Eine Verbindung zwischen Unterfranken und Ober-Österreich soll das Leader-Projekt "Vivid Freistadt transnational" herstellen. Oliver Schikora, einer der drei Vorsitzenden des Altstadtvereins Münnerstadt, und Künstlerin Mia Hochrein stellten die Idee in der jüngsten Sitzung des Lenkungsausschusses der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Bad Kissingen vor. Das Gremium sprach sich einstimmig für eine Unterstützung aus.

Cordula Kuhlmann, Leiterin des Regionalmanagements, freute sich, dass es wieder mal ein transnationales Projekt im Landkreis gibt: "Wir hatten ja schon einmal eine Kooperation mit Finnland", berichtete sie in der Sitzung. Durch die Zusammenarbeit mit Österreich sei auch eine höhere Förderung von bis zu 80 Prozent möglich. Auch bei der Bewertung der Ziel schnitt das Projekt gut ab: 18 von 24 Pflichtpunkten und 29 von 37 Punkten insgesamt sind erreicht. "Das Projekt fördert regionales Selbstbewusstsein durch die generationenübergreifende Auseinandersetzung mit dem Thema Heimat", heißt es in der Bewertung.

Oliver Schikora stellte zunächst die Ziele des im Jahr 2000 gegründeten Altstadtvereins vor: Die 55 Mitglieder haben sich unter anderem der "Mitgestaltung einer lebenswerten Stadtgesellschaft" verschrieben. Der Verein übergibt den "Mürschter Nagel" an Bauherren, die Gebäude vorbildlich renovieren, und beteiligt sich an zahlreichen Projekten. 2013 fand erstmals unter dem Dach des Vereins das Kunstprojekt "else" statt, 2018 gab es eine Neuauflage. Mit dem Projekt werden leer stehende Gebäude wie Marienanstalt und Bahnhof belebt. 3500 Besucher hatte "else" im vergangenen Jahr.

Auf Nachfrage von Edgar Thomas betonte Oliver Schikora, dass das Vivid-Projekt bestimmt auf breite Zustimmung in Münnerstadt stoßen wird: "Die Zusammenarbeit zwischen Altstadtverein und Stadt ist grundsätzlich sehr gut, aber von diesem Projekt weiß die Stadt tatsächlich noch nichts."

Das Leader-Projekt soll die Kunstwoche im österreichischen Freistadt mit der 1250-Jahr-Feier der Stadt Münnerstadt verbinden. Es soll interdisziplinär sein, und wir wollen die Bevölkerung mitnehmen", betonte Mia Hochrein. Geplant seien vor allem drei Elemente: Bei einer szenischen Lesung unter dem Titel "Wasser, Brot, Salz" würden sich die drei Litera(n)ten Bärbel Fürst, Jens Müller-Rastede und Bernt Sieg kurzweilig und mit musikalischen Einlagen den Gemeinsamkeiten zwischen Münnerstadt und Freistadt nähern: "Beide Städte liegen an der Salz-Straße, haben viel Wasser und Mühlen", nannte Hochrein als Beispiele.

Bei einem Workshop zum Thema Dialekt sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Sprache herausgearbeitet werden. "Dialekt ist ja direkt mit Heimat verbunden", sagte Hochrein. In Münnerstadt direkt, in Stadtteilen und vielleicht darüber hinaus sollen Tonaufnahmen gemacht werden, die dann zu einem "dialektischen Rap" geschnitten werden.

Standorte im gesamten Landkreis sind auch für die Installation "Dehemm" vorgesehen. "Das ist im Wesentlichen eine große Kiste, in die man rein kann", beschrieb Hochrein ihr eigenes Teil-Projekt. Die 1,20 auf 1,20 Meter große Kiste ist rund 0,75 Meter hoch und soll - wie eine Höhle - ein Gefühl von Heimat vermitteln. "Heimat ist, wo ich mich wohlfühlen kann", sagt die Künstlerin dazu.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf rund 11 300 Euro. Kuhlmann betonte, dass darin kein Beitrag zur eigentlichen Kunstwoche in Österreich und auch keine Reisekosten der Beteiligten enthalten sind. Die wesentlichen Posten sind die Konzeption, Künstler-Honorare, Öffentlichkeitsarbeit und der Transport von Kunstwerken. Die LAG sagte eine Förderung von bis zu 8764 Euro zu.

Der Altstadtverein und damit die else-Organisatoren waren vom Kulturmanager des Landkreises Felix Gantner darauf angesprochen, dass das österreichische Freistadt für seine Kulturwoche einen Kooperationspartner sucht, erklärt Mia Hochrein, die künstlerische Leiterin von else, auf Nachfrage. Sie freut sich, dass es im Landkreis dieses Kulturmanagement gibt. Freistadt kannte Hochrein bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Mittlerweile gab es aber Telefonate mit der dortigen Kulturmanagerin. Außerdem hat sich die Münnerstädterin im Internet über den neuen Kulturpartner informiert. Im Herbst möchte Mia Hochrein mit else nach Österreich fahren, um den Ort auch persönlich kennenzulernen. Geplant ist, dass 2020 der Kulturaustausch zunächst mit dem else-Angebot in Österreich stattfindet.

Im Herbst 2020 soll eine Delegation nach Münnerstadt kommen. "Dieses Leaderprojekt ist genau das, was else will", stellt Hochrein fest. Neben der örtlichen Leerstandsbelebung über Kunstprojekte gehe es auch darum, künstlerische Kontakte nach außen zu knüpfen, um dadurch neue Impulse zu erhalten.

Informationen zu Freistadt

Lage Freistadt liegt in Oberösterreich im dortigen Mühlviertel. Es ist ca. 38 Kilometer von Linz entfernt und 17 Kilometer von der tschechisch-österreichischen Grenze.

Einwohner Die Einwohnerzahl wird mit 7458 angegeben.

Geschichte Freistadt wurde 1220 planmäßig angelegt, feiert also im nächsten Jahr wie Münnerstadt ein Stadtjubiläum. Seine Blütezeit erlebte die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert. Bis heute hat sich ein historischer Altstadtkern erhalten.

Heute Das moderne Freistadt ist eine Verwaltungs- und Schulstadt sowie ein medizinisches Zentrum der Region. In Freistadt gibt es ein reges Kulturleben sowie ein Museum (Quellen: Wikipedia, Homepage Freistadt).