Kunst soll provozieren, muss nicht schön und nicht gefällig sein. Der Mahner in der Aussegnungshalle erfüllt alle diese künstlerischen Kriterien. In Münnerstadt stellt man sich aber die Frage, ob die beklemmende Skulptur des Künstlers Gottfried Albert ausgerechnet dort, wo der Tod die Menschen so direkt berührt, ihren geeigneten Platz hat. Es ist vor allem der schmerzhafte Gesichtsausdruck des Mahners, der viele Menschen unangenehm berührt.

Stadtpfarrer Pater Markus Reis hat das Thema bei einem der Friedhofstermine angesprochen. Sowohl in der katholischen, als auch in der evangelischen Kirche sei der Mahner ein umstrittenes Thema, weiß er. Pater Markus fragt sich, ob es für den Mahner einen anderen, weniger dominanten Standort in der Aussegnungshalle geben könnte.

Der Münnerstädter Stadtpfarrer will der Skulptur damit nicht ihren künstlerischen Wert absprechen. "Es ist ein ausdrucksstarkes Kunstwerk", betont er. Gleichzeitig weiß er allerdings auch, dass sich Gläubige und Trauernde schwer tun mit dieser Figur. Einige fänden die Figur bedrohlich oder erschreckend, weiß er aus Gesprächen. Pater Markus betont, dass er mit dem Mahner leben könnte, versteht aber auch, dass mancher diese Skulptur als bedrohlich empfindet.

Deshalb gab es schon 2009 interne Gespräche von Vertretern beider Kirchengemeinden, ob es andere Gestaltungsmöglichkeiten für die Aussegnungshalle geben könnte. So entstand die Idee, die Wand mit Holz zu verkleiden und mit Spiegeln ein Kreuz zu gestalten.Dass bereits jetzt in die Wand der Aussegnungshalle ein Kreuz eingearbeitet ist, wird in Anbetracht des Mahners leicht übersehen. Allerdings wurde die Umgestaltung dann nicht mehr weiter verfolgt.

Schon früher Gespräche

Pater Markus weiß, dass es auch schon viel früher Diskussionen um eine Umgestaltung gab. Das Holzkreuz, das bis zur Errichtung des Riemenschneideraltars in der Stadtpfarrkirche gewesen war, sollte in der Aussegnungshalle wieder aufgestellt werden. Das Kreuz existiert noch. Es soll bis heute in Nebenräumen der Friedhofsanlage ausgelagert sein. "Das Thema war schon zu meiner Zeit aktuell", betont Pater Edelbert Paul, früherer Stadtpfarrer in Münnerstadt. Das Kreuz sollte den Mahner ersetzen, der auf der linken Seite der Aussegnungshalle einen neuen Platz gefunden hätte. Es habe Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister Ferdinand Betzer gegeben. Weshalb die Pläne nicht umgesetzt wurden, weiß Pater Edelbert heute nicht mehr.

Bürgermeister Helmut Blank hat die Anregung Pater Markus entgegengenommen und kann nachvollziehen, weshalb die Anregung aus den Kirchengemeinden kommt. Auch er würde ein Kreuz angenehmer finden als den Mahner, meint er. Blank zeigte sich etwas überrascht darüber, dass der Mahner in der katholischen Pfarrei ein Thema ist. Davon habe er erstmals gehört. Ob sich eine Veränderung in der Aussegnungshalle ergeben wird, ist völlig offen.

Pfarrgemeinderatssvorsitzender Roland Ballner findet den Mahner "nicht unbedingt schön". Es sei halt Kunst, ist sein Kommentar. "Ein bisschen bedrohlich wirkt er schon", ist die Meinung von Richard Arlt. Er war in jüngster Zeit bei Friedhofs-Terminen mit dabei. Arlt könnte sich eine etwas friedlichere Gestaltung der Aussegnungshalle durchaus gut vorstellen. Kirchenpflegerin Gabi Borst hätte zumindest keine Probleme, wenn der Mahner einen anderen Standort in der Halle bekäme. Ihr Eindruck ist, dass die Figur zum Betrachten eigentlich mehr Distanz benötigt.

Der Mahner steht seit 1976 in der Aussegnungshalle. Im Stadtarchiv finden sich Unterlagen darüber. Die Anschaffung wurde demnach auch deshalb möglich, weil Pater Thomas Beckmann Spenden dafür gesammelt haben soll, ist aus alten Zeitungsberichten der Münnerstädter Zeitung zu erfahren. Die Münnerstädter kannten den Mahner bereits aus einer Kunstausstellung ein Jahr zuvor. Prof. Gottfried Albert, geboren 1904 in Münnerstadt, war ein anerkannter Künstler; für sein Werk hat er mehrere Auszeichnungen erhalten. In Münnerstadt stammt die Kreuzigungsgruppe im Tal von ihm, außerdem schuf er 1930/31 zwei Bronzebildwerke für die Stadtpfarrkirche. Vor 25 Jahren ist Albert in seiner Wahlheimat Feldkirchen verstorben.