Seit 25 Jahren wächst die Plakate-Sammlung des Stadtarchives stetig. Solange schon trägt Stadtarchivar Klaus-Dieter Guhling konsequent alle Aushänge zusammen, die im Rathaus oder im Deutschordensschloss aufgehängt werden. Die Sammlung ist mittlerweile ein buntes Kaleidoskop der jüngsten Werbegeschichte in der gesamten Region. Denn es sind nicht nur Münnerstädter Plakate, die sich in dieser Sammlung finden. Sie stammen aus dem Umland - von Südthüringen bis nach Schweinfurt und teilweise sogar darüber hinaus.

Als Klaus-Dieter Guhling 1988 die Stelle des Stadtarchivars angetreten hat, begann er auch mit dem Sammeln. Aus früheren Jahren gibt es deshalb deutlich weniger alte Werbetransparente. Das bedauert Guhling ein bisschen. Aber immer wieder bekommt er auch ältere Stücke ins Archiv.

Das wohl älteste dürfte aus dem Jahr 1928 sein, schätzt Klaus-Dieter Guhling. Es wirbt für das Heimatspiel. Ein Datum ist nicht aufgedruckt. Guhling hat dieses Plakat erst vor kurzem in einem Nachlass entdeckt. Das Papier ist dünn, fast zerbrechlich. "Es waren damals schlechte Zeiten", erklärt Guhling. Das merke man auch an der Papierqualität.

Ein anderes Plakat stammt aus dem Jahr 1934. Darauf werden die städtischen Märkte aufgezählt. Die meisten von ihnen gibt es heute nicht mehr. Wer weiß noch, dass es in Münnerstadt einst einen Neujahrs-, Matthias-, Peter- und Paul- sowie einen Allerseelenmarkt gegeben hat? Dank dieses städtischen Aushangs bleibt dieses Stück Alltagsgeschichte im Archiv erhalten.

Im Rathaus und bei Kultourismus ist bekannt, dass Klaus-Dieter Guhling die Aushänge sammelt. Von dort bekommt er die meisten Plakate. Doch es sind auch Privatleute, die ihm immer wieder ihre persönliche Sammlung überlassen.

Noch keine Zeit für Analyse

Von Hartmut Hessel erhielt Klaus-Dieter Guhling die Ankündigungen der ehemaligen Galerie am Markt 11. Plakate früherer Kommunalwahlen hat er von den Parteien bekommen. Wahlkampfplakate, mit denen sich Münnerstädter um das Bürgermeisteramt beworben haben, sind darunter, so auch Ferdl Betzers erstes Plakat 1972 oder die von Gerd Müller, Hartmut Hessel, Bruno Eckert oder Eugen Albert. Bürgermeister Helmut Blanks Wahlplakat von 2008 fehlt allerdings in der Sammlung, meint Guhling. Die CSU habe ihm das nicht gebracht.

Klaus-Dieter Guhling findet, dass die Werbeträger auf jeden Fall in ein Stadtarchiv gehören. "Ein Plakat ist ein Zeitdokument", sagt der pensionierte Lehrer. Die Aushänge würden auf ein besonderes Ereignis in der Stadt oder der Region hinweisen, erklärt Guhling. "Es ist ein Medium der Bekanntmachung und damit Teil des Lebens in unserer Stadt", erklärt der Stadtarchivar. Noch kann Klaus-Dieter Guhling nicht sagen, ob die neuen Medien auch Einfluss auf die Verbreitung von Plakaten haben. Eigentlich sei ihm noch kein Unterschied aufgefallen, meint er. "Eine Tendenz ist mir nicht bewusst", meint er. Allerdings habe er sich mit diesem Thema auch zu wenig beschäftigt. Für eine Analyse seiner Sammlung hatte er bislang keine Zeit. Dankbar ist Klaus-Dieter Guhling dafür, dass Roman Jonas und Toni Hiller sich zur Aufgabe gemacht haben, die Sammlung in ehrenamtlicher Arbeit systematisch zu archivieren. Er habe die Plakate nur zusammengetragen, meint Guhling. Jetzt werden sie im Computer inventarisiert. Es ist eine aufwendige Arbeit.

Roman Jonas hat rund 1000 Plakate erfasst. Dabei sind es nur die Werbeträger im Format Din A2, die bislang im Computer aufgeführt sind. Dort werden sie in Themengruppen, Kultur, Sport, Politik aufgegliedert und nach Ortschaften geordnet. Jedes Plakat bekommt eine Kurzbeschreibung. Die Systematik ist nicht einfach. Schließlich soll jedes einzelne Sammlerstück auch wieder schnell zu finden sein. Dabei hilft moderne Computertechnik. Obgleich oftmals die Jahreszahl auf den Plakaten fehlt, konnten 70 von 100 Plakaten zugeordnet werden. Die Veranstaltungsdaten wurden mit Wochentag und Datum eingegeben. Der Computer ermittelt dann in den meisten Fällen die Jahreszahl.

Nachfragen gibt es immer wieder, weiß Roman Jonas, beispielsweise wenn Vereine ein Jubiläum feiern und eine Chronik herausbringen wollen. Roman Jonas gefallen die Plakate. "Manche sind richtige Kunstdrucke", betont er. Rund 50 gibt es davon.

Klaus-Dieter Guhling sammelt weiter Plakate für das Stadtarchiv. Besonders freut er sich, wenn wieder einmal ein älteres Stück die Sammlung ergänzt. Deshalb ist er auch dankbar, wenn er von der Bevölkerung Unterstützung bekommt. Wer bei privaten Entrümpelungsaktionen ein Plakat findet, soll es nicht wegwerfen, sondern an Klaus-Dieter Guhling geben. Er ist dankbar für jede Ergänzung.

Alle Plakate im DIN A2-Format sind erfasst. Es sind etwa 1000 Stück. Mindestens nochmal so viele gibt es in anderen Formaten, von A4 bis A0. Von den bislang erfassten Plakaten stammen zirka 300 Stück aus Münnerstadt, 50 aus den Ortsteilen und zirka 250 Stück aus Orten des Landkreises. Weitere Plakate gibt es aus Rhön-Grabfeld, Schweinfurt, Würzburg, Meiningen, Bamberg, Rothenburg, Vierzehnheiligen, Miltenberg, Bauerbach oder München. Das älteste Plakat stammt von 1928, einzelne kommen aus der Zeit zwischen 1934 bis 1957. Die Mehrzahl stammt aus den Jahren 1973 bis 2013.