Salko Glamocic, 29 Jahre, aus Bosnien-Herzegowina, ist eine von bisher vier ausländischen Pflegekräften, die am Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt das sogenannte "Scholarship-Programm" für Pflegepersonal durchlaufen. Dabei handelt es sich, wie es in einer Pressemitteilung heißt, um ein kreatives Modell gegen den bundesweiten Mangel an medizinischem Fachpersonal. Ganz neu ist die Idee dabei nicht. Seit 2011 engagieren sich die sechs am Standort verbundenen Fachkliniken in der Weiterbildung ausländischer Mediziner zum Facharzt. Nun wurde das erprobte und gut angenommene Angebot auf den Pflegebereich ausgeweitet.

Anerkennung durch Bezirk

Bewerber wie Salko Glamocic müssen hierfür fachliche und sprachliche Voraussetzungen mitbringen, um in das Programm aufgenommen zu werden. Eine erfolgreich absolvierte pflegerische Ausbildung und Kenntnisse zur selbständigen Sprachanwendung bilden die Grundlagen. Das Weiterbildungs- und Integrationsangebot umfasst einen zunächst einjährigen Einsatz als Krankenpflegehelfer auf den Stationen, einen Intensiv-Sprachkurs sowie ein medizinisch-soziales Rahmenprogramm.
"Unser Ziel ist, gut ausgebildetes Fachpersonal für unsere Kliniken zu gewinnen, diese Mitarbeiter zu fördern und auch langfristig an unserem Standort zu halten", sagt Elisabeth Hertel, die Pflegedienstleiterin der Neurologischen Klinik Bad Neustadt. "Es ist deshalb wichtig, dass alle unsere Teilnehmer den fachlichen Qualitätsanforderungen in Deutschland vollständig entsprechen können. Nur so ist ein langfristiges Anstellungsverhältnis denkbar und realisierbar."
Das Programm, so heißt es in der Pressemitteilung weiter, schließt mit einer sprachlichen und fachlichen Eignungsprüfung. Können die "Rhön-Neulinge" diese erfolgreich bestehen, wird die im Ausland erworbene Qualifikation der Bezirksregierung von Unterfranken zur Anerkennung vorgelegt. Ab dem Zeitpunkt der Anerkennung ist die Beschäftigung als Gesundheits- und Krankenpfleger in Deutschland möglich.

Herausforderung und Chance

Salko Glamocic ist derzeit auf der Intensivstation der Neurologischen Klinik Bad Neustadt eingesetzt, ein beruflicher Schwerpunkt, dem sich der Bosnier mit Leidenschaft widmet: "Der Beginn hier in Bad Neustadt war sicherlich nicht ganz einfach, dennoch habe ich das Programm nicht nur als Herausforderung gesehen, sondern auch als Chance. Durch die große Klinikstruktur und die vielfältigen fachlichen Einblicke habe ich auch medizinisch dazugelernt. Die Rhön ist ein wirklicher Glücksfall für mich. Ich habe berufliche Möglichkeiten erhalten, die mein Heimatland nicht bieten kann, und meine Kollegen haben mir sehr geholfen, das Heimweh zu überwinden." Nach den positiven Erfahrungen des ersten Jahrganges ist im Sommer eine Fortführung des Programmes angedacht, so Christiane Hanshans, hauptamtliche Referentin für Ausländerbelange am Rhön-Klinikum Campus Bad Neustadt. Die Verknüpfung zwischen sozialer Integration und fachlichen Perspektiven sei der Erfolgsfaktor des Modells, das eine gewinnbringende Bindung für beide Seiten, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, darstelle.