Nach dem Wechsel auf die Realschule entschied sich Fabienne Albert, Nachhilfe zu nehmen. Sie wollte ihre bislang guten Noten weiterhin halten und befürchtete zunächst, dass sie mit dem Leistungssprung nicht klar kommt. Jetzt geht die Rottershäuserin einmal in der Woche für 90 Minuten zum Lernen zu David Beyfuß und Laura Ebert nach Eltingshausen. "Ich habe mir die Nachhilfe ganz anders vorgestellt und dachte, dass es langweilig wäre, jede Woche dorthin zu gehen. Aber nach der ersten Stunde habe ich gemerkt, dass es wirklich gut ist und es mir hilft, nochmal alles zu besprechen", war die Schülerin positiv überrascht. "Probleme in der Schule oder Angst vor Prüfungen kenne ich nicht mehr."

Problemfach Mathe

Beyfuß und Ebert geben Einzelunterricht für alle Jahrgangsstufen, von der Grundschule bis zum Abschluss. Ihre Schüler können zwischen Mathematik, Physik, Chemie, Englisch, Deutsch und Französisch wählen, wobei Mathematik am häufigsten nachgefragt wird. In zwei von drei Stunden wird gerechnet. "Es kommen schon Viertklässer, die den Sprung aufs Gymnasium schaffen wollen", berichtet Beyfuß. Das sei aber recht selten. Die meisten Jugendlichen, die seinen Unterrichtsservice in Anspruch nehmen, sind in der siebten Klasse oder höher. "Unser Hauptklientel besucht das Gymnasium oder die Realschule", sagt er. Längst nicht alle von ihnen schreiben schlechte Noten. "Es ist nicht so, dass wir mit den Schülern nur ums Sitzenbleiben kämpfen", sagt Ebert. Wie Fabienne Albert wollen einige einfach ihre guten Resultate in den Abschlussprüfungen beibehalten.

Rechtzeitig Hilfe suchen

Franz Scheckenbach leitet drei "Schülerhilfe!" Ableger im ganzen Landkreis. Er spricht andere Schüler als der Unterrichtsservice von Beyfuß an. Sein Team unterrichtet kleine Gruppen mit maximal fünf Kindern, großteils in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Englisch. "Im Augenblick ist es so, dass die Schüler durchschnittlich mit einer 4 kommen", sagt er. Je früher desto besser. "Das ist der richtige Weg. Mit einer Note 5 ist es fast zu spät." Es sei dann schwieriger und dauere länger, den Schülern dabei zu helfen, bessere Noten zu schreiben. Die Lücke zu den Klassenkameraden sei bereits zu groß.

Scheckenbach fällt auf, dass die meisten Schüler im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren zu ihm kommen. Echte "Pubertätsgeschichten" eben. Da ist seiner Ansicht nach Unterstützung von Außenstehenden hilfreich. Er hat aber auch Fälle mit ganz jungen Kindern, die schon in der Grundschule den Anschluss verlieren. "Das sind oft Schüler mit Migrationshintergrund", sagt er. Sie kommen aufgrund schlechter Deutschkenntnisse nicht mit. Laut Scheckenbach werden einige der schlechten Noten durch das Bildungssystem verursacht. "Die Lehrer müssen ihren Lehrplan durchziehen. Gute Schüler langweilen sich und schlechte kommen nicht mit. Es ist schwer, dass alle mitkommen."

"Es ist unser Ansatz, den Schüler als Individuum zu sehen", erklärt Beyfuß. Wenn die Noten nicht stimmen, kommen je nach Schüler andere Ursachen in Betracht. Den einen belasten private Probleme, der nächste kann nicht mit Stress und Prüfungsdruck umgehen. Der 30-Jährige will für jeden seiner Schüler die richtige Lösung finden. Das funktioniere nur mit Einzelunterricht. Beyfuß' Philosophie: "Wir stehen ihnen als Vertrauenspersonen zur Seite. Oft fehlt den Schülern Selbstvertrauen. Da setzen wir an."

Selbstvertrauen macht gute Noten

Sicherheit spielt für Schüler eine große Rolle, um Tests erfolgreich zu bestehen. "Prüfungsangst ist ein häufiger Grund, weshalb Schüler in den Schulaufgaben und Exen schlechte Noten schreiben", hat Ebert beobachtet. Vor allem wenn die Schüler merken, dass sie den Stoff für die Probe nicht einwandfrei verstanden haben, steigt die Unsicherheit und die Sorge vor Leistungserhebungen. Beyfuß und Ebert legen Wert auf persönlichen Kontakt. Sie wollen auf die jungen Menschen einwirken. "Ein guter Pädagoge braucht Einfühlungsvermögen. Er muss zuhören können und sich mit Problemen auseinandersetzen", ist ihm wichtig. Außerdem muss der Lernstoff verständlich aufbereitet werden. "Man muss die Schüler für den Stoff begeistern", sagt Ebert.

Fabienne Albert ist zufrieden: "Ich habe meine Noten sogar verbessert und gehöre, seitdem ich auf der Realschule bin, jedes Jahr zu den Klassenbesten." Im Gegensatz zu früher ist Nachhilfe heute nichts besonderes mehr. Immer mehr Schüler nehmen den Service in Anspruch. Auch viele Eltern sind froh, wenn ihre Kinder gute Nachhilfe bekommen, da sich der Lehrplan seit damals geändert hat und sie häufig nicht mehr mit den Hausaufgaben weiterhelfen können.

"Es gibt kaum einen Schüler, der gerne schlechte Noten hat", meint Scheckenbach. Selbst wenn es manchmal viel Geduld braucht - solange die Einstellung stimmt, kann sich jeder verbessern. "Lernen ist 75 Prozent Motivation, der Rest ist Lernstoff", sagt er.

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