Die Bevölkerungszahl in Münnerstadt nimmt ab, dafür wächst die Zahl der Grünflächen. Das ist auf der einen Seite schön, findet Umweltreferent Klaus Schebler, auf der anderen Seite wird dies zunehmend zum Problem. Schebler ist der Überzeugung, dass diese Fülle mit dem Personalstamm im Bauhof nicht mehr zu stemmen ist. Er hat einmal begonnen, die Anlagen zu zählen und ist auf 450 städtische Grünflächen, vom Park bis zum kleinen Pflanzbeet, gekommen. Dann hat er abgebrochen. Er schätzt, dass es insgesamt mindestens 600 sind. Alleine in Reichenbach ist er auf 50 Grünflächen gekommen. Und es kommen jährlich neue hinzu, wie jetzt in Wermerichshausen und in Seubrigshausen.
Er fordert deshalb in einem Brief an den Bürgermeister, dass zwischen April und Ende Oktober zusätzliche Mitarbeiter für das Gärtnerteam im Bauhof gesucht werden. Denn bei Schebler häufen sich die Beschwerden über Wildwuchs im ganzen Stadtgebiet. Für Schebler wäre die Einstellung von weiteren Mitarbeitern ein "gut investiertes Geld" . Klaus Schebler findet wichtig, dass vorhandene Grünflächen ordentlich aussehen. Sie seien eine Visitenkarte für einen Ort.


Weniger Mithilfe

Problem ist seiner Meinung nach, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung sinkt, Beete vor dem eigenen Haus mitzupflegen. Das liege teilweise an der Altersstruktur, aber auch daran, dass die Bevölkerung oft nicht mitgenommen wird bei der Frage, wie eine Bepflanzung vor dem Haus aussehen soll. "Es ist mein Wunsch für die Zukunft, dass die Wünsche der Bürger besser respektiert werden", so Schebler.
In der Stadt Münnerstadt sind die Probleme bekannt. Wie sie zu lösen sind, das weiß Bürgermeister Helmut Blank derzeit noch nicht. Die Stadt habe saisonal 450-Euro-Kräfte fürs städtische Grün-Team gesucht. Nur gemeldet habe sich niemand. Blank bestätigt, dass sich gerade viele ältere Mitbürger, die über Jahre Grünanlagen gepflegt haben, aus Altersgründen zurückziehen. Gleichzeitig wachsen seiner Meinung nach die Ansprüche in der Bevölkerung.
"Man kommt nicht mehr durch", sagt Stefan Sluzar, der Leiter des Bauhofs. Momentan sind die Mitarbeiter vor allem mit der Bewässerung der zahllosen, bepflanzten Grünflächen beschäftigt. In Wermerichshausen wurde jetzt, mitten in der heißesten und trockensten Phase des Jahres, auch noch die Bepflanzung der neuen Beete vorgenommen, die entlang der Ortsdurchfahrt entstanden sind. Diese Sträucher haben besonders viel Durst.


Handarbeit statt Chemie

Wermerichshausen gehört dabei zu den Ortsteilen mit einer funktionierenden ehrenamtlichen Grün-Truppe. Doch Elisabeth Lenhardt, dort seit Jahrzehnten in der Ortsverschönerung tätig, hatte erst in dieser Woche erklärt, dass zusätzliche Pflegearbeiten von ihrer Seite auch aus Altersgründen nicht mehr übernommen werden können.
Aufwendiger ist die Grünanlagenpflege teilweise auch deshalb geworden, weil die Stadt seit einigen Jahren auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln verzichtet. Dieser Schritt erfordert mehr Handarbeit. Stefan Sluzar nennt als Beispiel die Wege entlang der Stadtmauer.
Pflegeleichtere Wildblumen auf innerstädtischen Beeten auszusäen, könnte sich Klaus Schebler vorstellen. Zwar sei nicht jede Anlage dafür geeignet, aber teilweise wäre es machbar, auch im Sinne der Natur. Ganz ohne Pflege gehe es aber auch da nicht, gibt Schebler zu Bedenken. Steinbeete sind für ihn die schlechteste Alternative.
Immer wieder sieht sich der Bautrupp in der Kritik. Auf der einen Seite steht das Anspruchsdenken aus der Bürgerschaft, auf der anderen Seite die seit der Stadtratssitzung vom 16. Juli öffentlich im Raum stehende Frage, ob das Personal nicht doch freie Kapazitäten habe. Bürgermeister Helmut Blank sagt dazu: "Meine Leute in Bauhof und der Verwaltung arbeiten über Gebühr."
Blank teilt mit, dass die Stadt nun einen Organisations- und Stellenplan für den Bauhof beim kommunalen Prüfungsverband in Auftrag gegeben hat. Anhand der Stadtfläche, der Ortsstraßen und aller zu betreuenden Anlagen und deren Pflegebedarf wird ein Stellenplan ermittelt. Teil des Planes ist auch die personenbezogene Gehaltsgruppierung. Für die Stadtverwaltung selbst gibt es nach Auskunft Helmut Blanks einen solchen Plan bereits seit 2011.
Die Frage, was passiert, wenn der kommunale Prüfungsverband zu dem Ergebnis kommt, dass mit dem Personalstand die Grünanlagenpflege nicht zu packen ist, wird von Helmut Blank schnell beantwortet. Es gibt zwei Möglichkeiten: Man könne das Anforderungsprofil nach unten schrauben, heißt weniger Pflege, oder das Anforderungsprofil bleibt und es werden neue Stellen ausgeschrieben.