Der Artenschutz im Wald ist ein wichtiger Beitrag, den gerade die Bayerischen Staatsforsten auf ihren Flächen leistet. In der Rhön gibt es noch zahlreiche naturnahe Wälder. Auch solche Flächen wie Naturwaldreservate, die schon seit Jahrzenten nicht mehr von Menschen bewirtschaftet werden, kommen im Forstbetrieb Bad Brückenau auf über 150 Hektar vor.

Gemischte Laubwälder ohne Holznutzung mit vielen Bäumen unterschiedlichen Alters, gestuftem Aufbau und mit Verjüngung entsprechen häufig den früheren Urwäldern. Dort konnten auch seltene heimische Tierarten überleben oder finden heute wieder geeignete Lebensräume. Für diese Arten haben die Menschen eine besondere Verantwortung, mehr noch als für seltene Arten, die ihr Hauptverbreitungsgebiet zum Beispiel in Steppen oder in der Taiga haben.

Die mitteleuropäischen Waldvogelarten Uhu und Schwarzstorch sind in der gleichen Schutzkategorie wie das Birkhuhn im europäischen Vogelschutzgebiet (SPA) der Bayerischen Rhön. Im Auftrag des Forstbetriebs Bad Brückenau, der BN Ortsgruppe "Hohe Rhön" und der Basalt-Actiengesellschaft Hartsteinwerke Bayern-Mitteldeutschland, die sich für die Biodiversität einsetzen, baute der Experte Alfred Nottorf mit seinem Kletterteam Indra Koch und Norbert Fiebach am Wochenende drei Plattformen in geeignete Bäume - als Nisthilfen für Schwarzstörche. Den Kontakt hatte Joachim Urban hergestellt, der zuständige Revierleiter im Forstrevier Oberbach. Für die BN-Helfer war es eine interessante Angelegenheit, das Material in abgelegene Waldorte im Staatswald zu tragen, Stöckchen und Moos zu sammeln und dies zu den Baustellen in den Baumwipfeln hochzuziehen.
Alfred Nottorf hat in den vergangenen 50 Jahren schon 500 Nisthilfen für Schwarzstörche ehrenamtlich gebaut. Dabei hat er zusammengerechnet schätzungsweise fünf Monate in den Bäumen verbracht. Seine Stärke ist, dass er denken kann wie ein Storch. Wo sind verborgene Plätze tief im Wald, die kein Wanderer, Biker oder Pilz- und Beerensucher oder Bockjäger stört? Solche Plätze liegen an Waldinnenrändern oder kleinen Lichtungen, in die der Storch mit seiner großen Flügelspannweite einfliegen kann.

Morgens warm, mittags Schatten


Optimal ist es, wenn der Horst von der Morgensonne erwärmt wird, vor der Mittagshitze jedoch gut beschattet wird. Der Boden soll nicht zu sehr bedeckt sein von jungen Bäumen oder Krautwuchs, da die Jungstörche gern im Laub nach Mäusen stochern. Bei der Suche nach dem geeigneten Brutplatz muss auch berücksichtig werden, wo die nächsten Fischgewässer der Bachforellenregion sind und welche Korridore geplante Windkraftanlagen übrig lassen.

Alfred Nottorf kommt aus der Bremerförde, und in Niedersachsen brütet mittlerweile die Hälfte aller Schwarzstorchpaare auf einem "Kunsthorst".
Für die Forstwirtschaft bedeutet ein Brutplatz des Schwarzstorchs, dass im Umkreis von 400 Metern der Charakter des Waldbestandes nicht verändert wird. In der sensiblen Zeit darf kein Nutz- oder Brennholz aufgearbeitet werden. Darauf nehmen die Förster gerne Rücksicht.