Es hätte viele Leute treffen können. Kaminkehrer, Installateure, Paketboten. Im Prinzip jede Berufsgruppe, die an der Haustüre klingelt und Zutritt zur Wohnung benötigt. Getroffen hat es Siegfried Schlereth aus Oberthulba. Den Beruf des Selbstständigen könnte man umgangssprachlich wohl als Rauchmelderkontrolleur bezeichnen, er selbst nennt sich Fachkraft für Rauchmelder und Brandschutztechnik. Als er vergangene Woche wie gewohnt seiner Arbeit nachging, schlug ihm viel Misstrauen entgegen. "Ich bin an einem Tag zweimal von der Polizei kontrolliert worden", sagt er. Warum, hat er erst hinterher erfahren, nachdem er sich im Internet schlau gemacht hatte. "Da ging irgendeine Aktion auf Facebook und Whatsapp um", grummelt Schlereth.


Internet warnt vor Betrügern

Deutschlandweit hatte sich über die beiden Plattformen innerhalb kürzester Zeit eine Kettennachricht verbreitet, in der wörtlich vor falschen Rauchmeldekontrolleuren gewarnt wurde. Trickbetrüger würden sich als vermeintliche Prüfer ausgeben, um sich so Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen. Das Problem: Es gebe zwar immer wieder Einschleichdiebe, die trickreich in Wohnungen eindringen, um dort zu klauen; die Kettennachricht sei allerdings überzogen gewesen und habe aus einer Mücke einen Elefanten gemacht. "Informationstuning", sagt Christian Pörtner von der Polizei Bad Kissingen dazu.


Hype auf Kosten Einzelner

Bei den falschen Rauchmeldekontrolleuren hat es sich allerdings nicht um ein bundesweites Phänomen, sondern um einzelne Vorkommnisse weit weg gehandelt. "In Bremen hat es wohl solche Fälle gegeben", sagt der stellvertretende Dienststellenleiter. Weil es sich um ein lokales Phänomen gehandelt habe, sei der flächendeckende Hype nicht gerechtfertigt gewesen. Die Menschen würden aber mittlerweile sehr sensibel auf solche Meldungen reagieren. "Auch bei uns haben Anwohner angerufen und Herrn Schlereth als Verdächtigen gemeldet", berichtet Pörtner. Zu Unrecht, wie sich herausstellte.


Wartung ist freiwillig

Wie ist das überhaupt mir der Brandschutztechnik? Was gehört in eine Wohnung, wie sind die gesetzlichen Regelungen? In gewerblichen Betrieben und öffentlichen Gebäuden wird es vorgegeben, ob eine Brandmeldeanlage benötigt wird und wie viele Feuerlöscher vorzuhalten sind. Auch der Wartungsturnus wird festgelegt. Anders ist es bei Privathaushalten. "Es gibt keine Vorschrift, wenn sie zuhause einen Feuerlöscher oder Rauchmelder haben, dass die geprüft werden müssen", sagt Bad Kissingens Stadtbrandinspektor Harald Albert. In Privathaushalten besteht keine gesetzliche Pflicht, Feuerlöscher vorzuhalten, auch wenn es für den Notfall natürlich wichtig ist. Albert empfiehlt, die Feuerlöscher gemäß den Herstellerangaben alle zwei Jahre von einem Fachmann warten zu lassen. "Dann ist man auf der sicheren Seite, dass alles funktioniert", sagt er.


Rauchmelder bis Ende 2017

Privatwohnungen müssen laut Bayerischer Bauordnung bis Ende 2017 mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, die zu Aufenthaltsräumen führen, müssen mindestens je einen Rauchmelder haben. Die Bewohner sind dafür zuständig, dass die Rauchmelder funktionieren. Stadtbrandinspektor Albert rät, einmal im Monat die Funktion zu überprüfen.


Lange Erfahrung im Brandschutz

Der gelernte Hochbautechniker Schlereth hat sich vor Jahren mit einem Fachbetrieb für Brandschutztechnik in Oberthulba selbstständig gemacht. Zuvor hat er für einen Brandschutzhersteller gearbeitet. Schlereth sagt, er sei schon früher auf dem Bau für brandschutzrelevante Fragen zuständig gewesen. Privat engagiert er sich seit Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Schlimpfhof, ist sogar stellvertretender Kommandant.

Beruflich vertreibt und wartet er alles, was mit Brandschutz in Privatwohnungen, Geschäften und öffentliche Gebäuden zu tun hat; vom Rauchmeldesystem für Gehörlose bis zum fahrbaren ABF-Feuerlöscher. Alle fünf Jahre muss er seinen Sachkundenachweis auffrischen. Dabei bringt er sich auf den aktuellsten technischen und rechtlichen Stand. Um private Neukunden zu gewinnen, ist er darauf angewiesen, Klinken zu putzen. Schlereth geht von Tür zu Tür und bietet Brandschutzberatungen an. Die nötige behördliche Genehmigung in Form einer Reisegewerbekarte besitzt er.

Wo müssen denn Rauchmelder angebracht werden, damit sie funktionieren? Seine Tipps: Weg vom Fenster, weg von der Küchen- und der Badtür. Zugluft pustet Staub in den Rauchmelder und verunreinigt ihn, Küchendämpfe und feuchte Badluft lösen Fehlalarme aus. "Man sollte das ordentlich machen. Zum einen, weil es Leben retten kann, zum anderen, weil man sich Ärger mit Versicherungen erspart", sagt er.