Für die heiligen "zwölf Nächte", den Raunächten, also vom Heiligen Abend bis Dreikönig, gab es jede Menge Bräuche. Überstrahlt wurden sie vom Lichterglanz des Christbaumes. Johann Wolfgang von Goethe, der 1749 geboren wurde und 1832 starb, kannte in seiner Jugend den Christbaum noch nicht.
Er hat ihn als junger Dichter in Leipzig oder Straßburg erst kennen gelernt. Er schreibt in seinem Werk "Leiden des jungen Werther", dass die Erscheinung des aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln "paradiesisches Entzücken bereite".

Nachdem der Weihnachtsbaum im 16. und 17. Jahrhundert in Deutschland schon weit verbreitet war und von kirchlicher Seite zunächst rigoros abgelehnt und bekämpft wurde, fand er in unserer Gegend, so schreibt Thain, erst einige Jahre nach 1800 Einzug. Aber von da an war das Weihnachtsfest ohne Christbaum nicht mehr denkbar. Heute hat der Christbaum auch in der Kirche einen festen Platz.

In den zur Weihnachtszeit hergestellten Backwaren ist häufig noch ein Zusammenhang mit heidnischen Gebräuchen nachweisbar. Die Reiter und Doggen, die vor 100 und mehr Jahren noch gebacken wurden und den Kindern, besonders den Patenkindern, geschenkt wurden, erinnerten an die Wodansreiter des Wilden Heeres und an Frau Holle. Später wurden sie ersetzt durch aus Lebkuchenteig gebackene Weihnachtsmänner, heute bestehen sie aus Schokolade und werden in der Regel gekauft.

Außer dem großen Reinemachen im ganzen Haus machte die Weihnachtsbäckerei von Christstollen, Kuchen, Plätzchen aller Art den Müttern viel Arbeit. Ein Raunen und Werken ging um, denn jedes Familienmitglied sollte doch auch am Heiligen Abend mit einem handgefertigten oder auch gekauften Geschenk überrascht werden. Da mussten die Kleinsten am Abend bald ins Bett, denn das Christkind sieht nach, wenn es nachts von Fenster zu Fenster fliegt, ob die Kinder auch schon schlafen, wie es hieß. "Als größere Kinder", so schreibt Oskar Thain, "durften wir mithelfen, den Baumschmuck zu richten. Nüsse wurden vergoldet und mit Holzstielchen versehen, an diese und an rotbäckige Äpfel, an bunte Glaskugeln und an die Christbaumzuckerstückchen wurden rote Wollfäden zum Anhängen geknüpft; farbige Kerzen wurden angesteckt und so alles für den Heiligen Abend vorbereitet".

War der Heilige Abend da, das Vieh gefüttert und zu Abend gegessen, mussten die kleineren Geschwister mit den Großeltern in die obere Stube und auf das Kommando des Christkindes warten. Die Eltern und die größeren Kinder beeilten sich nun, das schon vor einigen Tagen aus dem Wald geholte Fichtenbäumchen zu schmücken, die Krippe aufzustellen und die Geschenke aufzulegen. War alles fertig, erklang ein Glöcklein und rief die Kleinen und die Großeltern zur Bescherung.

Wenn der erste Jubel abgeebbt war, wurde vom Vater das Weihnachtsevangelium vorgelesen und von allen einige Weihnachtslieder gesungen. Jetzt durften die Geschenke in Empfang genommen und ausgepackt werden. Die Kinder durften sich mit ihren Spielsachen beschäftigen, bis die Uhr in vorgerückter Stunde zum Schlafengehen mahnte.

Um 23 Uhr machten sich die Katholiken von Theinfeld auf und besuchten die Christmette, die um 23.30 Uhr in der Pfarrkirche zu Thundorf begann. Am diesjährigen Heiligen Abend findet die Christmette um 19 Uhr statt.