Ein Szenario trieb die Stadträte in der jüngsten Sitzung um: Dürfen sich Wanderer womöglich nur noch im Schutz der Dunkelheit und geheim zu Naturdenkmälern wie den Langen Steinen schleichen? "Die Rhön will Wanderwelt Nummer eins sein, und jetzt beschneidet man sich dermaßen", brachte Stadtrat Hartmut Bös (CSU) die Kritik an der Ausweisung von Kernzonen auf den Punkt. "Draußen in der Bevölkerung werden die Kernzonen als totaler Blödsinn angesehen", ging sein Fraktionskollege Manfred Kaiser sogar noch weiter.

"Das ist irrsinnig" und "totaler Unfug" hatte er für die Ausweisung der Gebiete rund um die Stadt nur Hohn und Spott übrig. Trotz aller kritischer Stimmen sahen es einige Stadträte etwas differenzierter: Birgit Poeck-Kleinhenz (PWG) sprach sich etwa dafür aus, sich an dem Verfahren der Regierung von Unterfranken auf alle Fälle zu beteiligen. Allerdings bestand die Mehrheit des Stadtrates darauf, dass die Formulierung des Beschlusses abgeändert wird. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen: "Nach Beratung beschließt der Stadtrat, der Ausweisung der Kernzonen unter folgenden Voraussetzungen zuzustimmen." Am Ende wurde daraus nur: "Der Stadtrat erhebt folgende Einwendungen."

Die Liste aus sechs Punkten danach blieb identisch: Versorgungsleitungen und der Rettungsweg nördlich der Autobahn zwischen Volkers und Römershag müssten erhalten bleiben, der Durchlass am Höllgraben soll offen, sämtliche Wege begehbar bleiben und die Eigentümer angrenzender Grundstücke sollen eine Entschädigung erhalten. Mit 14:4 Stimmen wurden diese Auflagen nach Würzburg gemeldet.

"Ich bin prinzipiell gegen die Kernzonen", blieb CSU-Stadtrat Karl-Heinz Schmitt trotz Bedingungen bei seiner Ablehnung. "Man hat irgendwelche Flächen, auf die man halt Zugriff hatte, ausgewiesen", kritisierte er das Vorgehen. "Die Rhöner kriegen ihr Gebiet mit Kernzonen zugepflastert", sieht er die Kommunen geradezu umzingelt und an jeglicher wirtschaftlicher Entwicklung gehindert. "Die Rhön ist schon immer von Land- und Forstwirtschaft geprägt", verwies Dieter Seban, ebenfalls CSU, darauf, dass viele Holz- und Pelletsheizungen eingebaut und sich darauf verlassen hätten, den Wald nutzen zu können.

Ein Seitenhieb kam von Franz Walter, der für Freie Bürger und FDP im Stadtrat sitzt: "Überraschenderweise kommen diese Anregungen von der CSU-Fraktion. Die Leute, über die ihr euch beschwert, sind doch eure Leute."