Wo das Stadtjubiläum 1250 Jahre Münnerstadt im kommenden Jahr stattfinden soll, hat in jüngster Zeit für einige Diskussionen gesorgt. Zwar lautet der Beschluss momentan noch anders, aber es zeichnet sich die Altstadt als Veranstaltungsort ab. Im Jahr 1970 hatten die Münnerstädter die 1200 Jahre ihrer ersten urkundlichen Erwähnung zum Teil in der Stadt gefeiert. Ein großes Festzelt stand auf dem Festplatz (heute Edeka). Später entwickelte die Gruppe "Akzente" Musik und Märkte und die Sommerspektakel, die Tausende Gäste in die Stadt lockten. Ganz vorne dran bei diesen Aktionen stand der spätere Zweite Bürgermeister und Kulturreferent Hartmut Hessel. Unsere Zeitung fragte ihn, wo er das Stadtjubiläum 2020 sieht.

Hartmut Hessel hat sich erst kürzlich mit dem Vorsitzendend es Gewerbevereins "Kaufhaus" Mürscht, Arno Reuscher, über das Thema unterhalten. "Und wir waren beide der Meinung, das Rad in Münnerstadt in Sachen Altstadt und Kultur muss man nicht neu erfinden." Er erinnert auch an den Verkauf des Festplatzes vor einigen Jahren, an dem er selbst noch als Stadtrat beteiligt war. "Bei der Debatte um die Nutzung waren wir der Meinung, dass wir die Altstadt haben und keinen Festplatz brauchen."

Bei den Feierlichkeiten im Jahr 1970 war Hartmut Hessel 20 Jahre alt und hat rege die verschiedenen Veranstaltungen besucht. "Am nachhaltigsten bis heute ist mir der erste Serenadenabend im Schlosshof in Erinnerung geblieben." Und das sagt ein ausgewiesener Rock-Fan. Er erinnert daran, dass sämtliche Veranstaltungen in der Altstadt stattfanden, obwohl es bis 1990 keine Entlastungsstraße gab, der Verkehr also jedes Mal über die Krankenhausstraße und Gymnasiumstraße geleitet werden musste.

Die meisten Feste wurde auf dem Marktplatz gefeiert. "Der Anger diente - abgesehen von den Aufführungen des Heimatspiels - bis in die 1970er Jahre immer nur als Viehmarkt. Er ist als Veranstaltungsort verkannt worden." In den Blickpunkt rückte der zentrale Platz im Jahr 1986 beim zweiten Sommerspektakel. Dort stand die mit Abstand größte der insgesamt sechs Bühnen im Stadtgebiet. "Man kann auch große Bands auf den Anger bringen, 5000 bis 6000 Leute sind kein Problem", findet er. "Wenn man Eintritt nehmen muss, lässt sich der Anger hervorragend absperren."

Bei den Sommerspektakeln in den Jahren 1983, '86 und '89 habe man ausgetestet, inwieweit die Altstadt als Festgelände geeignet ist. "Und es hat drei Mal funktioniert", betont Hartmut Hessel, 1986 waren sechs Bühnen verteilt im Stadtgebiet aufgestellt. Damit es funktioniert gibt er einen Tipp: "So ein Fest muss weg von der Tagespolitik." Denn er ist überzeugt: "Jeder im Stadtrat hat bestimmt eine gute Idee, aber das Gremium ist völlig ungeeignet , so ein Fest auf den Weg zu bringen. Und es ist auch nicht die Aufgabe des Stadtrats." Dafür gebe es ja den Kulturmanager Nicolas Zenzen und den Stadtmanager Kilian Düring. "Ich hoffe, dass die Beiden möglichst unabhängig ihre kulturelle Arbeit leisten können", betont Hartmut Hessel.

Zum Umschwenken des Stadtrats vom Sportzentrum zur Altstadt als Veranstaltungsort meint der frühere Zweite Bürgermeister, dass man ja auch einmal eine Entscheidung zurücknehmen könne. "Ich bin froh, dass sie sich eines Besseren belehren lassen." So etwas passiere, wenn Teile öffentlich behandelt werden, andere Teile nicht. "Dann fragen sich die Leute, wie solche Entscheidungen zustande kommen", meint er. "Gute Kulturarbeit lebt von der Transparenz."

Hartmut Hessel erinnert an die Veranstaltungsreihen, die im Nachgang der 1200-Jahrfeier 1970 entstanden sind. Er hofft, dass als Ergebnis des Stadtjubiläums 2020 auch Veranstaltungen entstehen und das Neue nachhaltig weitergeführt wird. "Und man darf die Jugend nicht vergessen, man muss die jungen Leute von heute mit ihren Interessen einbinden." Die Organisationsform eines solchen Festes sei eigentlich egal. "So lange sich die Kommunalpolitik auf den Rahmen beschränkt."

Hartmut Hessel erwähnt auch den legendären Unterfränkischen Kunsthandwerkermarkt, den Mia Hochrein 1986 nach Münnerstadt geholt hat. Die Künstlerin hat auch eine klare Meinung zum Veranstaltungsort der Jubiläums. "Ich sehe das Fest ihn der Altstadt", sagt sie. "Ich habe mir auch schon Gedanken gemacht." Vielleicht wird sie selbst einen künstlerischen Beitrag leisten.

Mit vorne dran bei den Mega-Events der 1980er Jahre stand Bernd Wohlfromm. "Das ist ein Stadtjubiläum, das gehört in die Stadt",sagt er. "Alles andere wäre ein Wald- und Wiesenfest, wie es jeder macht." Bernd Wohlfromm kann sich auch sehr gut ein Fest mit mehreren Bühnen in der Stadt vorstellen, wo vor allem auch die Stadt mit ihren Chören und Kapellen ihr eigenes Potenzial darstellen kann. "Ich stehe auch gerne mit Rat zur Seite." Das gilt natürlich auch für Hartmut Hessel.