Ein zweieinhalbstündiger Waldspaziergang macht richtig hungrig und durstig. Kein Wunder also, dass die Buben und Mädchen, die dieses Jahr von der Maßbacher evangelischen Kindertagesstätte in die Grundschule wechseln, wenige Minuten nach den Hornsignalen "Sammeln der Jäger" und "zum Essen" aus der Tiefe des Waldes bei der Jagdhütte von Jagdpächter Bernd Newiger am Rande des Reitbergs auftauchten und auf ihre Bratwürste warteten.
Seit vielen Jahren, wie viele es schon sind, weiß niemand mehr so genau, laden die Jäger die Kinder zum Ende ihrer Kindergartenzeit ein. "Sie sollen dadurch eine Verbundenheit zur Natur bekommen", sagt Bernd Newiger.
Der Jäger Erich Schneider und sein Enkel Moritz, ebenfalls Jäger, führten die Gruppe mit den Erzieherinnen Henriette Seifert und Katharina Wöltche den ganzen Morgen lang durch Feld und Wald. Der Spaziergang begann bei einer Biberburg an der Maß. Im Wald angekommen, stellte Erich Schneider die erste Frage: "Was ist Wald?" Die Kinder erfuhren, dass er nicht nur aus Bäumen besteht, dass es da auch Sträucher, Büsche, Gräser oder Pilze gibt und dass er Lebensraum für viele unterschiedliche größere und kleinere Tierarten ist. Natürlich stellten die Kinder viele Fragen. Emma, die besonders neugierig war, wollte zum Beispiel wissen, was Wildschweine und Rehe fressen. Und die Kinder erfuhren auch, dass es den Jägern nicht um's Schießen geht, sondern um die Hege und Pflege des Wildes. Wenn die Bauern ihre Felder mähen, müssen die Kitze, die darin liegen könnten, aufgespürt und gerettet werden. Die muntere Truppe kam auch an zwei Fuchsbauten vorbei. Einer der beiden Eingänge war sehr sauber - ein Zeichen dafür, dass dieser Bau bewohnt ist.


Von Suhlen und Malbäumen

Erich und Moritz Schneider zeigten den Kindern Schlammlöcher, die in der Fachsprache der Jäger Suhlen heißen. Darin wälzen sich die Wildschweine gerne. Der Schlamm, der auf der Haut der Tiere trocknet, schützt sie gegen Ungeziefer. An sogenannten Malbäumen kamen die Kinder ebenfalls vorbei. Diese Bäume nützen die Tiere, um sich daran zu scheuern und dabei Parasiten zu entfernen. Malbäume werden von den Jägern mit Teer gestrichen. Damit werden sie für die Tiere attraktiver und sie gewöhnen sich daran. Die Fährten von Rehen, Kitzen und Wildschweinen waren im Waldboden deutlich erkennbar. Sogar die unterschiedlichen Getreidearten, und was daraus gemacht wird, erklärten die beiden Jäger den Kindern, als sie an Feldern vorbeikamen. Nach ihrem langen Rundgang versammelten sich die Kinder an Bernd Newigers Jagdhütte. Nur das Grillen der Würstchen über einem großen offenen Feuer musste dieses Jahr ausfallen, da der Waldboden zu trocken und deshalb die Waldbrandgefahr zu groß ist. Aber zur Not tat es auch ein besser geschützter Grill, der mit Kiefernzapfen befeuert wurde.