Quak, quak, quak", dazu ein bisschen Klappern mit der Gabel auf dem Teller, schon flitzen die fünf zwei Wochen alten Entenküken über den Rasen. Mittagessen. Heute gibt es Ei und Haferflocken, Insektenjagen ist ganz schön anstrengend für so eine kleine Ente, da muss man Kraft tanken. Kurt Eimer aus Schweinfurt ist wahrlich ein Entenflüsterer. Vor zwei Wochen wurde er zum perfekten Entenpapa obendrein.


Nest am Teich

In dem idyllisch im Stadtteil Deutschhof gelegenen Garten hinter seinem Haus erlebt er gerade eine wahrlich anrührende Geschichte. Es war der 18. Juni, als Eimer und seine Familie in ihrem Garten neben dem kleinen Teich mit den Seerosen eine Ente und einen Erpel sahen. Denen gefiel es offensichtlich bei Eimers, sie bauten sich nämlich ein Nest, direkt neben dem Teich. Und da es Herr und Frau Ente gerne gemütlich haben, ließen sie sich in hohem Gras unter der Trauerweide nieder, direkt neben dem Wasser. Der Erpel war nach dem Nestbau verschwunden, fortan übernahm die Ente, flog meist mitten in der Nacht aus dem Teich los, kam morgens wieder und legte dann ihre Eier. Neun Stück insgesamt. Zwei gingen kaputt, zwei waren offenbar nicht befruchtet, aber fünf waren in Ordnung. 20 Tage lang brütete die Ente, "sie war wirklich eine treu sorgende Mutter", beobachtete Kurt Eimer.


Am 21. Tag verschwunden

Doch am 21. Tag war sie plötzlich verschwunden, kam auch nie mehr wieder. Wahrscheinlich ist sie tot. Doch Kurt Eimer wollte natürlich nicht, dass die Küken im Ei auch sterben. Zufällig traf er an dem Tag, als Mutter Ente verschwand, eine Bekannte in Heidenfeld, erzählte seine Geschichte. Sie rief ihren Cousin an, der kannte jemanden, und ruck, zuck hatte Eimer einen Brutkasten und eine Infrarotlampe. In seiner Werkstatt baute er alles auf, legte vorsichtig die Eier rein und fing an, sich mit der Entenbrut zu beschäftigen. 37,6 Grad wollen sie es warm haben, 55 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit. Nach rund 28 Tagen dann der große Tag, heute vor 17 Tagen schlüpfte das erste Küken. "Es war ein Kampf für das kleine Geschöpf, das muss man mal gesehen haben, wie sie sich aus der Schale arbeiten", erzählt Eimer. Zwölf Stunden mussten die kleinen Enten nach dem Schlüpfen noch in der Wärme bleiben, dann konnte man sie herausnehmen. Die Person, die das Küken aus dem Brutkasten nimmt, ist auch die, auf die die kleine Ente geprägt ist. Kurt Eimer ist der Papa von vier Küken, sein Sohn Stefan der des fünften.


Die "Piep-Schau" besuchen

Einen Tag nach dem ersten Küken kamen die vier anderen, und heute tollen sie im Garten umher, quaken die ganze Zeit, fangen Insekten, gründeln im Teich, machen, was Enten eben so machen und scheinen sich bei Eimers sichtbar wohlzufühlen.

Nachbarn, Freunde, Familie sind fasziniert, immer wieder kommt Besuch "zur Piep-Schau", so Eimer schmunzelnd. Den Urlaub haben sie verlegt, Eimer wartet, bis die Enten rund acht Wochen alt sind, will sie dann auswildern. "Ich könnte ihnen stundenlang zuschauen, sie sind wirklich herzallerliebst. Aber wir haben ihnen auch keine Namen gegeben, wir wollen sie nicht zu sehr vermenschlichen. Es sind Wildenten, sie sind dafür geboren, in der Natur zu leben, und da sollen sie auch wieder hinkommen." Sprich, wenn sie groß genug sind und fliegen können, wird sie Eimer an ein Gewässer in der Nähe bringen, um sie auszuwildern. Der See muss aber mindestens drei Kilometer weit weg sein, damit die Enten nicht sofort zu ihm zurückkommen. Bevor er die Enten aussetzt, wird er sich noch bei der entsprechenden Gemeinde erkundigen, ob das auch geht.


Vor Gefahren schützen

Für den 73 Jahre alten ehemaligen Architekten ist das Enten-Glück ein wunderbares Sommererlebnis. Nachdem er es geschafft hat, dass die Kleinen ausgebrütet wurden und jetzt schon zwei Wochen alt sind, will er sie natürlich auch vor Gefahren schützen, bis sie ausgewachsen sind. Für Falke, Bussard, Marder oder Katze ist so eine kleine Ente ein leckerer Snack, da muss man natürlich aufpassen. Würde Mama Ente ja auch machen.