Die Sanierung der Kirche St. Josef in Weichtungen ist ins Stocken geraten. Denn für das Kirchenschiff zeichnet die katholische Kirchenstiftung verantwortlich. Für den Turm hingegen ist, nach alter Überlieferung, die politische Kommune zuständig, sagen jedenfalls die Weichtunger. Die Kirchenstiftung führt als Beleg für diese Tatsache ein Schriftstück von 1841 an. Die Marktgemeinde Maßbach will dieses Dokument aber nicht anerkennen.


Bestandteil der Denkmalliste

Das Weichtunger Gotteshaus ist ein relativ interessantes Gebäude, das auch Bestandteil der Bayerischen Denkmalliste ist. Die erste Kirche wurde zwischen 1400 und 1430 erbaut. 2008 feierten die Weichtunger jedenfalls das 300-jährige Bestehen ihrer Kirche.

Dass die Baulast für den Kirchturm in Händen der Kommune liegt, wurde leider niemals vertraglich geregelt, sagt Pfarrer Manfred Finger (Poppenlauer), der seit Längerem auf der Suche nach einem schriftlichen Beleg ist. So etwas habe man früher nun mal mündlich vereinbart, denn die Mitglieder von Gemeinderat und Kirchengemeinde seien anno dazumal im Dorf meist identisch gewesen, weiß der Pfarradministrator der Pfarreiengemeinschaft im Lauertal.

Ein aussagekräftiges Dokument hat Finger dennoch aufgetan und auch an die Diözese weitergeleitet. Dabei geht es um ein Anerkenntnis der Gemeinde Weichtungen vor dem Königlichen Landgericht Münnerstadt vom 11. August 1841: "Die Gemeindeverwaltung Weichtungen erklärt hinsichtlich der Baulast der Kirche daselbst: Diese Baulast hat, soweit sie sich auf die eigentliche Kirche mit Ausnahme des Turms bezieht, die Gotteshausstiftung, jene des Turms aber die Gemeinde, wie beides auch schon längst anerkannt ist." Die Diözese will den Turm jedenfalls nicht so ohne Weiteres sanieren, wenn die Kommune sich nicht angemessen beteiligt, sagt Finger.


Für nicht stichhaltig erachtet

"Die Kommune ist nicht in der Pflicht, denn die Baulast am Kirchturm ist nicht nachweisbar", sagt hingegen Bürgermeister Matthias Klement. Er beruft sich auf einen Beschluss des Gemeinderats von 2013. Damals sei man mehrheitlich der Auffassung gewesen, dass die Kommune nicht für den Weichtunger Kirchturm zuständig ist. Die Kirchenstiftung habe zwar unlängst ein Dokument als Beleg für die Baulastpflicht der Kommune vorgelegt. Die Kommunalaufsicht des Landratsamts habe dieses Schriftstück geprüft, es aber für nicht stichhaltig erachtet. Fakt ist aber auch, dass die Baulast für den Turm offensichtlich in den jüngst vergangenen Jahrzehnten noch von der Marktgemeinde als gegeben hingenommen wurde.


Kosten übernommen

Denn als 1989 die Innenrenovierung der Kirche von der Kirchenstiftung vorgenommen wurde, und auch am Kirchturm verschiedene Maßnahmen, wie ein neues Schieferdach, anstanden, gab die Kommune - damals unter Bürgermeister Erhard Klement - als Baulastträger die Renovierung des Turms in Auftrag, sagt Kirchenpfleger Paul Erhard auf Anfrage. Zweites Beispiel: 1997 musste der Glockenstuhl erneuert werden. Nach Erhards Angaben übernahm die Marktgemeinde - seinerzeit unter Bürgermeister Johannes Wegner - den Löwenanteil der Kosten in Höhe von 33 600 Mark.


Gerichtlich klären?

Vielleicht sollte man es gerichtlich klären lassen, sagt Bürgermeister Klement. Dann wäre ein für allemal sicher, wer zuständig ist. Denn so sei die Diskussion schwierig. "Die Marktgemeinde hat schließlich etliche Kirchen, da können wir nicht nur eine bevorzugen." Im Ratsgremium habe man sich bereits vor längerer Zeit entschieden, jeder Kirchengemeinde, im Fall einer Sanierungsmaßnahme, 2,5 Prozent der Bausumme zu erstatten.

Roland Huth, Justiziar der Diözese Bereits in den Jahren 1977, 1988, 1996, 2004, 2013, 2014 und 2015 ist die Baulast für den Weichtunger Kirchturm Thema eines Schriftwechsels zwischen Markt Maßbach, katholischem Pfarramt und Bischöflichem Ordinariat gewesen, sagt Huth, auf Anfrage der Redaktion. Ausführlich habe die Diözese 1996 zu besagter Baulast Stellung genommen. Im September 2013 habe die Marktgemeinde Maßbach die Zuständigkeit für den Kirchturm nach Huths Angaben zwar mit dem Hinweis abgelehnt, dass das Gremium sich 2004 abschlägig geäußert habe und auch die Rechtsaufsichtsbehörde dem Markt Recht gebe.


Keine durchgreifende Änderungen

Die Äußerungen des Bad Kissinger Landratsamts seien der Diözese jedoch bis heute nicht bekannt, kontert Huth. "Durchgreifende Argumente, die gegen eine kommunale Turmbaulast sprechen, hat der Markt bisher nicht vorgetragen."


Keinen Rechtsstreit gesucht

Von Seiten der Kirchenstiftung Weichtungen und der Diözese Würzburg suche man dennoch keinen Rechtsstreit mit der Kommune, sondern vielmehr "eine die beiderseitigen Interessen widerspiegelnde Finanzierung der Baumaßnahme am Turm". Man sei sich schließlich darüber im Klaren, so Huth weiter, dass eine Kommune heutzutage solch eine Baulast nicht mehr zu 100 Prozent erfüllen könne. Man habe die Marktgemeinde daher gebeten, die Baulast bei der anstehenden Maßnahme "nach Kräften" zu erfüllen. Isolde Krapf