So fröhlich erlebt man Ursula Boehm selten. Meist plagen sie Sorgen wegen viel zu vieler Tiere im Heim, sie und ihre Mitarbeiter stecken bis zum Hals in Arbeit. Wann sie das letzte Mal Urlaub gemacht hat, weiß sie auch nicht mehr so genau. Seit sie vor 13 Jahren hier angefangen hat jedenfalls nicht. Ein volles Haus ist mittlerweile zur Normalität geworden, nur wenn es gar nicht mehr geht, wendet sie sich an die Öffentlichkeit. Das hat sie Anfang des Monats getan. Mit so einem Erfolg hatte sie gar nicht gerechnet.

"Wir haben ganz viel Nassfutter für Kitten bekommen", sagt sie. Weil so viele junge Katzen teils mit und teils ohne Mütter abgegeben bzw. vor dem Tierheim abgesetzt wurden, stieg der Bedarf an Futter für die Kleinen enorm. Jetzt haben die Mitarbeiter erst einmal einen ordentlichen Vorrat. Aber der hält erfahrungsgemäß nicht lange. "Wir nehmen natürlich auch weiterhin gerne welches an", sagt die Leiterin. Was Ursula Boehm mindestens genauso freut, ist die gestiegene Vermittlungsquote. "Seit der Artikel in der Zeitung war, haben wir an die 30 Katzen vermittelt", sagt sie begeistert. Einige, die noch zu klein für die Abgabe sind, haben sich ihre künftigen Besitzer reservieren lassen. Aber keine Bange: Es gibt noch genug Samtpfoten in jedem Alter und in allen Farben. Die Lage hat sich zwar ein bisschen gebessert, ist aber noch immer angespannt.

Und das betrifft nicht nur die Katzen. In der Wannigsmühle bekommen die Mitarbeiter jeden Trend zu spüren. Ein wenig zeitversetzt, nämlich dann, wenn die Besitzer die Mode-Tiere nicht mehr haben wollen. Ganz groß im Trend sind in letzter Zeit Hühner. Das Tierheim bekam einen Anruf, dass eine ganze Schar Hühner frei herumlaufen würden. "Irgendwo im Nirvana hinter Bad Königshofen", sagt Ursula Boehm. Vier Mitarbeiter haben sechs Stunden gebraucht, um die Tiere einzufangen. Für so etwas haben sie eigentlich überhaupt keine Zeit. Die Leiterin ist froh, dass niemand die Szenen aufgenommen hat, denn es sei wirklich alles andere als leicht, ein Huhn einzufangen. "Vor allem in so einem Gestrüpp." Irgendjemand muss die Tiere ausgesetzt haben.

Landleben sei voll im Trend, ein paar Hühner zu halten, um frische Eier zu bekommen, finden viele Menschen toll. Sie vergessen aber, dass Hühner Arbeit machen. Und nicht nur das. "Wer empfindlich bei seinem Garten ist, sollte es bleiben lassen, Hühner zu halten", sagt die Tierheimleiterin. Denn Hühner sehen einen Garten nicht als Erholungsraum an, sondern als Ort, wo sie etwas zu fressen finden können. Und dementsprechend sieht er dann auch aus. Ursula Boehm vermutet, dass genau so etwas passiert ist und die früheren Haltern der Hühner die nun nicht mehr gewünschten Eierleger loswerden wollten. Sie waren zwar ein wenig zerzaust, als sie in der Wannigsmühle ankamen, inzwischen haben sie sich aber gut erholt. Sie leben bei den anderen Hühnern, die schon vorher hier waren.

Bei Hühnern ist das auch kein Problem, bei Hähnen sieht es anders aus. Ursula Boehm erinnert sich noch, dass ein Anrufer gefragt hatte, ob das Tierheim drei junge Hähne aufnehmen könnte. "Ich war aber nicht selbst am Apparat, sondern eine Mitarbeiterin", sagt sie. Die Kollegin musste absagen, denn das Tierheim hat schon einen Hahn. "Ein paar Tage später kam ein Anruf, dass bei Hendungen drei junge Hähne herumlaufen." Der frühere Haltern hatte ihnen eine Schale mit Futter und eine mit Wasser hingestellt. "Wie nett", rutscht es Ursula Boehm heraus, die für so etwas überhaupt kein Verständnis aufbringen kann.

Sie vermutet, dass ein Hobby-Hühnerhalter einmal Küken ausschlüpfen ließ. "Für die Kinder, sie sind doch so niedlich." Doch dann wurden die Tiere größer und es waren nicht nur Hennen. Und nun hat das Tierheim ein Problem, besser gesagt drei. Ein Hahn duldet keinen Nebenbuhler. "Dann haben wir Hahnenkämpfe auf dem Hof", sagt sie. Noch sind die Hähne jung, haben kein Problem miteinander und der heimische Hahn sieht sie noch nicht als Rivalen an. Das kann sich aber ändern. Inzwischen hat das Tierheim einen vermitteln können. Auf einen Hof war der alte Hahn gestorben. Die anderen beiden müssten aber auch noch ein neues Zuhause finden.

Dann wären zumindest die allerdicksten Problem weg. Aber die kommen wieder. Spätestens im nächsten Jahr wird das Tierheim wohl wieder vor lauter Katzen überquellen. Da macht sich Ursula Boehm schon lange nichts mehr vor.