeld, den Inkaweizen", heißt es da und er bittet um Aufklärung. Die Neugier der Redaktion ist geweckt. "Ein Kilometer nach dem Ortsausgangsschild von Wasserlosen in Richtung Sulzthal führt auf der linken Seite ein geteerter Wirtschaftsweg von der Staatsstraße weg." Von dort könne man das Feld erkennen.

Der erste Blick ins Internet: Amarant - laut Duden lässt man das oft gebräuchliche "h" am Ende besser weg - ist laut Online-Enzyklopädie Wikipedia eine Pflanzengattung der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Zwar ähnlich der Hirse, ist Amarant botanisch ein "Pseudogetreide", das von Glutenunverträglichen gern ins Müsli gemischt wird.


Ziegler rüstet um

Anrufe bei der Gemeinde und bei Anna-Katharina Paar, seit November 2015 Ökomanagerin der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal, führen schließlich zu Walter Ziegler. Das Handyklingeln erwischt den Landwirt auf dem Schlepper. Ja, das Feld ist seins. 1,4 Hektar Schwarzer Amarant. Wegen der schwarzen klitzekleinen Kügelchen, um die es bei der Ernte geht, - "noch kleiner als Raps" - heißt seine Art "Schwarzer Amarant", obwohl die Blüten blutrot strahlen. Es gibt auch Weißen Amarant, dessen Blüte unscheinbarer ausfällt.


Aus Südamerika

Walter Ziegler hat seine liebe Not mit dem Pseudogetreide aus Südamerika. Seit Juli ist er in der zweijährigen Übergangsphase zum Bioerzeuger, will zusätzlich zu Getreiden wie Dinkel und Emmer-Weizen Neues ausprobieren. Im Landwirtschaftlichen Wochenblatt liest er, dass ein Händler aus Mittelfranken einen Hof sucht, der Amarant anbaut.

Ziegler macht den Deal. Der Getreidebauer muss sich einlesen im Internet, die Uni Hohenheim forschte schon zum Amarant-Anbau. Einen Landwirtskollegen im Umkreis, auf dessen Erfahrungen er bauen kann, findet er nicht. Im Juni sät Ziegler das Amarant-Saatgut aus. Schon das ist schwierig: Er muss seine Sämaschine umbauen, ein paar Säschare zumachen, denn auf einen Hektar sollen nur 750 Gramm davon kommen. Fast homöopathisch. Zusätzlich musste er das Saatgut mit Granulat, Salz oder Zucker, verdünnen. Was Ziegler stört: "Amarant wird ziemlich spät reif." Dabei war der Spätsommer 2016 übermäßig sonnig. Anfang September hat er es mit dem Dreschen versucht. Doch offenbar zu früh: Ein paar "Getreidewickler" haben ihn drei Stunden Reparatur gekostet. 40 Prozent Wasseranteil waren zu viel.

Ein bis drei Tonnen getrockneter und gereinigter Amarant sollen pro Hektar am Ende rausspringen, wurde ihm gesagt. Die Bandbreite des Ertrags ist groß. Ziegler will mal sehen, ob sich der Aufwand rechnet. Julia Haug


Umfrage Anna-Katharina Paar, seit November 2015 Öko-Managerin für die "Allianz Oberes Werntal", hat mit einer Umfrage unter rund 20 Ökolandwirten herausgefunden, dass es mehr oder minder außergewöhnliche Produkte auf den Feldern der Region gibt. Eine Auswahl: Linsen, Oberkulmer Rotkorn-Dinkel, Durumweizen, Öllein, Hirse, Topinambur, Aronia und Holunderbeeren, Ginkgo.