Wenn Karl Schwarz, der Vorsitzende der Bund Naturschutz-Ortsgruppe von der Natur im östlichen Landkreis Bad Kissingen erzählt, kommt er schnell ins Schwärmen. "Man kann tolle Sachen entdecken", betont Schwarz. Besonders artenreich sind die Muschelkalk-Gebiete, erläutert er. Doch auch die Keuper-Gebiete um Großwenkheim bieten seiner Auskunft nach einiges. Diese Vielfalt auf geografisch engem Raum beeindruckt ihn.

Derzeit ist es die Diptamblüte, die die Naturfreunde in die Wälder zieht. Das besondere am Diptam: Niemand kann genau sagen, weshalb er an der einen Stelle stark verbreitet ist und anderswo gar nicht wächst. Das rosablühende Gewächs ist mittlerweile auch durchaus ein touristischer Anziehungspunkt, weiß der Münnerstädter Museumsleiter Nicolas Zenzen. Im städtischen Tourismusbüro kommen zu dieser Jahreszeit häufig Anrufe, die sich nach der Blüte erkundigen. Dafür werden auch längere Anfahrtszeiten in Kauf genommen. Zwar sei die Kultur noch immer für Münnerstadt der wesentliche Faktor, doch Natur, Wandern und Fahrradfahren gewännen an Bedeutung, glaubt Zenzen.

Pflege für den Magerrasen

Fachleute wissen um besonderen Blüten, die in der Region wachsen, meint Karl Schwarz. Wenn er allerdings in manchen Garten schaut, glaubt er nicht, dass dieses Bewusstsein für die Natur überall in der Bevölkerung ausreichend vorhanden ist.

Besonders artenreich sind nach Informationen von Karl Schwarz die Magerrasen-Standorte, die in früheren Zeiten über die extensive Schafbeweidung entstanden sind. Wo diese heute nicht mehr gepflegt werden, gehe diese Vielfalt aber verloren. Deshalb sei die Pflege, wenn auch aufwendig, so wichtig, meint Karl Schwarz.

Aber auch in den Wäldern gibt es Interessantes zu entdecken. Bis vor kurzem war vor allem der Aronstab gut zu sehen, ein für Karl Schwarz besonders spezielles und faszinierendes Gewächs, das Insekten über seinen duftenden Blütenkolben anlockt und erst wieder frei gibt, wenn eine Bestäubung stattgefunden hat.

Oder es findet sich der Türkenbund. Es ist eine Lilienart, von der gerade erst die Knospen zu sehen sind, wenn diese nicht von Rehen angeknabbert werden. Karl Schwarz hat gelesen, Rehböcken schmecke das Gewächs, weil es eine aphrodisierende Wirkung habe. Ob es stimmt, weiß er allerdings nicht. Aber auch das Lilienhähnchen, ein leuchtend rotes winziges Insekt, tut sich am Türkenbund gütlich.

Auch Orchideen gibt es in den Wäldern und auf den Wiesen und Hängen des Lauertals. Karl Schwarz hat zusammen mit anderen Botanikern die Beobachtung gemacht, dass diese sogar eher zunehmen. Vielleicht mache sich hier der Klimawandel bemerkbar, vermutet Karl Schwarz, weil eher wärmeliebende und attraktive Arten sich auch hier ausbreiten.Er nennt als Beispiele die Hummel- und die Spinnenragwurz.

Wie vielfältig die Natur im östlichen Landkreis ist, erlebt Karl Schwarz aber bereits beim Gang durch seinen Garten. Auf seiner rund 2000 Quadratmeter großen Fläche hat er in diesem Jahr schon jede Menge Schmetterlingsarten bestimmt. "Das ist toll", sagt er.

Ackerwildkräuter schwinden

Doch bei aller Begeisterung: Auch in der Region gibt es Grund zur Sorge. Die Ackerwildkräuter werden weniger, bedauert Karl Schwarz. Das sieht er mit Sorge.