Sich eine kurze Auszeit nehmen, und wenn es nur für eine knappe Woche ist - wer wünscht sich das nicht? Die Piloten des Flugsportvereins Grabfeld aus Saal an der Saale nehmen sich seit einigen Jahren einmal im Jahr diese kurze "Auszeit" und fliegen, im wahrsten Sinne des Wortes, dem Alltagstress davon.

Sechs Tage lang waren sie nun wieder unterwegs: Peter Volz, Christian Schön, Wolfgang Feller und Norbert Krämer mit den vereinseigenen Motorseglern. Wie jedes Jahr stießen die Fliegerkameraden Herman Deutschenbaur und Alois Zöllner aus Peißenberg dazu. Diesmal herrschten, wie Peter Volz und Christian Schön einstimmig sagten, "bombastischen Flugbedingungen, eine hervorragenden Sicht und kaum Turbulenzen." Wir fliegen immer dahin, wo das beste Wetter prognostiziert wird, so ergab sich diese Flugroute."

Vom Flugplatz Saal an der Saale ging es zunächst in Richtung Osnabrück zum Flugplatz "Damme" zur ersten Betankung und Kaffeepause. Zur ersten Übernachtung ging es dann weiter auf den Flugplatz "Bohlenbergerfeld" nahe Wilhelmshaven. Am nächsten Tag führte der Flug über die ostfriesischen Inseln nach Heide-Büsum, wo der zweite Tankstopp eingelegt wurde, bevor es zur zweiten Übernachtung nach Flensburg weiterging. Auf dieser Route hatte man einen atemberaubenden Ausblick auf das Festland der Nordseeküste und all den Inseln. Am dritten Tag ging es dann über Dänemark, der Öresundbrücke, weiter über "Fehmarn" zum Timmendorfer Strand mit Abschlusslandung auf der Insel Rügen.

Mit dem Taxi fuhren die Teilnehmer dann nach Stralsund. Hier war wieder eine Übernachtung eingeplant und natürlich blieb genügend Zeit, um die Kameradschaft zu pflegen und Stralsund unter die Lupe zu nehmen.

"Es war einfach herrlich", schwärmt Fluglehrer Christian Schön, als er mit Peter Volz die Erinnerungen austauschte. In Peenemünde stand eine Besichtigung der einstigen Heeresversuchsanstalt aus der Zeit des "Dritten Reiches" an. Hier entwickelte Wernher von Brauns die V2. Aggregat 4 (A4) war die Typenbezeichnung der im Jahr 1942 weltweit ersten funktionsfähigen Großrakete mit Flüssigkeitstriebwerk. Sie war als ballistische Artillerie-Rakete großer Reichweite konzipiert und das erste von Menschen konstruierte Objekt, das mehr als 100 Kilometer Höhe durchstieß. Von daher gilt Peenemünde als "Wiege der Raumfahrt". Im Historisch-Technischen Museum Peenemünde gab es ausführliche Informationen.

Auf dem Flugplan stand auch Görlitz, wo die Teilnehmer übernachteten. Am vorletzten Tag ging es nach einem 50-minütigem Flug weiter nach Prag, wo die letzte Übernachtung auf dieser Reise war. Hier besichtigten die Teilnehmer die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Am nächsten Morgen ging es dann in Richtung Heimat. Über 15 Stunden an den sechs Tagen waren die Teilnehmer in der Luft, wobei sie eine Strecke von rund 2100 Kilometern zurücklegten und in Höhen bis zu 1500 Meter flogen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit pendelte sich bei etwa 140 Stundenkilometer ein. An den sechs Tagen waren sie durchschnittlich 2,5 Stunden in der Luft, aber "wir hatten an den Abenden Zeit, miteinander zu reden und auch vieles gemeinsam zu unternehmen".