Ein Schulheft gibt es nicht, statt dessen liegt ein Tablet vor den Schülern der Klasse 5c. Sie sind die ersten im Landkreis Bad Kissingen, deren Hauptunterrichtsmittel der kleine, handliche Computer ist. Die Schüler haben absolutes Neuland betreten,aber auch ihre Lehrer mussten sich einer Herausforderung stellen. Neun Monate nach Einführung der ersten Tabletklasse ziehen alle Beteiligten ein äußerst positives Resümee. Mit welcher Begeisterung Schüler und Lehrer bei der Sache sind, davon hat sich jetzt auch die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, überzeugt. Im September wird es eine neue Tabletklasse geben.

Ob Kollegstufe oder Ganztagsgymnasium, das Münnerstädter Schönborn Gymnasium war schon mehrfach Vorreiter in Sachen Bildung gewesen. Von einer externen Fortbildung brachten Lehrer die Idee der Tabletklasse mit. Zunächst aber mussten die Voraussetzungen geschaffen werden, was unter anderem für den Landkreis Bad Kissingen als Sachaufwandsträger eine enorme Herausforderung darstellte. Zwar bezahlen die Eltern die Tablets samt Stifte selbst, doch es bedarf einiger Technik, damit sie in allen Klassenräumen funktionieren.

Zunächst stellten Joachim Schwigon, sein Stellvertreter Jens Hupfer und Andreas Keim, Mitarbeiter der Schulleitung, den Gästen das Projekt kurz vor. Neben Dorothee Bär wollten sich die Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Unterfranken, Monika Zeyer-Müller und Landrat Thomas Bold (CSU) über die Tabletklasse informieren. Während sich der Landkreis um funktionierendes WLAN-Netz gekümmert hatte, nahm sich das Team am Gymnasium der Tablets und der Software an. Die Wahl fiel auf iPads mit Stift. Darauf wurden sorgfältig ausgewählte Apps aufgespielt. Waren am Schuljahresanfang die sieben Klassenzimmer mit WLAN ausgestattet, in denen die 5c unterrichtet wird, so funktioniert es inzwischen flächendeckend. Die Schule hatte sich ganz bewusst für eine Ganztagsklasse als Tabletklasse entschieden, weil es zwei davon gibt. "Die Eltern sollten wählen können", sagte Joachim Schwigon.

Mit jedem neuen Schuljahr wird eine Klasse hinzukommen, sagte Monika Zeyer Müller. Dementsprechend werden auch immer mehr Lehrer in die neue Unterrichtsform eingebunden, die dazu auch bereit sein müssten. Von den 60 Kollegen seien schon jetzt 20 involviert, meinte dazu Andreas Keim. Inzwischen gibt es am Gymnasium auch einen Tablet-Wagen, der in anderen Klassen zum Einsatz kommt.

Neben den Gymnasien gebe es ja auch noch Grundschulen, Realschulen, Gesamtschulen und Berufsschulen, sagte Dorothee Bär. "Mir geht das alles zu langsam, was die Länder machen. "Die Schulen werden allein gelassen." Die Staatsministerin fand deutliche Worte: "Der Föderalismus ist der absolute Totengräber der Digitalisierung." Es gebe überhaupt keine Zahlen, dabei müsste man wissen, welche Summen überhaupt nötig seien. Sie findet, dass jede Schule ein Recht auf einen Systemadministrator haben sollte.

Vier Gymnasien und zwei Berufsschulen gibt es im Landkreis, sagte Thomas Bold. Auch er beklagte ein fehlendes Medienkonzept. Kompetenz gebe es nur dank des Engagements der Lehrer. Er wäre froh, wenn er dieses Engagement auch einmal honorieren könnte, sagte dazu Joachim Schwigon. Das könne er derzeit nur in der Beurteilung der Lehrer. Dorothee Bär kam zu dem Schluss: "Ein richtiges Gesamtkonzept ist nicht da, das geht einfach nicht."

Dass zumindest am Schönborn-Gymnasium sehr wohl etwas in Richtung Digitalisierung läuft, davon konnten sich die Staatsministerin und die anderen Gäste dann im Klassenzimmer der 5c überzeugen. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich in Gruppen aufgeteilt , um zu zeigen, was sie mit den Tablets alles machen können. Interessant sei, dass sie innerhalb kurzer Zeit eine enorme Medienkompetenz entwickelt haben, sagte Jens Hupfer.

"Drei Monate hat es gedauert, dann waren sie richtig fit", sagte Klassenlehrer Sebastian Hardt, der durchaus Unterschiede zu einer "normalen" Klasse sieht. Als Lehrer sei er mehr Begleiter im Lernprozess. "Die Schüler arbeiten mehr selbstständig." Und wie würden viel mehr hinterfragen, beispielsweise, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Der ließe sich auf einem Tablet ja auch sofort korrigieren. Der Lehrer, der sich auf jedes Tablet aufschalten kann (was den Schülern angezeigt wird), sieht viel schneller, wenn jemand seine Aufgaben bereits erledigt hat und kann ihm ganz schnell eine neue geben. Sehr interessant finden es alle Beteiligten, wie intensiv sich die Schüler mit den Apps beschäftigen. So verkehrt sich ab und an die Lehrer-Schüler Rolle. Denn immer wieder kommt es vor, dass die Kinder Funktionen entdecken, die die Lehrer noch gar nicht kannten. Das Lernen macht den Schülern der Tablet-Klasse einfach Spaß. Das nahmen auch die Besucher mit.