Wie aufwändig es inzwischen sein kann, in Münnerstadt einen Bauplatz auszuweisen, zeigt die Geschichte von Katrin und Marc Johannes. Weil sie ohnehin die Bauleitplanung selbst bezahlen müssen, wollten sie auf dem großen Grundstück an der Schwedenstraße gleich zwei Häuser planen. Trotz der Zusage, dass das zweite Haus nicht gebaut wird, lehnten die Nachbarn Andrea und Michael Winkler das Vorhaben ab. Gegen das erste Haus haben sie nichts.

Nach einer Ortsbesichtigung sahen das die Stadträte genauso. Ein Beschluss konnte jedoch nicht gefällt werden, weil sämtliche Vorschläge auf die ursprüngliche Variante mit zwei Häusern zielten. Bürgermeister Helmut Blank (CSU), der sich persönlich sehr für die Bauwerber engagiert hat, sieht inzwischen kaum mehr Möglichkeiten, Bauinteressenten zu einem Grundstück zu verhelfen. "Die von der Regierung zu Recht geforderte Verdichtung von Bebauung führt zu riesigen Problemen", resümiert er. Da müsse man doch über die Ausweisung eines neuen Baugebiets nachdenken.

Ein klassischer Schwarzbau

Der "Ostbahnhof" hat seinen Namen weg, weil auf dem Areal einst ein Eisenbahnwagen stand. Später erfolgte eine Bebauung. Da sich das Gebäude aber im Außenbereich befindet, war dies ein klassischer Schwarzbau. Heute sind die Gebäude herunter gekommen, das Areal verwildert. Der Vorteil: ein herrlicher Blick auf den Kreuzberg und die Stadt Münnerstadt.

Davon konnten sich die Stadträte vor Ort überzeugen. Der Bürgermeister ging zunächst auf den Werdegang ein. Bereits im Mai 2012 hatte der Bau- und Umweltausschuss einer entsprechenden Voranfrage das gemeindliche Einvernehmen in Aussicht gestellt. Trotz der damals bereits bekannten Einwände der Winklers billigte der Stadtrat im Januar dieses Jahres die Änderung des Bebauungsplanes "Karlsberg I" einstimmig. Und zwar für zwei Bauplätze. Nun kam das Problem wegen der obligatorischen Behandlung der Einwände von Trägern öffentlicher Belange und Bürgern erneut auf die Tagesordnung.

Helmut Blank betonte dabei, dass das Bauvorhaben nicht zuletzt wegen des derzeitigen Zustands des Areals vom Landratsamt ausdrücklich begrüßt werde. Dann hatte Marc Johannes die Gelegenheit, seine Sicht der Dinge vorzutragen. Die Bauwerber müssen die kompletten Kosten der Bauleitplanung übernehmen, ebenfalls die Kosten für den Bau der Zufahrt. Das müsse sich auch rechnen. Deshalb werde das zweite Gebäude geplant. Ihnen sei aber an einem guten Verhältnis zu den Nachbarn gelegen, sagte Marc Johannes. Deshalb habe es auch schon mehrere Gespräche gegeben. Unter anderem sei die Baugrenze von den gesetzlich vorgeschriebenen 3,5 Meter auf acht Meter erhöht worden. Ebenfalls seien bei der Höhe des Hauses Kompromisse gemacht worden. Außerdem habe er gar nicht vor, das zweite Haus zu bauen. Der Familie Winkler stellte er zudem das Vorkaufsrecht für das den zweiten Teil des Grundstücks in Aussicht. Später fügte er hinzu: "Ich plane definitiv nicht zu bauen."

2. Bürgermeister Norbert Reiter (CSU) fragte nach, ob sich die Familie Johannes nicht doch mit der Planung und dem Bau eines Hauses zufrieden geben könnten. Darin sahen die Bauwerber allerdings keinen Kompromiss, sondern einen einseitigen Verzicht.

Michael Winkler betonte noch einmal, dass es nur um das zweite Gebäude gehe. Dieses würde über seinem Grundstück stehen. Der dafür notwendige Privatweg führe unmittelbar an seinem Garten vorbei. Wenn er geahnt hätte, dass hinter seinem Haus einmal gebaut werden könnte, "hätte ich mir vor 22 Jahren ein anderes Grundstück genommen." Auf das Vorkaufsrecht verzichtete er dankend.

Nach der Ortseinsicht hatten die Stadträte innerhalb der Fraktionen Gelegenheit, über das Problem zu diskutieren. Dann folgte die öffentliche Stadtratssitzung.

Die zwei Seiten

"Ich denke, wir sollten die Betroffenen hören", sagte der Bürgermeister, nachdem die Einwände der Träger öffentlicher Belange weitgehend abgearbeitet waren. "Hut ab, was der Bürgermeister so tut, für Jemanden der bauen will", sagte Andrea Winkler. Er habe die Bauwerber sehr gut betreut. "Ich fühle mich da ein wenig verlassen."

Das zweite Haus sei nicht höher, als das der Familie Richter", sagte Marc Johannes. "Es gibt eine gesetzliche und eine menschliche Ebene. Wir sind mal gespannt."

Nachdem auch ein zweiter Nachbar seinen Unmut geäußert hatte, gab der Bürgermeister den Fraktionssprechern Gelegenheit, sich zu äußern. Sämtliche Fraktionen sprachen sich für die Beschränkung auf ein Wohnhaus aus. Bevor allerdings diesbezüglich ein Beschluss gefällt werden konnte, zog der Geschäftleitende Beamte Stefan Bierdimpfl die Notbremse. So schnell könne man das Ganze Werk, das auf zwei Häuser ausgelegt war, nicht umformulieren. Der Beschluss soll in der nächsten Sitzung nachgeholt werden.

Nachdem auch Abrundungen und Lückenbebauungen in anderen Gebieten teilweise zu erheblichen Problemen geführt haben, ist der Bürgermeister allmählich gefrustet. "Alte Häuser und Grundstücke in Privatbesitz werden nicht verkauft", sagt er. Wenn man in einem bestehende Gebiet baut, gebe es immer Ärger, weil plötzlich etwas Neues kommt. Da bleibe bald nur noch die Ausweisung eines neuen Baugebietes. Wegen des plötzlichen Wandels der Stimmung soll beim nächsten Mal viel früher ein Ortstermin angesetzt werden, meint das Stadtoberhaupt. Allerdings könne sich jeder Stadtrat auch ohne festen Termin vor Ort informieren. "Das habe ich auch getan."