Als der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der katholische Kardinal und Bischof Reinhard Marx im Oktober den Tempelberg in Jerusalem mit einer ökumenischen Pilgergruppe besuchten, verzichteten der höchste Repräsentant der evangelischen Kirche in Deutschland und Kardinal Marx beim Betreten der islamischen Al-Aksa-Moschee auf das Tragen des Amtskreuzes.Auch an der jüdischen Klagemauer verzichteten sie auf das christliche Symbol. Gemäß Presseberichten waren sie von den jeweiligen Verantwortlichen darum gebeten worden angesichts einer "aufgeheizten Atmosphäre" dieser Tage. Der Verzicht auf das Kreuz sorgt seitdem für Diskussionen innerhalb der jeweiligen Konfessionen. In seiner Predigt am zweiten Weihnachtsfeiertag hat sich nun auch Bischofsheims evangelischer Stadtpfarrer, Matthias Schrickler, in deutlichen Worten von Bischof Bedford-Strohms Haltung distanziert.
Schricklers Predigt-Ausschnitte wurden bereits am Dienstag nach dem Gottesdienst von der evangelischen Nachrichtenagentur "idea" verbreitet. "idea" wird von einem Verein getragen, aber auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland unterstützt. "idea" hat aber nichts mit der Evangelischen Presseagentur (EPD) zu tun. "idea"-Publikationen werden vor allem in evangelistischen und pietistischen, konservativen Kreisen verbreitet. In "ungewöhnlich scharfer Form" habe Schrickler den Landesbischof für sein Verhalten in Israel kritisiert, schreibt der idea-Nachrichtendienst.
Schrickler habe das Verhalten eines Vertreters der evangelischen Christen in Deutschland als "untragbar" bezeichnet. "Es schmerzt mich im Herzen, und ich schäme mich für unseren Bischof. Denn ich glaube nicht, dass er um Leib und Leben hätte bangen müssen", zitiert "idea" den evangelischen Pfarrer.
Nachfolge Jesu bedeute auch, sich zu ihm zu bekennen, hieß es in der Bischofsheimer Predigt. "Ich würde meinen Ehering auch nicht abnehmen und den Menschen verleugnen, den ich liebe."
"Ich kann und werde den Landesbischof und Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm nicht als Oberhaupt der evangelischen Kirche anerkennen können, wenn er den Herrn der Kirche und damit das Licht der Welt verleugnet", wird Schrickler weiter zitiert.


Buße tun

Schricker äußert die Hoffnung, dass Jesus Bedford-Strohm "barmherzig die Augen" öffnen werde: "So wie er es bei mir und jedem von uns immer wieder tun wird und führt ihn zur Buße."
Bedford-Strohm hatte im Dezember seinen Besuch in Israel als Fehler bezeichnet. Den damals oft geäußerten Vorwurf, die ökumenische Pilgergruppe habe sich unterworfen und das Christentum verraten, bezeichnete der Landesbischof jedoch als beleidigend. Gegenüber dieser Zeitung wollte sich Pfarrer Schrickler nicht weiter äußern: "Ich habe dem idea-Bericht nichts hinzuzufügen", sagte der Pfarrer am Dienstag. Die Auseinandersetzung mit Bedford-Strohm bildete den Schlussteil seiner Predigt. In den Sozialen Netzwerken wie Facebook, wo der Bericht über die Predigt veröffentlicht wurde, werden Schricklers Kritik wie auch Bedford-Strohms Rechtfertigung intensiv diskutiert. fg