Eine sehr besinnliche Stunde bot Regionalkantor Peter Rottmann am Sonntagnachmittag in der Münnerstädter Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena. Wie er selbst als Intro in das Konzert erklärte, sei das noch ein österliches Orgelkonzert. Die Orgel habe die Winterpause gut überstanden "und ich auch", so dass beide nun bester Stimmung seien.

Der Weg von vom Sprechpult zum Tastenpult ist in dieser Kirche kein kurzer, und so konnten die gut 100 Besucher sich mit dem Programm beschäftigen, bzw. mit dem was Peter Rottmann zu den einzelnen Komponisten mit auf den Weg gegeben hatte. Das Thema hätte ganz gut auch zu Europa gepasst. Der Europatag (5. Mai) war gerade vorbei und die Wahlen zum europäischen Parlament stehen bevor (26.Mai). Rottmanns Auswahl huldigte diesmal hauptsächlich den Franzosen, die es in der europäischen Orgelwelt in der Vergangenheit sehr weit gebracht haben.

Gewürzt wurden die fanfaren- und posaunenträchtigen Stücke von einem Österreicher, der kaum als Orgelkomponist aufgefallen war und doch - ziemlich sicher des Geldverdienens wegen - in den letzten Monaten seines zu kurzen Lebens Jahrmarktmusik als Auftragsarbeit komponierte.

Quasi als Bindeglied konnte Organist Peter Rottmann einen Liechtensteiner und einen noch lebenden Belgier in die Konzertfolge einbauen. Der eine feierte im königlichen München seine Erfolge als Professor und Komponist und geriet nach seinem Tod in Vergessenheit. Der andere kommt aus Antwerpen und hat sich hauptsächlich als Lehrer und Komponist in seinem Land bekannt gemacht.

Und dann - es geht einfach nicht anders - ist da noch das deutsche Aushängeschild barocker, kirchlicher Orgeltöne, einer der Sachsens Botschafter auf Ewigkeit sein wird. Johann Sebastian Bach (1685 - 1750) kann mit seinen Kompositionen Kirchenmauern zum Wanken bringen, doch Peter Rottmann fand noch den anderen Bach, bewusst mitten in die Konzertfolge gesetzt mit Liedern aus dem "Orgelbüchlein" . "Erstanden ist der hl.Christ" , "Erschienen ist der herrliche Tag" und "Heut triumphiertet Gottes Sohn" ließen die Sinne baumeln, nachdem drei frankophone Komponisten so ein wenig "Marseilles" Stimmung in das Kirchenschiff gebracht hatten.

Denis Bedard (* 1950) ist Frankokanadier, also aus Quebec stammend. Sein musikalischer Lebensweg hielt ihn hauptsächlich in Kanada fest. Seit achtzehn Jahren ist er Organist an der Westküste in Vancouver. Peter Rottmann spielte von ihm die "Prélude et Toccata". Aus der lateinischen Dichtung "Victimae Paschali Laudes". Ein klassischer Einstand im Konzertbogen am Muttertag.

Etwas schwieriger zu verdauen war die Komposition des Belgiers Paul Barras (*1925). Ein ausgewiesener moderner Klangteppich mit der Vertonung aus dem biblischen Korintherbrief musste von den Zuhörern erst in die persönlichen Hörgewohnheiten eingeordnet werden.

Von Alexandre Boély (1785 - 1858) waren die musikalischen Ostergrüße, die dieser in seiner "offertoire pour le jour de Páques" an die "Söhne und Töchter" richtete. Ein Muttertagsgeschenk ganz eigener Art, Strenge und Leichtigkeit gepaart mit Einfühlung in den jeweiligen Moment. Man war im Orgelerlebnis wieder bei sich.

Charles Tournemire (1870 - 1939) war mit einer Choral- Improvisation das Einstiegsstückes vertreten und dann folgte der "späte" Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) mit seiner Fantasie f-Moll, die er für den Schausteller Graf Deym schrieb. Der mozartsche Duktus war auch durch die Orgel immer präsent.

Bleiben noch Josef Gabriel Rheinsberger (1839 - 1901), der Professor aus München , dessen "Abendfriede" sonst auch als Chorwerk bekannt ist, sowie Jean Langlais (1907 - 1991). Dieser sehr experimentierfreudige Universalkomponist hinterließ ein umfangreiches Werk in denen er Stile vervollkommnete, beziehungsweise auch neue Elemente in die traditionelle Orgelmusik einflocht. Er galt als herausragende Musikerpersönlichkeit im Frankreich des 20. Jahrhunderts. Mit der "Incantanation pour jour Saint" verabschiedete Peter Rottmann seine Gäste aus der österlichen Konzertreihe.