Man nehme ein gutes Dutzend gut ausgebildete Tänzer, dazu zwei Dutzend bekannte Melodien, vermische dies mit einem eingängigen Rhythmus, unterlege das Ganze mit bunten Lichteffekten und bringe dies auf die Bühne - ein einfaches Erfolgsrezept, das auch in Bad Kissingen zahlreiche Gäste in den Regentenbau gelockt und begeistert hat.

"Irish Dance 2018" lautet das Versprechen des Programmheftes, das farbenfroh und im Hochglanzformat die aktuelle Show des Ensembles von "Night of the dance" anpreist - und damit auch die Richtung des Abends vorgibt: der irische Stepptanz, dessen Ruf von Michael Flatley und "Lord of The Dance" geprägt wurde und der immer noch Publikumsmagnet ist.

Doch so farbenfroh wie in der Broschüre ist die Bühne des Max-Littmann-Saals nicht vorbereitet: Nach hinten mit schwarzen Tüchern abgehängt, auf der Bühne einige Scheinwerfer und Fluter, die die Farbe beisteuern, und ein Bodenbelag, der die Stepps in das weite Rund des Saals überträgt. Ansage und Musik kommen aus dem Off, und die Kostüme der Akteure sind so gestaltet, dass man möglichst schnell das Outfit wechseln kann. Manches bleibt halt bei den engen Zeittakten der Tournee-Anbieter auf der Strecke: Ankommen, aufbauen, auftreten, abbauen, und weiter zum nächsten Termin.

Was nicht auf der Strecke blieb, ist die Qualität der Tänzerinnen und Tänzer, die im Programmheft als "exzentrische Truppe aus 20 der weltbesten Profitänzer" betitelt wurden, die "mit unglaublicher Perfektion brillieren". Klappern gehört zum Geschäft, und die ersten Besucherreihen und die Gäste auf dem Balkon mögen diese Perfektion noch erkannt haben. Ab der Mitte des großen Saals wurde es jedoch schwierig, die Schrittfolgen und die tänzerischen Qualitäten des Ensembles auf der Bühne zu erfassen. Das hatte nichts mit den Fähigkeiten des Ensembles zu tun, sondern begründet die Suche mancher Gäste nach besseren "Sichtplätzen" im Laufe des Abends.

Die Bühnenshow ist eine Vermischung aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen, die sich für eine Tanz-Choreographie eignen. Dabei greift Choreograph Liam Caputo auf bekannte Tanz-Shows ebenso zurück wie auf beliebte Tanzszenen aus Filmen. Beispiele hierfür sind natürlich "Lord of the dance", "Riverdance", "Stomp" oder "Dirty Dancing" - nur wenige Takte daraus und dazu Sequenzen aus den bekanntesten Szenen oder Melodien genügen, um das Publikum zum Träumen oder in den Klatschrhythmus zu bringen.

Weitere Garanten für die Begeisterung des Publikums sind ein Medley zu "Beat It", "Bad", "Thriller" oder weiteren Hits von Michael Jackson, die tänzerische Aufarbeitung von "Pirates of the caribbean", wobei die Stepp-Sequenzen beim Kampf "Gut gegen Böse" eher deplatziert wirkten, oder die Choreographien zu einem Medley von Ed Sheeran. Temperamentvoll präsentierte sich das Ensemble bei einem lateinamerikanischen Melodienreigen rund um Lieder von Marc Anthony oder Ricky Martin.

Die dynamische Inszenierung lebt davon, dass kein Leerlauf auf der Bühne entsteht. Das bedeutet, dass die erforderlichen Pausen für die Kostümwechsel (und zum Durchschnaufen) mit anderen Tanzelementen gefüllt werden müssen. Mit tänzerischer Akrobatik und kraftvollen Hebefiguren zu "Faded" oder "The Haunting" begeisterten Nallely Lima und Emiliano Gallando Nunez ebenso das Publikum wie der Breakdancer José Antonio Hernandez Esquivel, der diese "Straßenkultur" mehrfach, körperbetont und kreativ präsentierte.

Die Gäste im nicht ganz gefüllten Regentenbau waren begeistert von den Tanzfreude des Ensembles, von der gelungenen Auswahl und Umsetzung der Tanzsequenzen und bedankten sich mit "Standing Ovations".