VON Ursula Lippold

Es war eine rauschende Ballnacht - damals vor 50 Jahren. Unvergessen für Brigitte Eckelt, denn in jener Nacht wurde sie zur Rosenkönigin gekrönt.
Sie war erst sechs Wochen in Bad Kissingen, kannte nur wenige Leute ihres Alters. Aber die 20-Jährige, die als Arzthelferin arbeitete, wusste, wie sie Kontakte knüpfen kann: Sie ging ins Café beim Rosengarten. Dabei lernte sie Toni kennen. Beide tanzten gern und gut, also verabredeten sie sich zum Rosenball. Das war 1965.
Jetzt, 50 Jahre später, geht Brigitte Eckelt wieder zum Rosenball. Auf Einladung von Kurdirektor Frank Oette. Den Stein für sie ins Rollen gebracht hatte Johannes R. Köhler, erzählt Eckelt. Bei ihrem letzten Besuch in Kissingen hatte sie mit ihm über den Wunsch gesprochen, noch einmal den Rosenball zu besuchen.
"Ich freue mich wahnsinnig auf das Fest", sagt Eckelt. "Zwar werde ich keine flotte Sohle mit dem Kurdirektor aufs Parkett legen, aber ich werde es versuchen", lacht sie.

Vieles hat sich geändert

Einiges hat sich bei der Wahl der Rosenkönigin inzwischen geändert. Während heute aus den Bewerberinnen eine Vorauswahl getroffen wird, strömten 1965 die jungen Mädchen begeistert zum Ball. "10,60 Mark kostete damals der Eintritt", erinnert sich Eckelt. In herrlichen Roben schwebten die jungen Damen über die Tanzfläche. Jedes Mädchen hoffte natürlich, die meisten Rosen von den Ballgästen zu erhalten. Damals bekamen alle Damen und Herren beim Eintritt eine Wahlrose.
Durch den Abend führte Conférencier Abi von Haase aus Berlin, erzählt Eckelt. Ein Kinderballett der Tanzschule Rautenberg trat auf, es gab eine Polonaise und eine Sonderdarbietung des Coburger Tanzsportclubs mit Tänzen aus der Zeit um die Jahrhundertwende.
Der Höhepunkt des Abends rückte immer näher, schildert Eckelt die zunehmende Spannung. Abi von Haase habe die Ballgäste immer wieder aufgefordert, die Wahlrose einer Dame zu überreichen.

Mit der Rose quer durch den Saal

Was dann kam, beschreibt Brigitte Eckelt so: "Auf der Tanzfläche herrschte eine absolute Stille, als während einer Tanzpause ein mir bekannter Kurgast, den ich in der Praxis betreute, quer über den Saal auf meinen Tisch zusteuerte und mir galant die Wahlrose überreichte. Auf einmal erreichten mich von allen Seiten die Rosen, ich konnte sie gar nicht so schnell einsammeln. Es war wie ein Rosenregen. Es war überwältigend."

Krone aus Rosen

87 Rosen bekam Brigitte Eckelt und wurde damit die neue Rosenkönigin. Der damalige Kurdirektor Helmut Göbig stand an der Seite der Rosenkönigin aus dem Jahr davor, die Brigitte Eckelt eine große Krone aus roten Rosen aufsetzte.

Blumen und Baumkuchen

Die erste Prinzessin mit 69 Rosen erhielt ein rotes Rosendiadem, die zweite Prinzessin mit 43 Rosen bekam ein rosafarbenes Rosendiadem. Darüber hinaus habe jede einen prächtigen Rosenstrauß bekommen, schildert Eckelt. "Das Café Rüttinger hatte für die drei Gewählten wahre Wunderwerke der Konditorkunst gespendet, einen großen Baumkuchen für die Königin."
Bei späteren Rosenbällen durfte Brigitte Eckelt noch zweimal auf die Bühne: 1967 als erste Prinzessin, damals hatte sie zehn Rosen weniger als die Rosenkönigin. 1969 wurde sie zweite Prinzessin.

Bad Kissingen treu geblieben

Bis 1974 lebte Brigitte Eckelt in Bad Kissingen. "Es war meine schönste Jugendzeit", sagt sie. Bad Kissingen ist sie seither treu geblieben. Immer wieder mal besucht die in Goslar lebende 70-Jährige hier ihre Freundin.