Wozu brauchen wir "Mainz bleibt Mainz" oder "Fastnacht in Franken," wenn wir die Faschingssitzungen des Kolping-Elferrats haben? Sitzungspräsident Andreas Albert hatte ein "Programm der Extraklasse" unter dem Motto "geht doch" versprochen, und die Zuschauer in der Alten Aula wurden nicht enttäuscht. Die Beiträge waren mal witzig, mal scharfzüngig. Auch die Stadtpolitik wurde nicht ausgespart, wovon sich die beiden Bürgermeister-Stellvertreter Andreas Trägner und Axel Knauff samt einigen Stadträten überzeugen konnten. Selbstverständlich waren alle drei Garden im Einsatz und waren in ihren hübschen Kostümen eine wahre Augenweide.

Die Elferratsgarde, trainiert von Monika Petsch, machte in klassischen Garde-Kostümen den Anfang und ganz zum Schluss entführte sie die Gäste nach Ägypten zur Zeit der Pharaonen. Die Sternchengarde ließ die hohe Zeit des Rock 'n Roll musikalisch und modisch wieder aufleben. Der Nachwuchs wird von Christina Skuppin, Stefanie Wohlfromm und Sofia Gopp trainiert. Keulenschwingend stürmte die Juniorengarde die Bühne und versetzte die Zuschauer in die Steinzeit. Trainiert wird diese Garde von Christina und Sabrina Skuppin.

Wie geht es denn in einer Familie mit einem Elferrats-Vater zu? Katharina Mayer weiß das ganz genau: "ab dem 11.11. lacht er schon früh im Bett , es ist eine Schau - brüllt er als erstes laut Helau." Doch die Mutter rennt zur Bank und sperrt das Familienkonto, der Vater bekommt nur 50 Euro Taschengeld pro Woche.

Eine Faschingssitzung ohne "Nagel mit Kopf", präsentiert von Wilhelm Schmitt? "Geht nicht" kann die Antwort nur lauten. Der machte durch falsche Betonung aus dem Motto "geht doch" hinterlistig ein "geh doch." Nach einer Exkursion in die Weltpolitik widmete er sich Münnerstadt: "auch hier läuft vieles nicht normal, Baustellen man genügend hat." Dass kein Christsozialer bereit war, nach dem Rücktritt von Michael Kastl als Zweiter Bürgermeister zu kandidieren, kommentierte er mit "ein Armutszeugnis war's ihr Leut', so kann man sich blamieren." Bekanntlich werden die Bäume am Lauer-Damm gefällt - "in diesem Fall hat klar verloren gesunder menschlicher Verstand" sagte er dazu. Den Satz "im Stadtrat soll'n sie sich vertragen" hört er nicht gern, denn "wer so denkt, ist fehl am Platz. Entscheidungen müssen reifen zu Wohle uns'rer lieben statt der muss auch der das Wort ergreifen,
der eine and're Meinung hat."

Die beiden Nachwuchstalente Johanna und Sophie Bauer als "Ehepaar beim Frühstück" brachten Kalauer, die man aber immer wieder gerne hört wie "es ist erstaunlich, dass die größten Idioten die schönsten Mädchen heiraten." Antwort: "das ist das schönste Kompliment für mich." Die spitze Bemerkung "ich wette, du weißt nicht einmal, wann wir geheiratet haben" konterte der
fußballnärrische Ehemann "das war als Köln 4:2 verloren hat." Wolfgang Düringer erzählte aus seinem Leben als Wallfahrin, zum Beispiel nach Stanton und wusste aus seiner Kindheit noch "Singen habe ich auf einer Singer-Nähmaschine gelernt." Warum sie nur noch Briefwahl macht? "Ab einem
gewissen Alter hat 'Urne' einen Beigeschmack. Was ist die Kartonagengruppe bei einer Wallfahrt? Dort marschieren die "alten Schachteln."

Auch die "internationale Presse" zeigt am Stadtgeschehen in Mürscht höchstes Interesse: "Hier ist die Presse - wo ist die Sensation?" Franziska Eckert und Caroline Schwarz kamen extra als Reporter in das Städtchen, "wo ein Skandal den anderen jagt." Sie waren vorsichtig, denn "als Pressevertreter hat man ja kein leichtes Leben, da kann es ganz schnell mal eine Anzeige geben." Doch für den Fall, "dass uns jemand anzeigt oder sich bei unserem Chef beschwert" sitzt, selbstverständlich inkognito, ihr
Anwalt. Der ist zwar Honorare im mittleren vierstelligen Bereich gewohnt, doch sie bekommen einen Sonderpreis, ein spritziges Wasser und zwei Schinkenstangen.

Neulich waren sie "an einer ganz heißen Sache dran, wir waren zu Gast in der Mürschter Niederlassung von Aserbeidschan. Klar, dem Edi Lintner sein Korruptionsskandal wirkt bis in unser Mürscht, klarer Fall." Aber alles nicht so schlimm, "es ist sogar üblich und legitim, dass ein armer pensionierter Staatssekretär seine Pension aufbessern muss. Er hat's halt schwer." Auch mit dem Rathaus haben die beiden zu tun, täglich mit dem Bürgermeister einen Termin. Egal, ob er mit dem Stadtrat ackert, oder zuguckt wie ein Bagger baggert, wird das für die Propaganda genutzt."

Andreas Albert als städtischer Angestellter mit Ärmelschonern, museumsreifer Schreibmaschine und verschlissener Aktentasche, Thermoskanne auf dem Tisch, lebt nach der Devise "ich mag es nicht, wenn man mich hetzt." Deswegen hat er sich einen Job im Rathaus gesucht, "eine Arbeit wo
man Ruhe hat. Anfang Zeichen oben. Im Bürgerbüro blieb er nicht lange, denn "schlafen Sie doch mal bei Publikumsverkehr. "Die ewige Ruhe habe ich endlich gefunden. Als Beamter im Rathaus verbringen ich meine schönsten Stunden" verkündete er.

Die Mamas und Papas durften natürlich nicht fehlen. Sie präsentierten ein paar Konzepte für das Mürschter Nachtleben und verwirklichten die auch gleich. Bei ihnen gibt es hochrangig hochrangige Kultur in der alten Aula mit dem Kolping-Fasching als Hauptprogramm. Im Bahnhof sind Kleinkunst und Ausstellungen angesagt, zum Beispiel ein Auftritt der Comedian Harmonists. In der Zehntscheune treten nach dem Auszug der Feuerwehr die Spicegirls auf nach dem Motto "lieber nackte Fakten als alte Akten" und auf dem neuen Festplatz in der Lache gibt es eine Oldienight mit AC/DC.

Edi Schmitt "alteingesessener Ökonom aus Reichenbach", schickte dieses Jahr seine Frau Rita vor, die sich als Rei'g'schmeckte vorstellte. In ihrer Heimat gibt es viel Mord und Totschlag. Doch hier in Mürscht füllen die Streitereien im Rathaus die Zeitung, denn mir gibt es nicht. "Das sollte
unter Bürgermeister sich schämen" kommentierte sie die Meldung, dass dieser 2017 zum ersten Mal im Heimatsspiel gewesen sei. Sehr kritisch merkte sie an "Stadträte und Ortssprecher kommen im Freizeitdress in den Sitzungssaal." Bei manchen könnte man meinen, sie würden sich nur noch um
sich und ihren eigenen Ort kümmern, "tun gegen die Stadt selbst rebellieren als könnten sie, ohne sie existieren."