Im Jahr 1641 belagerten und beschossen starke schwedische Truppen vergeblich die Stadt. Die Bürger, die Marketenderinnen und die Landsknechte von damals hatten sicherlich Angst um Leib und Leben, ganz im Gegensatz zu denen, die am Samstag wieder einmal zum Lagerleben auf dem Anger zusammengekommen waren und dabei viel Spaß hatten.

Vor allem die Landsknechte mit ihren weißen Hosen, roten ärmellosen Jacken, roten Strümpfen, schwarzen Federhüten und den Hellebarden sowie die Marketenderinnen in unterschiedlich bunten Kleidern und Röcken bestimmten das Bild auf dem großen Platz unter den beiden weit ausladenden Kastanienbäumen. Nicht zu verkennen waren aber auch einige Bauern. Ob es insbesondere den Landsknechten nicht heiß wurde in ihren relativ dicken Uniformen? "Ich denk mir einfach, die Hitze geht mich nichts an, dann schwitz ich auch nicht", lautet das Rezept von Bernd Eckert.

Das Kontrastprogramm zum mittelalterlichen Szenarium auf dem Anger bildeten die zahlreichen Zuschauer, von denen die meisten auf Bierbänken Platz genommen hatten und sehr aufmerksam verfolgten, was sich vor ihren Augen so alles tat. Nicht nur aus der Kernstadt selbst waren sie kommen, sondern auch aus den Stadtteilen und aus Städten und Gemeinden rundherum. "Dieses Lagerleben ist eine tolle Idee. Seitdem es das gibt, komme ich jedes Jahr mit meinem Sohn", erklärte ein Vater aus Bad Neustadt.

"Das will ich auch haben", drängte der siebenjährige Maximilian seine Oma, als er sah, dass es in einer Bastelecke Schwerter und Schilde zu kaufen gab - für zusammen sechs Euro. In den Krieg gegen die Schweden kann er damit nicht ziehen, denn die "Waffen" sind aus Holz. Die geschäftstüchtigen jungen Waffenhändlerinnen machten trotzdem ein gutes Geschäft mit den Holzschilden und -schwertern. Der Schmied aus Kleinwenkheim und ein Kollege aus Behrungen hatten eine ganze Schmiede-Werkstatt auf dem Anger eingerichtet. Ihre Schwerter könnten schon gefährlicher werden.

Hier konnte man Schritt für Schritt verfolgen, wie eine Schwert-Klinge entsteht. Ein Stück Eisen wurde in einem Kohlefeuer mithilfe eines Blasebalgs bis zur Rotglut erhitzt und dann auf dem schweren Amboss mit einem Hammer entsprechend bearbeitet. Dazu braucht es neben dem Fachwissen auch viel Kraft und Ausdauer, wovon sich die Zuschauer überzeugen konnten. Während dieser langwierigen Arbeit hallten die lauten Hammerschläge über den ganzen Platz.

Viel ruhiger ging es dagegen gleich nebenan bei Stefan Fischer zu: Er stutzte und verschönerte auch dieses Jahr die Bärte einiger Landsknechte und Bauern und kümmerte sich auch um die Frisuren. Nach einem Tanz von Marketenderinnen und Landsknechten, musikalisch begleitet von einigen Trommlern und Pfeifern unter der Leitung von Bernd Eckert, kam schon ein Höhepunkt dieses Lagerlebens: ein Hans-Sachs-Spiel. Am bekanntesten ist "die Zähmung der Widerspenstigen".

Rainer Kirch als geplagter Ehemann will "in den Himmel oder in die Hölle, nur frei sein". Die Ratschläge von Franz Wüst, um die rabiate Ehefrau, gespielt von Doro Hanshans, zu zähmen, verpuffen. Kein goldener Ring hilft und kein Kraut. Da versucht es Rainer Kirch halt mit roher Gewalt und ein paar Steinen - und das hilft. Die drei Darsteller sind seit langem ein eingespieltes Team und bekamen von den zahlreichen Zuschauern ihren verdienten Beifall.

Dieses Lagerleben auf dem Anger vor dem zweiten Heimatspiel-Sonntag hat sich inzwischen sehr gut etabliert und findet nicht nur bei den unmittelbar Beteiligten aus der Heimatspielgemeinde, sondern auch bei Bürgern und Gästen aus der näheren und weiteren Umgebung viel Anklang.