Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will mit einer neuen Behörden-Verlagerung strukturschwache Regionen auch in Unterfranken stärken: Nach den auf einer Klausur der Landtags-CSU in Kloster Seeon vorgestellten Plänen ist ein weiterer Ausbau der Außenstelle des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Bad Kissingen geplant: Zu den 2015 angekündigten 100 Stellen soll das bislang in München angesiedelte LGL-Schulungszentrum mit noch einmal 100 Arbeitsplätzen kommen. Der Betrieb des Zentrums soll der Kurstadt zudem zusätzliche Hotel-Übernachtungen bringen. "Das ist ein Riesen-Schub für Bad Kissingen und die Rhön", hofft der Ministerpräsident.

Vor allem die Region Main-Rhön habe bereits von der ersten Behörden-Verlagerung stark profitiert, findet der CSU-MdL Sandro Kirchner: Allein in Bad Kissingen würden rund 40 Millionen Euro in das neue LGL investiert. Die Ansiedelung ziehe zudem private Investitionen nach sich: "Und nun wird der Gesundheitsstandort Rhön zusätzlich gestärkt." Die Region profitiere zudem vom Zuzug der neuen Behördenmitarbeiter.

Wo der Freistaat das geplante Schulungszentrum ansiedeln will, ist noch nicht klar. Auch Sandro Kirchner vermochte dazu am Mittwoch nichts zu sagen. Über das Areal des ehemaligen Kurhaushotels Steigenberger als möglichen Standort zu spekulieren, wäre aber wohl falsch. Dort wird mit einem privaten Investor über die Errichtung eines Vier-Sterne-plus-Hotels verhandelt.

An Gebäuden, die der Freistaat für ein Schulungszentrum dieser Größenordnung nutzen könnte, herrscht in Bad Kissingen aber kein Mangel. Manchen fällt da das Telekomgebäude ein, anderen die Untere Saline. Wieder andere loben die gute Lage des Krugmagazins an der Kurhausstraße. Vielleicht führt die Reise auch an eine ganz andere Stelle. Zeit genug für eine gute Standortentscheidung ist im Falle des Schulungszentrums allemal.

Der erste Schritt der Ansiedlung von Einrichtungen des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Bad Kissingen war bereits vor knapp fünf Jahren angekündigt worden. Erste Teile der künftigen Belegschaft arbeiten bereits in der Stadt. Auch die mit der Behördenverlagerung angekündigte Schaffung einer Brückenprofessur am Institut für Kurortmedizin und Gesundheitsförderung in Bad Kissingen ist bereits eine Weile besetzt. Hier kooperieren Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und Universität Würzburg. Die Position hat Prof. Thomas Keil inne. Keil leitet nicht nur das Institut am Standort Bad Kissingen. Er ist auch Professor am Institut für Klinische Epidemiologie und Biometrie an der Universität Würzburg. Zuvor war er außerplanmäßiger Professor an der Charité in Berlin.

Seit 2017 werden zudem Kurhausbad und Neumann-Flügel zur neuen Außenstelle des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) umgebaut. Hundert neue Arbeitsplätze hat die Staatsregierung angekündigt, 45 Millionen Euro lässt sich der Freistaat nach Angaben aus dem vergangenen August den Umbau der denkmalgeschützten Gebäude im Kurgebiet kosten. Die Büros im Kurhausbad sollen Ende 2020 fertig werden, die Labore im Neumann-Flügel ein Jahr später.

Siegfried Farkas und Henry Stern