Neugierig schaut der kleine schwarze Kopf mit der weißen Stirn hinter Mamas Rücken hervor. Langsam kommt die kleine Bärbel angetapst, um gleich wieder davonzuspringen. "Neugierig sind sie, aber sie lassen sich nicht gerne anfassen", sagt Sigrid Beyrichen und lacht.
Die selbstständige Steuerberaterin hat ein ausgefallenes Hobby. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten hält sie neben vier Pferden, elf Schafen und zwei Katzen auch sechs Alpakas. "Von meinen Eltern habe ich die Tierliebe mitbekommen", sagt sie. Ihren Freund hat sie damit schnell angesteckt. Dessen Idee war es auch, dass sie sich einen eigenen Stall für ihre Pferde suchen.
Dort gab es aber Stellen, wo die Tiere nicht hinkamen. Schnell war ihnen klar: Alpakas müssen her. Die Kamelform stammt aus den südamerikanischen Anden und ernährt sich fast ausschließlich von Gräsern.
Im Januar vergangenen Jahres holten sie sich Toni und Hedi von einem Züchter aus Ruppertshütten (Lkr. Main-Spessart). "Die zwei haben uns solch eine Freude gemacht. Wir wollten nicht, dass sie so allein sind und beschlossen noch eines zu holen", sagt Beyrichen.


Den Decksprung gab es obendrauf

Beim nächsten Alpakakauf bei einem Züchter in Waldfenster haben sie ihr Herz gleich an zwei Tiere verloren, sodass Blondi und Lola im Stall einzogen. "Diese vier sind eigentlich eine wunderbare Anzahl", sagt Beyrichen. Denn Alpakas fühlen sich als Herdentiere in einer Gruppe von vier bis fünf Tieren wohl.
Gründe für ihr außergewöhnliches Hobby nennt die Steuerberaterin mittlerweile viele: "Als Ergänzung zu den Pferden, zur Landschaftspflege, aber auch wegen der puren Freude an den Tieren." Bei den vier Alpakas blieb es nicht lange. "Weil wir beim letzten Mal gleich zwei genommen haben, haben wir einen Decksprung obendrauf bekommen", sagt sie.
Am 11. Juli brachte Blondi die kleine Bärbel zur Welt. "Am Morgen war ich noch im Stall und alles war in Ordnung. Als ich abends wiederkomme, sehe ich mehr Beine als sonst", sagt Beyrichen. Am 23. Juli kam noch der kleine Hansi. "Die zwei Alpakababys sind schon zuckersüß", schwärmt sie. Während die restlichen Alpakas zu den Typen der Huacaya zählen und feine gleichmäßig gekräuselte Faserhaare haben, sind Hansi und seine Mutter Hedi seltenere Suri-Alpakas. Diese haben gelockte Strähnen, die an den Tieren herabhängen.


Angst vor Unwissenheit

Bärbel und Hansi will Beyrichen wieder verkaufen. Die Tiere züchten möchte sie höchstens als Hobby. "Vielleicht bekommen wir das kostendeckend hin", sagt sie. Einen ersten Interessenten für die Kleinen haben sie schon.
Wo genau ihre Tiere im Stall stehen, wollen Beyrichen und ihr Freund nicht öffentlich lesen. "Die Menschen sind dreist und marschieren regelmäßig auf unser Grundstück", sagt Beyrichen. Dabei hat sie vor allem Angst um die Tiere. "Die Leute füttern Sachen, die ihnen nicht guttun und wodurch sie krank werden können."
Alpakas sind Wiederkäuer, ein Brötchen kann ihnen den Magen verkleben. "Dann ersticken sie jämmerlich", erklärt sie. Die Tierhalter wünschen sich, dass die Leute auf den Wegen bleiben und sich von dort am Anblick der Tiere erfreuen.
Nicht nur für Spaziergänger, auch für die Pferde waren die neuen Mitbewohner gewöhnungsbedürftig. "Sie haben am Anfang reagiert, als wären das außerirdische Wesen", erzählt Beyrichen und muss schmunzeln. Die Tiere hätten sich aber schnell aneinander gewöhnt.


Alpakas statt Psychiater

"Als Blondi krank auf der Wiese lag, waren die anderen Alpakas in den Stall geflüchtet. Nur die Pferde standen mit hängenden Köpfen am Zaun und leisteten ihr Gesellschaft. Das war rührend", sagt die Besitzerin. Zusammenstellen kann sie die Tiere aber nicht. Das wäre zu gefährlich.
Zweimal am Tag schaut sie nach ihren Tieren. "In der Haltung sind sie sehr pflegeleicht. Man benötigt entsprechende Wiesenflächen, Heu rund um die Uhr, und zweimal am Tag gibt es Futtermüsli und Mineralfutter", sagt sie. Nur einen Tierarzt zu finden, der sich mit Alpakas auskenne, sei schwer gewesen. "Wir waren Anfän-ger, haben aber von beiden Züchtern in jeglicher Form Unterstützung bekommen", sagt Beyrichen.
Tierhaltung bringt auch Verantwortung. "Urlaub gibt es nicht", sagt sie. Aber wenn sie eine Auszeit vom stressigen Alltag sucht, fühlt sie sich inmitten ihrer Alpakas gut aufgehoben: "Ich brauche keinen Psychiater, ich habe Alpakas. Ohne die Tiere wäre der Alltag einiges trister!" Julia Back