Mit Victor Hugos (1802-1885) Glöckner von Notre Dame kommt jetzt bald Weltliteratur auf die Poppenläurer Schlossbühne.
Im Schrimpf'schen Garten werden die Zuschauer dann jeweils an zwei Abenden vom Fränkischen ins Mittelalter entführt und in ein spannendes Verwirrspiel von Liebe, Leidenschaft und Tod hineingezogen. Die Geschichte des buckligen Quasimodo, der die schöne Esmeralda vor dem Galgen zu bewahren versucht, ging schon Generationen von Lesern und Filmzuschauern an die Nieren. Aber keine Sorge: Es gibt auch hin und wieder was zu lachen, verspricht jedenfalls Regisseur Klaus Hart.


Im Original 470 Seiten

Er muss es wissen, hat er doch auch diesmal fürs heimische Drehbuch ein Werk von Benedikt Müller in mühevoller Arbeit umgeschrieben. 470 Seiten hatte die Originalliteratur des Klosterbruders aus Meschede eigentlich umfasst. Hart setzte sich drei Monate lang mit dem textlichen Geschehen auseinander. Herausgekommen ist ein Drehbuch von lediglich noch 70 Seiten. "Man verfasst praktisch ein ganz neues Werk", beschreibt der 74-Jährige die Mühen dieser Art von Transkription.
Zum Verfassen von Drehbüchern kam Hart "wie die Jungfrau zum Kinde". Damals im Jahr 1999 planten die Poppenläurer ihre 1100-Jahr-Feier und hatten dabei auch ein Heimatspiel vorgesehen. "Sehet, wir sind nun edel geworden" war das erste Stück, das Hart umschrieb. Es wurde gleich drei Jahre lang erfolgreich aufgeführt. Der Schinderhannes, Robin Hood und Die drei Musketiere folgten. Carl Zuckmayers Fröhlicher Weinberg erfreute die Zuschauer zwei Jahre lang. Dann folgten Die Altweibermühle, Das Wirtshaus im Spessart, Der Weiberaufstand und Rumpelstilzchen.


Handlung spielt in Paris

Klar, auf die Poppenläurer Region umschreiben kann man Weltklassiker wie den Glöckner von Notre Dame natürlich nicht so ohne Weiteres. Die Handlung ist und bleibt also in Paris. Hart will seine Schauspieler aber dieses Jahr ganz besonders darauf trainieren, dass sie die Buchstaben "P" und T" nicht fränkisch-weich, sondern gestochen hart aussprechen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass es in dem Stück auch um zahlreiche französische Namen und Begriffe geht. Ach ja, diese Namen richtig auszusprechen, mag dem ein oder anderen vielleicht schwerfallen, dachte sich Hart. Er tat sich mit der Vorsitzenden Gabriele Sebald zusammen, die Französisch in der Schule lehrte. Sie schrieb alle Namen in Lautschrift um, so dass die Schauspielern nun leichtes Spiel beim Lesen und Lernen haben.
Rund 35 Darstellerinnen und Darsteller haben sich zusammengefunden und proben bereits Szenen des neuen Stücks. Hart hätte gut 80 Mitwirkende brauchen können. Weil so viele jedoch nicht verfügbar sind, verzichtet er also beispielsweise auf einen Mönchschor oder eine mehrköpfige Stadtwache. Man darf also gespannt sein auf den Kleriker Frollo, der den kleinen Quasimodo einst adoptierte und ihn als Glöckner der Kathedrale Notre Dame anstellte. Später soll der bucklige Geselle, der bei Hugo erst 25 Jahre alt ist, in Frollos Namen die hübsche Tänzerin Esmeralda entführen und in dessen Palast bringen. Diese brennt aber mit dem schneidigen Hauptmann Phöbus durch. Quasimodo wird wegen der geplanten Entführung ausgepeitscht. Der Kleriker ersticht in seiner Eifersucht den Hauptmann Phöbus und lastet die Tat der einst geliebten Esmeralda an. Quasimodo aber befreit sie auf dem Weg zur Hinrichtung und schleppt sie in die Kirche. Doch Frollo zerrt sie letztendlich doch vor den Galgen. Als er sich an ihren Todesqualen weidet, stürzt ihn sein Ziehsohn Quasimodo von den Zinnen. Karten für die vier Aufführungen am 1. und 2., sowie am 8. und 9. Juli (jeweils 19.30 Uhr) gibt's ab sofort in der Getränkehandlung Bieber in Poppenlauer zu den normalen Öffnungszeiten, Tel. (0 97 33) 92 98, oder an der Abendkasse.
Infos: www.heimatverein-markt-massbach.de, Ticketbestellung: www.festspiele-poppenlauer.de, oder auch Herbert Will, Tel.: 09733/ 41 77 (Tickets Abendkasse). Foto: Isolde Krapf