"Wir haben einen Neustart gemacht mit neuen Leuten", sagt Gemeindejugendpfleger René Felcht und räumt gleich mit einem falschen Gerücht auf: "Der Jugendraum war zu keiner Phase geschlossen." Es sei ganz normal bei Heranwachsenden, dass sie andere Interessen entwickeln und dann eben nicht mehr in den Jugendraum kommen, heißt es beim Gespräch mit den beiden Gemeindejugendpflegern und Jugendreferent Klaus Schebler (Neue Wege). Deshalb haben Manuel Müller und René Felcht die jungen Leute aus Münnerstadt persönlich angeschrieben. Die Interessenten entschieden sich für einen Öffnungstag, an dem die meisten Zeit haben. "Es macht ja keinen Sinn, wenn nur zwei Leute kommen", meint Klaus Schebler. Jetzt ist der Jugendraum immer am Donnerstag von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Dann sind die Gemeindejugendpfleger auch vor Ort.

Feiern unter Einhaltung bestimmter Regeln

"Es mussten erst Strukturen geschaffen werden, damit hier auch Jugendarbeit stattfindet, und das nicht nur ein Partykeller ist", erläutert René Felcht. Wobei Feiern unter Einhaltung bestimmter Regeln auch möglich sind. Bei Interesse können die Öffnungszeiten erweitert werden. "Einfach vorbeikommen", sagen die Mitarbeiter von Pro Jugend. Interessenten können sie auch telefonisch kontaktieren. Auf der Internetseite der Stadt und unter www.projugend-kg.de sind die Daten zu finden.

"Ich finde es hier cool, man kann Freunde treffen, zu Hause ist es langweilig", meint beispielsweise Emely. Der Beamer läuft, die jungen Leute sich mit ihrem Handy beschäftigt. Dass sie es so gemütlich haben, verdanken sie ihren Vorgängern. Denn die haben im letzten Sommer die Räume völlig neu gestaltet. "Wir sind mit ihnen in Baumärkte und Einrichtungshäuser gegangen, haben verschiedene Dinge zusammengesammelt", sagt Manuel Müller. "Alles nach den Vorstellungen der Jugendlichen", ergänzt Klaus Schebler. Das Geld stammt aus dem Budget , das der Stadtrat für die Jugend zur Verfügung gestellt hat. Klaus Schebler hofft, dass die Kommunalpolitiker auch weiterhin die 10.000 Euro in den Etat einstellen.

Das Geld werde für Projekte gebraucht, sagt Klaus Schebler. Als Beispiel nennt er ein Fest von Jugendlichen für Jugendliche. "Wir haben das 2017 im Rahmen eines Beteiligungsprojektes ausprobiert", erläutert René Felcht. Ein großer Wunsch der Jugend sei beispielsweise ein Grillplatz an der Lauer, meint Klaus Schebler, der bedauert, dass die Jugendlichen in der Vergangenheit auch enttäuscht wurden, weil Vorhaben nicht so umgesetzt werden konnten, wie es geplant war. "Es gibt nichts Schlimmeres, als die Jugendlichen heißzumachen und dann zu sagen: geht nicht, weil kein Geld da ist", betont er. Enttäuschungen gehören zwar zum Leben, das dürfe aber nicht oft passieren.

21 Wochenstunden gebucht

21 Wochenstunden hat die Stadt Münnerstadt derzeit beim Verein " Pro Jugend" gebucht. Ein Viertel davon wenden die beiden für die Arbeit rund um den Jugendraum auf. Ein anderes Feld sind beispielsweise die Jugendbeteiligung beim Schaffen von Strukturen. Das sei Projektarbeit, sagt René Felcht. Er erinnert an das angedachte Café und ähnliches, also Flächen, auf denen die Jugendlichen ihre Freizeit verbringen können. Aber: "Die Ressourcen müssen von der Stadt kommen", betont er. "Wir versuchen etwas anzuleiern, dass die Stadt der Jugend ein bisschen was bietet, dass sie nicht abhauen." Es gehe dabei als übergeordnetes Ziel um die Stadtentwicklung. "Dass wir neben dem funktionierenden Schulstandort und dem Hort auch in der Jugendarbeit gut aufgestellt sind und zur städtische Struktur gehören", sagt René Felcht.

Die beiden Gemeindejugendpfleger können auch Vermittlerrollen übernehmen. "Wir sind ein niederschwelliger Ansprechpartner für Eltern und Jugendlichen bei Problemen", sagt Manuel Müller. Die Hemmschwelle liege bei ihnen deutlich niedriger als beispielsweise bei Behörden. Es gehe aber nicht nur um Probleme. Sie wollen Vermittler sein, wenn Jugendliche bestimme Angebote suchen. Aber auch, wenn es den Stadtrat oder den Bürgermeister interessiert, welche Meinung die Jugendlichen zu bestimmten Themen haben. Sie erinnern an die Jugendworkshops und die daraus gebildeten Interessengruppen, die dann weiter gearbeitet haben.

Stammtisch ins Leben rufen

Für Münnerstadt ist angedacht, einen Stammtisch ins Leben zu rufen, bei dem die Jugendlichen meckern können, wenn ihnen etwas nicht passt. "Aber auch loben", meint René Felcht. Gerne könnten die Stadträte dazu kommen. Einmal im Monat soll künftig so ein Stammtisch stattfinden. So sollen Jugendliche erreicht werden, die sich einbringen wollen, ergänzt Manuel Müller. Der Jugendraum diene der Freizeitgestaltung. Parallel dazu müssten aber auch die jungen Leute motiviert werden, die etwas ausprobieren wollen, an der Stadtentwicklung mitarbeiten wollen.

Angebote gibt es von Pro Jugend viele. Gerade erst am Samstag ist ein landkreisweites Fotoprojekt zum Thema "Beziehungen" von Pro Jugend angelaufen.