Was mit einem Schüleraustausch im Jahr 1973 begonnen hatte und 1979 offiziell begründet wurde, feiert jetzt Jubiläum: die Städtepartnerschaft zwischen Stenay (Frankreich) und Münnerstadt. Vor 40 Jahren unterzeichneten die Bürgermeister Robert Gipeaux und Ferdinand Betzer die Partnerschaftsurkunden. Jetzt werden sich ihre Nachfolger Stéphane Perrin und Helmut Blank wieder begegnen. Seit 2001 finden die Treffen jeweils im Frühjahr im Wechsel statt, ein Jahr in Frankreich, das andere Jahr in Münnerstadt. So wird das Jubiläum der Städtepartnerschaft heuer auf französischem Boden gefeiert. Und nächstes Jahr natürlich in Münnerstadt, auch wann es dann eigentlich schon 41 Jahre sind.

Weil die Städtepartnerschaft möglichst auf einer breiten Basis stehen soll, laden Bürgermeister Helmut Blank (CSU), die Vorsitzende des Freundeskreises Städtepartnerschaft Stenay, Maria Knauff, und die Präsidentin des Partnerschaftskomitees, Monika Grim, die Münnerstädter ein, das Jubiläum in Stenay mitzufeiern. Den Löwenanteil der Kosten übernimmt die Stadt, Teilnehmer müssen lediglich einen Unkostenbeitrag entrichten. "Es wäre aber wichtig, dass Interessenten sich möglichst bald anmelden", sagt Maria Knauff. Denn die Besucher werden stets privat bei den Gastgebern untergebracht und die Stenayer möchten dies natürlich zeitnah organisieren. Wer mitfeiern will, kann sich bei Maria Knauff unter Tel.: 09733/ 9839, Mail.: maria_knauff@gmx.de oder bei Lydia Bangert von der Stadtverwaltung Münnerstadt unter Tel.: 09733/ 810528, Mail.: steuerung@muennerstadt.de anmelden. Dies ist bis Samstag, 9. März, möglich.

"Ich fahre natürlich auch nach Stenay", sagt Bürgermeister Helmut Blank bei einem Pressegespräch. Und nicht nur er. "Ich finde die Städtepartnerschaft sehr wichtig und fahre natürlich gerne mit nach Stenay", meint Zweiter Bürgermeister Andreas Trägner (Freie Wähler) auf Anfrage unserer Zeitung. Damit sind alle drei Bürgermeister vertreten, denn das dritte Stadtoberhaupt, Axel Knauff (SPD), ist sowieso mit Ehefrau Maria Knauff immer dabei. Begleitet werden sie unter anderem vom Jugendblasorchester der Stadt Münnerstadt unter der Leitung von Thomas Reuß, die in ihren historischen Landsknechtsuniformen anreisen werden. Seit vielen Jahren immer dabei ist auch eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr. "Es sind immer so 25 bis 30 Leute", sagt Maria Knauff. Es können zum Jubiläum aber gerne auch ein paar mehr werden.

Das Programm steht schon nahezu fest und folgt dem altbewährten Muster. Am Freitag, 3. Mai, fährt der Bus von Münnerstadt nach Stenay, den Abend verbringen die Gäste in den Familien, bei den sie untergebracht sind. Am Samstag, 4. Mai, steht der obligatorische Ausflug auf dem Programm, der von den Gastgebern organisiert wird. Die Mitglieder des Jugendblasorchesters haben sich Verdun als Ausflugsziel gewünscht. Die Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ist nur 60 Kilometer von Stenay entfernt. Am Abend steht dann der Festabend zum 40-jährigen Freundschaftsjubiläum auf dem Programm. Am Sonntag findet nach dem Gottesdienst der offizielle Empfang im Rathaus statt, nach dem Mittagessen in den Gastgeberfamilien geht es zurück nach Münnerstadt.

Dass jetzt das 40-jährige Jubiläum gefeiert werden kann, ist nicht nur den Gründern zu verdanken. Über die vielen Jahre wurde es manchmal ein wenig still um die Partnerschaft. "Als ich 1993 nach Münnerstadt kam, war die Partnerschaft eingeschlafen", erinnert sich Monika Grim. "1996 wurde sie dann wiederbelebt." Im Jahr 2000 wurde Maria Knauff Vorsitzende des Freundeskreises. Seither finden jährliche Treffen statt.

Was heute so selbstverständlich ist, war lange Zeit undenkbar. "Eine freundschaftliche Partnerschaft der Städte mag für damals ältere Bürger keine leichte Entscheidung gewesen sein", erinnerte sich Altbürgermeister Ferdinand Betzer, anlässlich des 30-jährigen Freundschaftsjubiläums an die Anfangszeit. "Vor der offiziellen Begründung der Partnerschaft spürten alle, dass die schlimmen Erinnerungen an früher noch lebendig waren." Bei der Teilnahme der Münnerstädter Feuerwehr des Departements Meuse legten 1977 in Stenay zum ersten Mal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Deutsche einen Kranz am Denkmal für die französischen Kriegsopfer nieder. "Einige Veteranen verließen damals demonstrativ den Platz beim Abspielen der deutschen Nationalhymne durch die Stadtkapelle", erinnerte sich Ferdinand Betzer. Auch hatte es ein einziges Mal eine abwertende Äußerung von Jugendlichen gegeben, aber die Bürgermeister seien verständnisvoll und zurückhaltend damit umgegangen.

Der Unterzeichner der Partnerschaftsurkunde kam vor zehn Jahren zu dem Schluss, dass - vor allem wegen der Sprachprobleme - nicht alle Kontaktwünsche in Erfüllung gegangen seien. "Dennoch bestehen nach der Aufbruchstimmung der ersten Jahre noch heute lebhafte Begegnungen", meinte Ferdinand Betzer. Und das gilt auch noch heute.