Sozialpädagogen wie Hannes Schnabel sind gefragt wie selten. Der Grund ist die große Zahl Minderjähriger, die ohne Eltern aus den Kriegs- und Krisengebieten in ihrer Heimat flüchten und auch nach Deutschland kommen. "Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UmF) ist seit dem Frühjahr 2014 dramatisch gestiegen", berichtet Thomas Duda, stellvertretender Leiter des Kreisjugendamtes. Im Freistaat werden bis Jahresende zwischen 10 000 und 12 000 erwartet, 80 könnten im Landkreis unterkommen.

Als Minderjährige genießen sie besonderen rechtlichen Schutz und sind ein Fall für die Jugendhilfe. Im Idealfall sollen sie ein selbstständiges Leben lernen, in eine Ausbildung vermittelt und sozial integriert werden. Die Jugendhilfe hat aber Probleme, die jungen Asylbewerber unterzubringen. Bayernweit gab es laut Duda zuletzt rund 6 500 Plätze für die reguläre Jugendhilfe. Letztes Jahr hieß es, dass bis zu 3 500 zusätzliche Plätze wegen der neu ankommenden Flüchtlinge benötigt werden, inzwischen geht man von nahezu der dreifachen Menge aus. "Der Druck auf die Jugendämter wächst. Inzwischen sind wir bei Zwangszuweisungen angekommen", sagt Duda. Fünf Afghanen, die in der Promenadestraße leben, kamen in einer Hauruck-Aktion nach Bad Kissingen.

Suche nach geeigneten Trägern

Das größte Problem für die Behörden ist, Träger und Einrichtungen zu finden, die die jungen Flüchtlinge betreuen. Denn das ist aufwendig: Im Gesetz ist ein Betreuungsschlüssel von einer Fachkraft für fünf Minderjährige vorgesehen, rund um die Uhr.

Das Jugendamt kooperiert mit mehreren Trägern, etwa der evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Würzburg, dem Kinderdorf Riedenberg und dem Arbeitsförderungszentrum (Afz). Das Afz betreut im Auftrag des Landkreises bereits 16 unbegleitete Flüchtlinge, bislang provisorisch in einer Jugendherberge in Schweinfurt.

Betreuungsschlüssel noch erfüllt

Ab September will das Afz bis zu 24 in einem Teil des Campus-Hotels in der Housing Area unterbringen. Dort sind bis Ende des Monats noch Berufsschüler untergebracht. Sobald das Schuljahr vorbei ist, ziehen die Jugendlichen aus Schweinfurt nach Bad Kissingen. Hannes Schnabel leitet die Unterbringung. "Für die 16 in Schweinfurt erfüllen wir den Betreuungsschlüssel", sagt er. Für Bad Kissingen sucht er Verstärkung. Obwohl Fachkräfte in dem Bereich Mangelware sind, ist Schnabel zuversichtlich, genügend Mitarbeiter zu finden, um die geforderte Betreuung zu organisieren. Schnabel: "Natürlich ist es eine Herausforderung, so eine Mammutbetreuung in kurzer Zeit auf die Beine zu stellen." Das Afz habe in der Arbeit mit Jugendlichen und Migranten aber ausreichend Erfahrung. "Wir betreuen schon seit Jahren Migranten, die Vermittlungshemmnisse auf dem ersten Arbeitsmarkt haben", betont Geschäftsführerin Monika Urlaub.

Die Anwohner in der Housing Area reagieren gelassen auf die Ankunft der jungen Asylbewerber. Die Stimmung auf einem Informationsabend am Montag war harmonisch. Die Leute sorgten sich um die Integration der Jugendlichen und boten vielfach Hilfe an.

Asylbewerber im Landkreis Bad Kissingen

Zahlen Derzeit leben rund 700 Asylbewerber in fünf Gemeinschafts- und 18 dezentralen Unterkünften im Landkreis. Bis zum Jahresende werden bei konstantem Zuzug bis zu 500 weitere erwartet.

Unbegleitete 39 UmF befinden sich in der Obhut des Jugendamtes. Davon wohnen zwölf im Landkreis, der Rest ist in Würzburg und Schweinfurt untergebracht. Das Afz nimmt 24 auf, in Münnerstadt wird Platz für acht bis zehn weitere geschaffen. Nach aktuellem Stand werden zum Jahresende rund 80 UmF betreut. Ihre Chancen zu bleiben, hängen vom Herkunftsland ab. Bei UmF aus Kriegsländern wie Afghanistan und Syrien ist die Wahrscheinlichkeit hoch.