"Da muss ich jetzt durch." Diese Worte von Ferdinand Betzer, gesprochen vor ein paar Wochen, bezogen sich auf seine schwere Krankheit. Der intelligente Kommunalpolitiker, der 24 Jahre lang die Geschicke der Stadt gelenkt hatte und auch danach noch sehr aktiv war, begann zu vergessen. Einen Schlaganfall Anfang dieses Jahres überstand er zwar, danach schritt seine Alzheimer-Demenz aber schnell voran. Im Alter von 80 Jahren ist Ferdinand Betzer am Samstag gestorben.

Das "öffentliche Leben" hat ihn schon frühzeitig in Beschlag genommen. Er wurde bald aktiv in Jugendgruppen und im Alter von 21 Jahren Mitglied bei der Jungen Union und später bei der CSU. Betzer entschied sich im Alter von 19 Jahren für die Bayerische Justizverwaltung, er wollte Rechtspfleger werden. Mit dieser Aufgabe kam er 1956 ans Amtsgericht Münnerstadt als örtlicher Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft und Vertreter der Anklage vor dem Jugendrichter. Später war er auch stellvertretender Geschäftsleiter des Amtsgerichtes.

24 Jahre lang Bürgermeister

Im Jahr 1966 wurde er in den Stadtrat gewählt, sechs Jahre später - mit der Gemeindegebietsreform - zum 1. Bürgermeister in Münnerstadt. 24 Jahre lang übte er diesen Beruf aus. "Es war mein Leben", hatte er später über diese Zeit gesagt. Er hatte die schwere Aufgabe, die Stadt und die Stadtteile zusammenzuführen, was alles andere als leicht gewesen ist.

Das wichtigste politische lokale Ereignis, das ihmimmer im Gedächtnis geblieben ist, war im Jahr 1979: Die Entscheidung für die Trassenwahl der Umgehungsstraße von Münnerstadt war gefallen. Gymnasiasten luden Särge vor dem Rathaus ab.

Ein anderer Vorfall beschreibt exemplarisch das Verhältnis, das Ferdinand Betzer als Bürgermeister zum Stadtrat (und umgekehrt) hatte: Als es in den 1970er Jahren um den Ausbau der B 19 ging, die Bundesstraße führte damals noch mitten durch die Stadt, hatte der Stadtrat beschlossen, die Engstelle am Marktplatz zu verbreitern und dafür das heutige Hotel/Restaurant "Bayerischer Hof" abzureißen. Der Beschluss war vom Stadtrat mehrheitlich so gefasst worden, allein Ferdl Betzer setzte ihn nicht um. Er hielt diese Entscheidung für falsch und saß den Vollzug aus.

Legendäre Sitzungen

Legendär sind manche Stadtratssitzungen aus jener Zeit, die gerne einmal etwas länger dauerten, weil sich Ferdinand Betzer beispielsweise mit Klaus Dieter Guhling oder Gerd Müller Wortduelle lieferte. Das waren Diskussionen auf höchstem Niveau. Auch wenn es ordentlich krachte, nach der Sitzung gingen die Stadträte noch zusammen auf ein Bier

Als er am 30. April 1996 seinen letzten Arbeitstag als Bürgermeister hatte, ging er nicht mit Wehmut. "Wehmut ist nicht das richtige Wort", sagte er an diesem Tag. Betzer stieg ins Privatleben ein . Aber auch da kam er nicht zur Ruhe, Betzer blieb immer ein streitbarer Zeitgeist seiner Heimatstadt. In diese Zeit fiel sein Austritt aus der CSU, die Gründung einer neuen politischen Gruppierung in der Stadt namens "Forum aktiv", natürlich mit Ferdl Betzer. Er blieb aktiv als Pensionär, er war Verwalter des Juliusspital-Seniorenheimes und übernahm zeitweise die Aufgabe des Regisseurs beim Heimatspiel in Münnerstadt.

Lesen und Schreiben waren seine absoluten Hobbys, seine Aufzeichnungen füllen Bände und jede Menge Aktenordner, Ferdl Betzer hat sich stets für die Geschichte seiner Heimat interessiert und selbst ausgiebig geforscht. Gerne hat er auch für die Zeitung geschrieben.

Ein Mensch wie er, der so viel in seiner langjährigen aktiven Zeit in der Kommunalpolitik und in der Öffentlichkeit geleistet hat, der wird natürlich dafür auch ausgezeichnet. Ferdl Betzer trug den Titel Altbürgermeister, er war Ehrenbürger von Münnerstadt und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Er hat noch zahlreiche andere Ehrungen bekommen. Wichtig waren sie ihm nicht, für ihn von Bedeutung war die Familie, Ehefrau und Kinder.

Stimmen der Wegbegleiter

Seinen Wegbegleitern wird Ferdinand Betzer in Erinnerung bleiben. "Er ist ein sehr engagierter Kommunalpolitiker gewesen, der sich vor allem für den Zusammenhalt der Stadt und der Stadtteile eingesetzt hat", sagt 2. Bürgermeister Norbert Reiter (CSU). Das sei ihm auch gelungen. Ferdinand Betzer sei ein Mensch gewesen, der Freude an der Diskussion hatte. "Ihm ist es gelungen, Probleme durchzudiskutieren und einer Lösung zuzuführen."

"Ich habe Ferdinand Betzer sehr geschätzt, sowohl in seiner kommunalpolitischen Arbeit, wie auch als Persönlichkeit", sagt sein früherer Stadtratskollege Klaus Dieter Guhling (SPD). "Ich muss ihm bescheinigen, dass er als politischer Gegner, als den ich ihn in den Jahren erlebt habe, immer fair gewesen ist und immer zu menschlich versöhnlichen Gesten bereit war." Als Stadtarchivar ist Guhling auch dankbar, dass Ferdinand Betzer sein persönliches Archiv dem Stadtarchiv geöffnet hat.

Am Mittwoch ist Beerdigung

Das Requiem für Ferdinand Betzer findet am Mittwoch, 2. Oktober, um 14 Uhr in der Stadtpfarrkirche statt. Anschließend Beerdigung im Friedhof Münnerstadt.