Kommunalpolitik ist Männersache. Zumindest wenn man sich die Sitzverteilung in den 26 Stadt- und Gemeinderäten des Landkreises anschaut. Frauen spielen in den Gremien zahlenmäßig oft keine große Rolle oder sind in Einzelfällen gar nicht erst vertreten. In drei Kommunen gab es zuletzt keine weiblichen Ratsmitglieder. In acht Gemeinderäten saß nur eine gewählte Vertreterin.

Im Landkreis entspricht der Frauenanteil in Stadt- und Gemeinderäten einer Quote von etwa zwölf Prozent. Das ist sehr wenig. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind durchschnittlich etwa 25 Prozent der gewählten Kommunalpolitiker weiblich. Auch das ist gemessen an der Gesamtbevölkerung nicht viel, aber doppelt so hoch wie in der Region.

Der Frauenanteil am Bürgermeisteramt ist noch niedriger: Brigitte Meyerdierks (CSU) aus Bad Brückenau ist die einzige Erste Bürgermeisterin im Landkreis. Woran liegt das?

Zumindest nicht daran, dass man als Frau herablassend von den Männern behandelt wird, findet Patricia Schieße, seit 2002 Gemeinderätin und für die anstehende Wahl die CSU-Spitzenkandidatin in Euerdorf. "Diese Erfahrung habe ich nie gemacht. Die Männer lassen sich von Argumenten überzeugen", sagt sie. Das Problem ist ihrer Meinung nach ein anderes: "Es ist sehr schwierig, die Frauen zu überzeugen, dass sie kandidieren." Schießer hat keinen Gegner und wird in drei Wochen zur zweiten Bürgermeisterin des Landkreises gewählt. "Ich habe anfangs auch Zweifel gehabt und mich gefragt: Traust du dir das zu?", erzählt sie.

Sie brauchte ebenfalls einen Anstoß, um den ersten Schritt in die Lokalpolitik zu gehen. Sie wurde vom Bürgermeisterkandidaten von 2002 Reinhard Hallhuber gefragt. Schießer erinnert sich an ihre Vorbehalte: "Ich habe vorher gedacht, im Gemeinderat geht es um Themen, die nur Männer betreffen."

Dabei gehe lokalpolitische Themen jeden vor Ort etwas an, meint Brigitte Meyerdierks. "Trotzdem ist der Frauenanteil sehr gering", sagt sie. Meyerdierks ist seit mehr als 30 Jahren politisch aktiv. Ihre Erfahrung ist: "Seitdem hat sich beim Thema Frau nicht viel geändert." Sie stimmt mit ihrer Parteikollegin darin überein, dass für Frauen der Schritt, sich zu trauen, der schwerste ist. Sind sie aber erst einmal gewählt und im politischen Geschäft dabei, "stehen alle ihre Frau". Aber gerade der erste Schritt sei oft mit viel Überzeugungsarbeit verbunden. "Es braucht Vorbilder. Wie viele Frauen sich engagieren hat immer damit zu tun, ob es aktive Frauen am Ort gibt, die andere motivieren", betont Meyerdierks.

Frauen im Gemeindeleben aktiv

Ein ganz praktisches Hindernis ist allerdings der Wähler. 2008 schaffte es keine der drei Kandidatinnen in den acht Mann starken Auraer Gemeinderat. Bürgermeister Thomas Hack (CSU): "Man kann natürlich fragen, warum nicht die Hälfte der Liste aus Frauen besteht", sagt er. Er glaubt nicht, dass die Frauen wegen des Geschlechts nicht gewählt wurden. In kleinen Gemeinden, in denen jeder jeden kenne, entschieden sich Wahlen an der Person und nicht am Geschlecht. "Ansonsten sind die Frauen im Gemeindeleben aktiv und vorne dran", sagt Hack. Politisch dürfte das Engagement gerne größer sein.

Es gibt noch andere Gründe, warum sich Frauen vielleicht zurückhalten. "Manche lehnen aus beruflichen Gründen ab", sagt Schießer. Andere scheuen sich vor öffentlicher Kritik an ihren Entscheidungen. Für sie ist es vor allem wichtig, dass sie ihre Familie hinter sich weiß. Als sie entschied, als Bürgermeisterin zu kandidieren, wurde sie von Mann und Sohn aufgemuntert: "Mach das. Wir kriegen alles organisiert." Es liegt an der eigenen Einstellung, ob Frauen die männliche Dominanz in den Rathäusern aufbrechen.