23 Jahre lang vertrat Robert Kiesel als CSU-Abgeordneter den Wahlkreis Bad Kissingen im Landtag in München. Nun konnte Eugen Albert ihn im Erzählcafé im Juliusspital begrüßen. "Ein prominenter Gast aus der Politik. Ein interessantes Leben vom Landwirt zum Landtagsabgeordneten" , sagte er bei der Vorstellung von Robert Kiesel.

Der erzählte, dass er am 11. September 1951 in Reiterswiesen geboren wurde. Seine Eltern hatten eine Landwirtschaft, und das prägte ihn auch. Ab 1957 besuchte er die Volksschule. "In erster Zeit hat mich das nicht so interessiert, was mit den Noten war", gestand er, aber das habe sich dann geändert. Der Hauptlehrer wollte, dass er in die Oberschule geht oder wenigstens in die Mittelschule (so hieß früher die Realschule), aber seine Eltern hielten davon nichts, schließlich sollte er einmal den Hof übernehmen. Nach der Schule lernte er deshalb die Landwirtschaft von der Pike auf, besuchte die Landwirtschaftsschule in Münnerstadt, eine Berufsfachschule und machte auch die Meisterprüfung.

"Ich habe gelernt, dass ich mich weiterbilden muss und habe das immer konsequent gemacht. Ich mache das zum Teil heute noch, damit ich auf der Höhe der Zeit bleibe" , erklärte Rotber Kiesel. . In der Schule sei er auch durch Streiche aufgefallen. Doch man nahm ihm das offenbar nicht sonderlich übel, denn es hieß "der Kiesel ist nicht böse, der hat nur zu viel Energie."

"Der Ackerbau hat mich interessiert", erklärte Kiesel, deshalb meldete er sich für die höhere Landbauschule an. Doch daraus wurde nichts, denn sein Vater wurde krank und er musste den Hof übernehmen. Deshalb wurde er, da er noch keine 21 Jahre alt war, schon vorzeitig für volljährig erklärt - "über Nacht wurde ich erwachsen."

1972 übernahm er zusätzlich eine Versicherungsagentur. Dadurch bekam er Kontakt zu vielen Menschen, denn er kassierte die Beiträge und schloss neue Verträge ab. Er wurde Obmann des Bauernverbandes."Die Ehrenämter haben immer mehr zugenommen" sagte er. So war er 24 Jahre lang Vorsitzender der Rapserzeugergemeinschaft Unterfranken, war Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse, Kreisvorsitzender des Roten Kreuzes, um nur einige seiner Ämter und Posten zu nennen. Er wusste "wenn man etwas verändern will, muss man sich einbringen."

Robert Kiesel war auch in der Politik aktiv. Seit 1974 ist er Mitglied der CSU, war Kreisvorsitzender seiner Partei, Bezirksvorsitzender und stellvertretender Landesvorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft. Schon 1990 bis 1991 war er Mitglied des Kreistages und ist es seit 1996 wieder. 1981 wurde er der jüngste ehrenamtliche Richter beim Finanzgericht in Nürnberg.

Besonders hat sich Robert Kiesel einen Namen als Abgeordneter im bayerischen Landtag gemacht, dem er 23 Jahre lang angehörte. Bei der Landtagswahl am 16. Mai 1986 hatte er keinen eigenen Wahlkreis, sondern kandidierte auf der Liste auf Platz vier und wurde damit erster Nachrücker. Als der Bad Kissinger CSU-Landtagsabgeordnete Herbert Neder am 1. Mai 1990 das Amt des Landrates übernahm und deshalb sein Mandat in München aufgeben musste, rückte Robert Kiesel in den Landtag nach.

Kurze Zeit später, am 14. Oktober 1990, waren schon Landtagswahlen. "Wenn ich den Stimmkreis nicht kriege an war's das mit der Politik", das sei ihm bewusst gewesen. Die Nominierungskonferenz, bei der der CSU-Landtagskandidat gekürt wurde, ist ihm sehr lebhaft im Gedächtnis geblieben: "Es gab eine zweistündige Personaldiskussion, ich habe eine Packung Reval auf Lunge geraucht." Schließlich hatte er 27 Stimmen Vorsprung vor seinem Konkurrenten. Die Landtagswahl wenige Wochen später gewann er mit einem sehr respektablen Ergebnis. In späteren Landtagswahlen erzielte er Traum-Ergebnisse bis zu knapp 70 Prozent. Er gehörte unter anderem dem Haushaltsausschuss, der als wichtigster Ausschuss des Parlaments gilt, an. Auch im Sozialausschuss arbeitete er mit.

Nach höheren Weihen, einem Minister- oder Staatssekretärsposten, hab er aber nie gestrebt. Er wirkte lieber im HIntergrund. Und er blieb auch als Landtagsabgeordneter der Landwirtschaft treu, "damit bin ich auf dem Boden geblieben. Damit sieht man als Politiker manches anders, als wenn man damit nichts zu tun hat".

Er erzählte, dass er schon 1978 den damaligen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß kennengelernt hat - "wir haben eine Stunde lang diskutiert und uns gut verstanden", auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren. Zwei Jahre später bot Strauß ihm das "Du" an.

Kiesel betonte im Erzählcafé, dass er sich als Landespolitiker für die A 71 starkgemacht hat, ebenso wie für das Luitpoldbad als Behördenzentrum, die Sanierung des Regentenbaus und den Hochwasserschutz. Bei den Landtagswahlen 2013 trat er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an. Sein Nachfolger wurde Sandro Kirchner.