Nach neunjähriger Planungszeit soll es Ende April endlich mit der Sanierung der Münnerstädter Stadtpfarrkirche losgehen. Stadtpfarrer P. Markus Reis hat positive Signale von der Diözese und vom zuständigen Architekten für den ersten Bauabschnitt erhalten. Trotzdem zeigt sich P. Markus immer noch vorsichtig optimistische. "Solange der erste Bauarbeiter nicht in der Kirche steht, hat die Sanierung noch nicht angefangen". Der Ortsgeistliche weiß, wovon er spricht. Denn schon zu oft in der langen Planungsphase hat es aus unterschiedlichsten Gründen Verzögerungen gegeben.

Balken drücken auf die Außenmauer

Trotzdem betont er: "Jetzt wird es ernst". Der erste Bauabschnitt umfasst die statische Sicherung des nördlichen Dachstuhls. Dort drücken Balken auf die Außenmauer des Kirchenschiffs, so dass sich auf der Nordseite bereits eine auch für Laien sichtbare Beule im Mauerwerk gebildet hat. Große Aufmerksamkeit wird der anstehenden Restaurierung der historischen Kirchenfenster geschenkt.

Die Arbeiten werden ab dem Frühjahr schnell sichtbare Veränderungen in der Kirche bewirken, kündigt der Pfarrer an. So können die wertvollen Riemenschneiderfiguren des Hochaltars nicht in der Kirche bleiben.

Sicher ist bereits, dass diese sowie die Veit-Stoß-Tafeln ausgelagert werden müssen. Es gibt nach Auskunft des Seelsorgers bereits eine Vereinbarung mit dem Diözesanmuseum in Würzburg. Das erwäge auch eine Sonderausstellung mit den Münnerstädter Exponaten, ebenso das bayerische Nationalmuseum in München.

Die historischen Zunftstangen werden aller Voraussicht nach im Münnerstädter Hennebergmuseum sicher zwischen gelagert. Es habe bereits Gespräche mit Museumsleiter Nicolas Zenzen gegeben, so P. Markus. Auch das örtliche Museum erwägt nach Angaben des Stadtpfarrers eine Sonderausstellung.

Erster Bauabschnitt soll 820.000 Euro kosten

Ob für die Restaurierung der Kirchenfenster auch das Gesprenge des Riemenschneideraltars abgebaut werden muss, sei noch offen. Auf jeden Fall wird der Chor für die Dauer dieser Arbeiten teilweise vom restlichen Kirchenraum abgetrennt. 820.000 Euro wird der erste Bauabschnitt kosten.

Auswirkungen hat die Kirchensanierung ab dem Frühjahr auch auf die Gottesdienste. Wegen der dann laufenden Bauarbeiten sind Werktagsgottesdienste oder Beerdigungen im Gotteshaus nicht mehr möglich. P. Markus hofft, dass für die eher weniger besuchten Werktagsgottesdienste die Kapelle des Juliusspitals ausreicht. Mit seinem Orden will P. Markus noch verhandeln, dass Trauergottesdienste ab Ende April in der Klosterkirche möglich sind.

Sonntagsgottesdienste, Kommunion und Firmung in der Kirche

Die Sonntagsgottesdienste jedoch sollen während des 1. Bauabschnittes weiterhin in der Stadtpfarrkirche stattfinden. Auch Kommunion und Firmung werden in diesem Jahr dort gefeiert, teilt P. Markus Reis mit.

Architekt Christian Teichmann vom Planungsbüro Krellmann, Kriebel und Teichmann in Würzburg erläutert, dass derzeit die Ausschreibungen für die Dachsanierung und die Fensterrestaurierung in Vorbereitung sind. Er zeigt sich optimistisch, dass trotz des derzeitigen Baubooms Firmen Interesse haben an diesem Auftrag, da es sich um eine repräsentative und nicht alltägliche Maßnahme handelt.

Für die Arbeiten am nördlichen Dachstuhl wird unter anderem der Aufbau eines Gerüstdaches ausgeschrieben, erläutert Christian Teichmann. Dieses Dach über dem Dach ermöglicht, dass das Kirchendach in diesem Bereich für die Sanierungsarbeiten komplett abgedeckt werden kann und trotzdem vor Regen und sonstigen Witterungseinflüssen geschützt ist. Christian Teichmann geht weiter davon aus, dass im Kirchenraum zwischen Ostern und Pfingsten mit dem Gerüstbau für die Kirchenfenster begonnen wird. Deren Restaurierung wird sich in das Jahr 2020 fortsetzen, so die Information des Architekten.

Liturgische Neuordnung

Bereits im März 2019 soll eine erste Weichenstellung für die liturgische Neuordnung der Stadtpfarrkirche fallen, die in einem weiteren Bauabschnitt folgen wird. Mitte März werden verschiedene Künstler zu einem Künstlerkolloquium zusammen kommen. Die Künstler sollen in der Folge jeweils einen Vorschlag für eine Neugestaltung abgeben. Die Pfarrgemeinde entscheidet danach, welche Idee sie umsetzen möchte.